Demonstrationsbetriebe


Weingut Seck: ökologisch, fair und innovativ

Axel Seck im Weinberg. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Winzermeister Axel Seck sprüht vor Ideen und Wissen. Bei seinen Führungen erklärt er Gästen gerne viele Details.

Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft übernehmen und Neues wagen, das sind zwei Grundprinzipien von Axel Seck – Inhaber des Demonstrationsbetriebs Weingut Seck im rheinlandpfälzischen Dolgesheim. Nachdem er das Unternehmen von seinem Vater übernommen hatte, stellte er auf ökologische Bewirtschaftung um. Außerdem ließ der Winzermeister den Betrieb als erstes Weingut in Deutschland Naturland Fair zertifizieren. Damit verpflichtet sich das Familienunternehmen zu Richtlinien wie soziale Verantwortung, faire Erzeugerpreise oder regionaler Rohstoffbezug. Der Anfang war nicht einfach, doch Qualität setzt sich durch. Mittlerweile zählen Weinkritiker ihn zu den besten Winzern Deutschlands. Für Axel Seck aber noch kein Grund sich auszuruhen, denn er hat noch viele Ideen.

Vinothek des Weingut Seck. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Seit 40 Jahren vermarktet das Weingut Flaschenweine. Besonderen Wert legt der Betrieb auf die Herstellung von hochwertigen Weinen.

Das Schicksal geht manchmal seltsame Wege. Denn eigentlich war Axel Seck gar nicht vorgesehen, den elterlichen Betrieb zu übernehmen, sondern sein älterer Bruder. Doch der entschied sich anders und so tauschte Sohn Axel kurzentschlossen die Vorlesungen im warmen Hörsaal gegen die harte Arbeit im Weinberg. Als er 2003 den Betrieb übernimmt, ist klar, dass nur eine ökologische Bewirtschaftung in Frage kommt.

Umstellen auf Bio

Doch in Dolgesheim, einem malerischen Winzerdorf im Herzen von Rheinhessen, hat der Weinanbau seit mehr als 1.200 Jahren Tradition. "Häufig gilt immer noch als guter Winzer, wer in den Rebgassen kein grünes Pflänzchen stehen lässt", erklärt Axel Seck. "Viele sehen Beikräuter als Konkurrenten für den Weinstock an." Dabei ist das Gegenteil richtig. "Leguminosen lockern den Boden auf, schützen vor Erosion und versorgen ihn mit Nährstoffen", klärt er auf. Dass langsam ein Umdenken stattfindet, ist auch Vorreiter Seck zu verdanken. Statt teurer Herbizide setzt er auf natürliche Maßnahmen wie das Ausbringen von Backpulver oder die manuelle Bodenbearbeitung. 2010 ist es dann soweit. Drei Jahre nach der Umstellung, wird der erste Öko-Jahrgang geerntet. Doch Axel Seck geht gleich noch einen Schritt weiter. Als erstes Weingut in Deutschland, lässt sich der Betrieb nach den Richtlinien von Naturland Fair zertifizieren.

Das Weingut Seck ist das erste fair zertifizierte Weingut in Deutschland. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Als erstes Weingut in Deutschland hat sich der Betrieb nach den Richtlinien von Naturland fair zertifizieren lassen.

Um in den Ländern des Südens Kleinbauern vor Ausbeutung zu schützen, führte Naturland die Fair-Zertifizierung ein. Damit übernehmen Erzeuger nicht nur Verantwortung für die Umwelt, sondern engagieren sich auch für soziale Aspekte wie gerechte Bezahlung, Mitbestimmung, Ausbildung oder verlässliche Handelsbeziehungen und gesellschaftliches Engagement. Was für die Südhalbkugel gilt, sollte für den Norden nur allzu selbstverständlich sein und so begann Naturland auch Betriebe im Norden zu zertifizieren. "Für uns sind die Richtlinien der Fair-Zertifizierung selbstverständlich. Jeder Betrieb sollte sie eigentlich umsetzen", sagt Axel Seck: Soziale Verantwortung, faire Umgangsformen und partnerschaftliche Zusammenarbeit sind auf einem Familienbetrieb selbstverständlich. Und wer eine hohe Qualität erzeugen will, sollte seine Lieferanten in der Region kennen und langfristige Handelsbeziehungen zu ihnen pflegen. Aber auch in Sachen gesellschaftlichem Engagement kann Winzermeister Seck punkten: Nicht nur, dass er sich im Gemeinderat engagiert, er ist auch Sprecher der Naturland Fachversammlung Wein und damit einer der Experten für ökologischen Weinanbau in Deutschland.

