Demonstrationsbetriebe


Ziegenhof im Wiesengrund: Ein Schwein zur Hochzeit

Ziegen grasen auf der grünen Wiese. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Im Sommer ernähren sich die Tiere auf den Weiden von Gras. Nur im Winter wird von Hand zugefüttert.

"Die Schweine sind unser Vermarktungshit", erklärt Bärbel Lorenzen, die den Demonstrationsbetrieb Ziegenhof im Wiesengrund im schleswig-holsteinischen Malkwitz bei Malente betreibt. Gemeinsam mit Ehemann Dirk und Sohn Felix hält sie auf der Nutztier-Arche alte, vom Aussterben bedrohte Tierrassen, wie Bunte Bentheimer Schweine, Sundheimer Hühner, Pommersche Landschafe, Diepholzer Gänse und Hinterwälder Rinder. Allerdings leben diese Tiere nicht auf dem Hof, um den ganzen Tag gestreichelt zu werden oder ihren Lebensabend in idyllischer Landschaft zu verbringen. Genau wie ihre nicht bedrohten Artgenossen werden sie hier gezüchtet, geschlachtet und vermarktet, denn das Motto der Lorenzens lautet: "Erhalten durch Genuss". Mittlerweile ist dieser Betriebszweig, neben der namensgebenden Ziegenhaltung, zu einem zweiten Standbein geworden.

Die Geschichte: Nutztier-Arche werden

Das Betriebsleiterehepaar lehnt an einem Zaun mitten auf den grünen Weiden des Hofs. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Die Lorenzens sind zufrieden: "Man muss nicht immer mehr wollen, vor allem nicht zu Lasten von Tier und Natur."

Angefangen hat alles mit einem kleinen, klassischen Biofamilienbetrieb mit Hühnern und Schweinen für den Eigenbedarf. "Wir hatten ein Schlüsselerlebnis", erzählt Bärbel Lorenzen, "durch das wir zur Nutzier-Arche geworden sind." Als eine der Sauen einen Herzinfarkt erlitt, während sie beim Eber war, kam es bei der Familie zum Umdenken. Schweine, die die "natürlichste Sache der Welt" nicht überleben, passten nicht zum Verständnis von Tierwohl der Lorenzens. Die Konsequenz: Sie schafften sich eine alte und robustere Schweinerasse an – die Bunten Bentheimer. Schnell folgten die bedrohten Hühner-, Enten- und Gänserassen. "Und dann wollten wir auch offiziell Nutztier-Arche werden", erinnert sich Lorenzen.

Die Überzeugung: Genuss erhält

Bunte Bentheimer Schweine suchen in der Erde nach Futter. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Die ganzjährige Weidehaltung hält die Schweine fit. Hier kommt der Tierarzt meist nur zum Ferkelkastrieren.

Nur durch die Nutzung der Tiere kann der Hof überleben, weiß Bärbel Lorenzen: "Hätten wir sie nur zum Streicheln, wäre der Betrieb nicht wirtschaftlich. Durch den Verkauf und Genuss der Tiere, verdienen sie sich ihren Unterhalt und letztlich ihre Existenzberechtigung." Das Motto "Erhalt durch Genuss" ist für die Lorenzens ganz logisch: "Wenn ich eine Rasse über den Geschmack bekannter machen und dadurch ihre Nachfrage steigern kann, dann dient das ihrem Überleben."

Und die Nachfrage nach den vielfältigen Produkten der Nutztier-Arche groß. Deshalb werden in der Hofkäserei regelmäßig Spezialitäten wie Kräuterfrischkäse oder Camembert aus Ziegenmilch hergestellt. Auch die Schafe, Rinder und der Dauerbrenner, die Schweine, werden zu Fleisch- und Wurstdelikatessen verarbeitet. Die Bunten Bentheimer, erzählt Lorenzen, hätten sogar schon Vegetarier von sich überzeugt. Neben dem intensiven Geschmack des Fleisches, den es dem intramuskulären Fett und einem langsameren Wachstum zu verdanken hat, schätzen die Kundinnen und Kunden es vor allem, seine Herkunft und die Aufzuchtbedingungen der Tiere zu kennen: Auf dem Ziegenhof werden die Bentheimer in ganzjähriger Freilandhaltung auf den weiten Weiden der Holsteinischen Schweiz gehalten.

