Demonstrationsbetriebe


Stautenhof: Kein Schwein verlässt den Hof

Familie Leiders auf der Grünen Woche, Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster
Familie Leiders erhielt zur Grünen Woche in Berlin den Förderpreis Ökologischer Landbau für ihre gesamtbetriebliche Konzeption.

Anfang Januar 2014 bekam der Stautenhof für seine gesamtbetriebliche Konzeption den Förderpreis Ökologischer Landbau verliehen. Der Demonstrationsbetrieb überzeugte die Jury mit einem geschlossenen System, bei dem die Tiere auf dem Hof geboren, aufgezogen, geschlachtet und verkauft werden. Ein Konzept, das auch die Kunden begeistert.

Gewinn: Förderpreis Ökologischer Landbau

Morgendliches Treiben auf dem Stautenhof: Schäumender Milchkaffee, große Mengen an Fleisch und Käse gehen über die Theke und freundliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind im Gespräch mit zahlreichen Kundinnen und Kunden.

Christoph Leiders im Schweinestall, Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster
Auf dem Demonstrationsbetrieb leben Zuchtsauen und Mastschweine, die nach ihrer Aufzucht dort geschlachtet und verarbeitet werden.

"Nachdem wir den Förderpreis Ökologischer Landbau erhalten haben, rannten uns die Kunden ‚die Bude‘ ein", verrät uns Betriebsleiter Christoph Leiders, der zusammen mit seiner Frau Beate den Stautenhof in Willich-Anrath führt. Mit dem Förderpreis Ökologischer Landbau werden ökologisch wirtschaftende Betriebe ausgezeichnet, die innovative Leistungen in die Praxis ihres Betriebes umgesetzt haben oder eine besondere gesamtbetriebliche Konzeption nachhaltig verfolgen. Das Betriebsleiter-Ehepaar Leiders erhielt diese Auszeichnung am 23. Januar 2014 für die gesamtbetriebliche Konzeption des Stautenhofs. Laudator und Jury-Mitglied Professor Jürgen Heß von der Universität Kassel lobte zur Preisverleihung das authentische und integrative Betriebskonzept der Leiders: "Der Stautenhof ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich flächenmäßig eher schwach ausgestattete Betriebe in für die Direktvermarktung günstiger Lage erfolgreich entwickeln können."

Konzept: Geschlossenes System

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1.500 Weidehähnchen und über 1.000 Legehennen leben in mobilen Ställen auf dem Stautenhof.

Der Familienbetrieb befindet sich im Ballungsgebiet-Dreieck von Mönchengladbach, Düsseldorf und Krefeld. Auf 45 Hektar leben über 50 Zuchtsauen und 400 Mastschweine, 1.500 Weidehähnchen und über 1.000 Legehennen in mobilen Ställen. Die Schweinemast und -haltung erfolgt im geschlossenen System, das heisst die Tiere werden auf dem Hof geboren, aufgezogen, geschlachtet und schließlich verkauft. Oder wie es in einem Slogan des Stautenhofs heißt: "Kein Schwein verlässt den Hof." Auch das Geflügel ist aus eigener Produktion. Auf diese Weise können die Leiders die artgerechte Tierhaltung ihren Kunden garantieren und vermeiden unnötige Tiertransporte. Die Schlachtung auf dem eigenen Hof sei ein bedeutendes Aushängeschild und signalisiere den Kunden Transparenz, erklärt Leiders: "Wir können von jedem Stück Fleisch sagen, wo es herkommt." Schweine und Geflügel stammen vom Hof, Rinder und Schafe werden von anderen Biobetrieben aus der Region zugekauft. Rinder werden in einer in der Nähe liegenden Schlachterei geschlachtet, der Rest auf dem eigenen Hof. Die Verarbeitung des gesamten Fleischs findet in der Metzgerei des Stautenhofs statt. Ein Aufwand, der sich lohnt, denn: "Die Regionalität ist ein wichtiges Thema für unsere Kunden, das in Zukunft eine immer größere Rolle spielen wird", erklärt der Biolandwirt.

