Demonstrationsbetriebe


Westhof Bio: Kreislauf vom Feinsten

Drei Menschen aus einem weiten Feld. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Rainer Carstens führt im Team mit Paul Heinrich Dörscher und seinen Kindern die Westhof Bio Gruppe.

20 Prozent Ökolandbau bis 2030: Um dieses ehrgeizige Ziel der Bundesregierung zu erreichen, braucht der Biolandbau neue Strukturen. Der Demonstrationsbetrieb Westhof Bio im schleswigholsteinischen Friedrichsgabekoog hat sie schon: Der über 1.000 Hektar große Bio-Gemüsebetrieb besticht durch ein hervorragendes Nährstoff- und Energiemanagement.

Tradition und Moderne

Rainer Carstens ist ein Bio-Pionier: 1978 übernahm er den Westhof, stellte 1989 auf Bio um und hat seitdem aus einem Betrieb mehrere Firmen gemacht. Dazu gehört neben der Landwirtschaft, die pro Jahr 30.000 Tonnen Gemüse für den Einzelhandel produziert, auch eine eigene Frosterei (seit 1998) und eine Handels GmbH für die Aufbereitung und Verpackung des Frischgemüses (seit 2000).

Vogelperspektive auf verschiedene Sorten von Gemüse, sortiert in einzelnen Kisten. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Neben den Hauptkulturen Möhren, Kohl und Erbsen gibt es ein breites Sortiment an Gemüsesorten.

"Die Biogasanlage (seit 2014) wird hauptsächlich mit der Mahd von Kleegras und Blühwiesen sowie mit nicht nutzbaren Gemüseresten gefüttert". Nach der Gärung bleibt ein Substrat zurück, das als erstklassiger Dünger dient und den Feldern wieder zugeführt wird. Seit 2013 kommen aus Schleswig-Holstein auch Tomaten, Gurken und Paprika. Das Fruchtgemüse wird in Gewächshäusern angebaut. Weil Carstens ressourcenschonend und klimafreundlich produzieren will, betreibt er auch die mit einem ausgeklügelten Energiekonzept. Die Abwärme aus der Biogasanlage und der Frosterei erwärmen das Gewächshaus. Auch das für die Gewächshauspflanzen notwendige CO2 kommt aus der Biogasanlage. Zusätzlich zur Biomasse setzen die Inhaber auf Windkraft und Solarenergie.

Erlebnis: Biobauernhof

Schafe auf einem weiten Feld mit Windrädern. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Das norddeutsche Flachland ist sehr fruchtbar. Nach der Brokkoliernte dürfen die Schafe noch "nachernten".

Carstens ist vom kleinen Biobauern zum großen Unternehmer geworden. Das war vor allem möglich, weil er im Jahr 2000 mit seinem Nachbarn Paul Heinrich Dörscher eine GbR gründete und die Nachfrage nach Biogemüse enorm gestiegen ist. Rund um seinen Schornstein sind circa 30 Prozent der Flächen biologisch bewirtschaftet. Zum Vergleich: Im übrigen Schleswig-Holstein liegt der Anteil bei nur knapp sechs Prozent. Westhof Bio zeigt, dass es funktioniert, motiviert Landwirtinnen und Landwirte auf Bio umzustellen und ermöglicht ihnen, die Logistik des großen Betriebes mit zu nutzen. "Wir verarbeiten die Ware von etwa 30 Betrieben in der näheren Umgebung. Demnächst kommen durch den Umstellungsboom noch einige hinzu", berichtet Carstens.

Zu den Hauptkunden der Westhof-Gruppe gehören größere deutsche Lebensmitteleinzelhändler, die in dem Betrieb einen schlagkräftigen Partner haben. Hauptkulturen vom Westhof sind Möhren, Kohl und Erbsen, doch ansonsten bauen die Gemüsespezialisten von Blumenkohl über Brokkoli, Rote Bete, Lauch, Kürbis etc. die unterschiedlichsten Gemüsesorten an. Seit 2015 wirtschaftet der Westhof energieneutral. Es wird also genauso viel Energie erzeugt wie verbraucht, alles aus regenerativen Quellen.

Wir leisten uns den Luxus, auf jeweils einem Drittel unserer Fläche Kleegras oder Blühwiesen zu säen.

Den eigenen Dünger produzieren

Zwei Schweine liegen im Stroh. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Bis in den November hinein gedeihen im Gewächshaus Tomaten, Paprika und Gurken.