Naturland Fair – ökologisch und sozial

Weinflasche vor Schild Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Das Ziel von Winzermeister Axel Seck ist die Produktion von besonders gehaltvollen Weiß- und Rotweinen.

Reagieren Kunden auf das Fair-Siegel? "Ja, natürlich", erklärt der Winzer. "Vor einiger Zeit rief mich ein Weltladen an. Die wollten nicht nur fair gehandelten Wein von der Südhalbkugel haben, sondern auch fair zertifizierten Wein aus Deutschland. Es gibt eine kleine aber wachsende Kundengruppe, die fair gehandelten Wein nachfragt." Ebenso wie veganen Wein, auch den hat Axel Seck im Angebot. Die meisten Winzer setzen bei der Filtration von Wein Eiweiß und Gelatine ein. Da es sich dabei um tierische Produkte handelt, ist der Wein nicht vegan. 

Für uns sind die Richtlinien der Fair-Zertifizierung selbstverständlich. Jeder Betrieb sollte sie eigentlich umsetzen.

Weintraube am Weinstock. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Winzer sein, bedeutet vor allem Handarbeit. Mehrmals im Jahr werden die 80.000 Weinstöcke bearbeitet.

Wer Axel Seck erlebt, merkt, der Mann sprüht vor Wissen und Ideen: Erst vor einiger Zeit hat er das Weingut um Vermarktungs- und Veranstaltungsräume erweitert. Zusätzlich zu Weinbergrundfahrten und Führungen, veranstaltet er in seinen neuen Räumen Weinseminare und Verkostungen oder er lädt zu Vernissagen ein. Mittlerweile bietet Axel Seck auf seinem herrlich gelegenen Weingut auch Gästezimmer und Wohnwagenstellplätze an. Neu im Angebot sind auch Verkostungsseminare für Whisky. Außerdem will er sein Weingut noch um einen großzügigen Garten- und Terrassenbereich erweitern.

Innovative Geschäftsideen

Weinkeller. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
In den alten, schweren Holzfässern lagern Rotweine, die durch die Reife im Fass vollmundiger und aromatischer werden.

Was ist das Geheimnis seines Erfolgs? Der Winzermeister lächelt verlegen: "Ein guter Wein entsteht immer noch im Weinberg. Das bedeutet viel Liebe, Fleiß und Handarbeit", erklärt Axel Seck. "Im Winter schneiden wir die Reben zurück. Im Frühjahr bringen wir die Rebstöcke durch Biegen und Binden in Form. In der Blütezeit werden unerwünschte Triebe weggeschnitten und im Sommer reduzieren wir das Laub, damit die Trauben mehr Sonnenlicht erhalten und besser belüftet werden. Kurz vor der Ernte dünnen wir nochmal aus und entfernen die schlechten Trauben, damit nur die besten in den Wein kommen", erläutert der Betriebsleiter. 80.000 Weinstöcke behandelt Familie Seck so mehrmals im Jahr. Die Erntemenge liegt mit durchschnittlich 1,5 Litern pro Rebstock deutlich unter denen eines konventionellen Weinbaubetriebes. Das nimmt der Winzermeister bewusst in Kauf, damit er besonders gehaltvolle Weiß- und Rotweine erhält, die im Einklang mit der Natur erzeugt wurden. 

Ein guter Wein entsteht immer noch im Weinberg. Das bedeutet viel Liebe, Fleiß und Handarbeit.


Autor: Frank Griesel

Hier finden Sie das demoSPEZIAL zum Herunterladen und Ausdrucken (PDF-Datei).


Betriebsporträt: Weingut Seck

Familie Seck

Das Naturland-Weingut Seck liegt im Herzen des Weinanbaugebietes Rheinhessen, 25 km südlich von Mainz, im Weindorf Dolgesheim, wo seit über 1200 Jahren Wein angebaut wird. Das moderne Weingut am Dorfrand wurde 2007 auf ökologische Bewirtschaftung umgestellt.
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Letzte Aktualisierung: 21.11.2018