Die Regionalität ist ein wichtiges Thema für unsere Kunden, das in Zukunft eine immer größere Rolle spielen wird.

Weg: Weder einfach noch geradlinig

Christoph und Beate Leiders, Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster
Christoph und Beate Leiders bewirtschaften den Stautenhof in Willich-Anrath nahe Düsseldorf seit 1997 nach Naturland- und Bioland-Richtlinien.

Für die Leiders und ihr Team stellt der Förderpreis eine herausragende Anerkennung ihrer bisherigen Arbeit dar. Der Weg dahin war nicht immer einfach und geradlinig. Als Christoph Leiders den Betrieb 1987 von seinen Eltern übernahm, sah er in der Direktvermarktung nicht mehr als eine Zuerwerbsmöglichkeit. Doch als sich der Absatz des Fleisches als äußerst mühsam erwies, bauten die Leiders das Vermarktungskonzept aus. Was mit einer Fleischerei und einem klassischen Hofladen begann, ist heute ein vielfältiger, Einkaufsbereich mit einem kompletten Naturkostsortiment, einer Metzgerei, einer Bäckerei und einer Käsetheke. Zudem ist ein Bistro integriert, in dem genussvolle Frühstückssnacks und Mittagsgerichte sowie Kuchen- und Kaffeespezialitäten angeboten werden.

Schafe auf der Weide
Die Schafe werden aus der Region dazu gekauft und weiden vor dem Hof, so dass sie je nach Bedarf frisch geschlachtet und verarbeitet werden können.

Christoph Leiders weiß, dass der Erfolg auf dem Engagement jedes einzelnen Mitarbeiters beruht. Deswegen ist ihm der faire, respektvolle Umgang auch besonders wichtig, was nicht zuletzt der Förderpreis-Jury auffiel und lobend herausgestellt wurde. Dennoch findet er, dass die Führung von Mitarbeitern zu den schwierigsten Bereichen des Betriebes zählt. Der gelernte Landwirt trifft hier die Entscheidungen zusammen mit seiner Frau oft "aus dem Bauch heraus". Da inzwischen 55 Mitarbeiter in Voll und Teilzeit auf dem Stautenhof arbeiten, haben sie Abteilungs und Bereichsleitungen eingeführt, so dass bereits in kleinen Teams zeitnah Probleme geklärt werden können.

Wir können von jedem Stück Fleisch sagen, wo es herkommt.

Zukunft: Herausforderungen angehen

Käsetheke des Stautenhos, Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster
Zum Demonstrationsbetrieb gehören ein Bioladen mit Metzgerei, Käsetheke, Bäckerei, Obst- und Gemüsebereich.

Nach dem Gewinn des Förderpreises will der Stautenhof sich natürlich weiter verändern. Fragen der Neustrukturierung und der Einführung von Innovationen besprechen die Leiders bei ihren regelmäßigen Treffen mit zwei Unternehmensberatern, die sie über die Landwirtschaftskammer gefunden haben. Das Beratungspaket ist zwar kostenpflichtig, aber ausschlaggebend für den Erfolg. Immer wieder steht ein anderer Betriebszweig im Fokus. Außerdem werden die grundsätzlichen Fragen "Wo bin ich?" und "Was will ich?" geklärt.

Für die Zukunft planen sie, sich zu vergrößern, um mehr Getreide für die Bäckerei anzubauen. Doch das ist kein einfaches Unterfangen, denn Ackerfläche ist sehr knapp. Nun haben sie die Hoffnung, dass der Förderpreis Ökologischer Landbau ihnen etwas Rückenwind verschafft, zum Beispiel für Verhandlungen mit Behörden und lokalen Entscheidungsträgern.


Letzte Aktualisierung: 15.04.2014

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