Der Standort unweit der Nordseeküste ist mit seinen besonders fruchtbaren Böden ideal für den Gemüseanbau. Viele Gemüsesorten sind allerdings sogenannte Nährstoffzehrer. Sie "verbrauchen" in ihrem Wachstum viel Stickstoff, einer der Hauptnährstoffe der Pflanzen. Im Biolandbau wird er in der Regel über Mist wieder zugeführt. Was tun, wenn keine Tiere da sind? "Da brauchen wir ein besonders gutes Nährstoffmanagement", erklärt Carstens. "Dazu gehört als erstes eine sechsjährige Fruchtfolge: zwei Jahre Kleegras beziehungsweise Blühwiese, danach Kohl, Getreide, Möhren und im sechsten Jahr Erbsen." Das Kleegras ist für den viehlosen Betrieb besonders wichtig, weil die Pflanzen in ihren Wurzelknöllchen eine Symbiose mit Bakterien eingehen und so Stickstoff sammeln und im Boden fixieren. "Wir leisten uns den Luxus, auf jeweils einem Drittel unserer Fläche Kleegras oder Blühwiesen zu säen", erklärt Carstens und ergänzt: "Früher haben wir das Kleegras einfach liegen lassen und untergemulcht. Heute kommt es zusammen mit nicht mehr handelbaren Gemüseresten in die Biogasanlage. Das Substrat, was nach der Gärung zurückbleibt, ist ein selbst erzeugter Dünger. Den können wir jetzt noch gezielter einsetzen, etwa bei den Starkzehrern Blumenkohl, Brokkoli und Kopfkohl. So sind wir auch als viehloser Betrieb zu fast 100 Prozent autark, was den Stickstoff angeht. Seit wir die Gärsubstrate einsetzen, stehen unsere Kulturen noch besser da", freut sich der Landwirt. Die Erträge sind durch die verschiedenen Kulturen hindurch noch stabiler geworden und die Bodenstruktur hat sich verbessert.

Seit wir die Gärsubstrate einsetzen, sind die Erträge wesentlich stabiler.

Familienbetrieb mit Anspruch

Verpackte Paprika und Tomaten. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Konfektionierung für den Einzelhandel: Cherrytomaten und Minipaprika aus Schleswig-Holstein.

Ein weiterer Punkt für den Erfolg der letzten Jahre ist in Carstens Augen zudem eine starke Modernisierung des Maschinenparks. "Das ist auf dem Mist von meinem Sohn Ulf-Peter gewachsen", scherzt der Senior. Beim jüngsten Sohn war schon immer klar, dass er Landwirt werden möchte. Er brachte viele neue Ideen aus seiner Ausbildung mit und konnte die Seniorpartner vor einigen Jahren überzeugen, kräftig zu investieren. Die große Schlagkraft rettete im großen Trockenjahr 2018 beispielsweise die Möhren. "Innerhalb von wenigen Tagen hatten wir die Dämme für die Möhren fertig gefräst", erinnert sich Carstens. "Früher hätte das einen Monat gedauert." Dann kam der Regen, mit dem die zu späteren Zeitpunkten eingebrachte Saat schön aufging.

Feld mit Kleegras. Auf einer Blüte sitzt eine Hummel. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Auf je circa einem Drittel der Ackerfläche stehen Kleegras oder Blühwiesen. Das bringt Stickstoff in den Boden.

"Die besten Berater für den Fortschritt sind meine Kinder", sagt Carstens aus tiefster Überzeugung. Zum einen, weil er nur nachhaltig groß werden will, um die Natur für zukünftige Generationen zu erhalten. Zum anderen, weil neben Ulf-Peter inzwischen auch der älteste Sohn und zwei Töchter nach der Ausbildung und Arbeitsjahren in anderen Firmen nach Hause zurückgekehrt sind und wichtige Funktionen in der Westhof-Gruppe übernehmen.

 


Autorin: Hella Hansen

Hier finden Sie das demoSPEZIAL zum Herunterladen und Ausdrucken.


Betriebsporträt: Westhof Bio

Zwei Männer im Feld

Der Westhof liegt in der Dithmarscher Marsch an der Schleswig-Holsteinischen Nordseeküste. Seit 1972 ist er im Besitz der Familie Carstens. Rainer Carstens übernahm den Betrieb 1978 und stellte ihn 1989 nach Bioland-Richtlinien um.
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Letzte Aktualisierung: 19.12.2018