Für die artgerechte Haltung und die Transparenz, die unser Hof bietet, sind die Kundinnen und Kunden bereit, mehr zu zahlen.

Die Vermarktung: kreativ gestalten

Aufnahme des Hofgebäudes. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Im Rahmen von "Landvergnügen" sind auch Urlauberinnen und Urlauber auf dem circa 18
Hektar großen Ziegenhof willkommen.

Großen Wert legt das Ehepaar bei der Vermarktung auf den direkten Kontakt mit seinen Kundinnen und Kunden sowie deren unmittelbaren Bezug zum Produkt. Darum haben sich Bärbel und Dirk Lorenzen für den Verkauf ab Hof entschieden und ein spezielles Angebot entwickelt: das "Schweine-Leasing". Unter dem Motto "Schon mal ein Schwein gehabt?" können interessierte Verbraucherinnen und Verbraucher ein Schwein erwerben und es über gut elf Monate auf dem Ziegenhof großziehen lassen. Die Schweine können jederzeit besucht werden; wem der direkte Kontakt nicht möglich ist, dem stellen die Lorenzens auch gerne Bilder "seiner" Schweine zur Verfügung. Kurz vor der Schlachtung wird abgestimmt, wie das Fleisch portioniert wird, "abgerechnet wird dann nach Kilo, so bezahlt jeder nur das, was er auch bekommt", erklärt Bärbel Lorenzen. Diese Vermarktungsidee hat schon viele Menschen auf die Nutztier-Arche aufmerksam gemacht. "Die Leute verschenken Schweine zum Geburtstag des Vaters oder zur Hochzeit der Tochter", freut sich Dirk Lorenzen.

Da diese Art der Aufzucht sehr arbeitsintensiv ist, hat das Fleisch seinen Preis. Die Bunten Bentheimer vom Ziegenhof im Wiesengrund werden für das Zweieinhalb bis Dreifache, verglichen mit herkömmlichem Schweinefleisch, verkauft. Aber das stört hier niemanden, im Gegenteil: "Für die artgerechte Haltung und die Transparenz, die unser Hof bietet, sind die Kundinnen und Kunden bereit, mehr zu zahlen", verrät Bärbel Lorenzen.

Das Ziel: Lebensmittel wertschätzen

Zwei braun-weiße Hinterwälder Rinder auf der Weide. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Die Nachfrage nach Rindfleisch war groß, also schaffte der Hof Hinterwälder Rinder an. Dieses Jahr wird das erste Tier geschlachtet.

Über ihren Verein "Nutztier-Arche Ziegenhof – Bauernhof erleben e. V." möchte das Ehepaar noch mehr Menschen für den Ökolandbau begeistern. Deshalb holen sie als Demonstrationsbetrieb Verbraucherinnen und Verbraucher auf den Hof, um sie mit den Themen artgerechte Haltung, Schlachtung und Verarbeitung vertraut zu machen. Ihre Idee: "Wir sprechen die Kinder an, um so an die Eltern heran zu kommen. Man bewegt die Eltern zum Umdenken, wenn man die Kinder überzeugt hat – und das geht ganz schnell", weiß Bärbel Lorenzen.     

Man bewegt die Eltern zum Umdenken, wenn man die Kinder überzeugt hat – und das geht ganz schnell. 

Bei Führungen und Veranstaltungen können die Besucherinnen und Besucher Landwirtschaft mit allen Sinnen erleben. "Kinder wie Erwachsene müssen einen Bezug zu ihren Lebensmitteln herstellen, um sie wertzuschätzen zu können", sind die beiden überzeugt. Dazu gehört auch, vermeintliche Tabuthemen anzusprechen, wie zum Beispiel "Wie aus dem Schwein eine Salami wird". Die Lorenzens wollen die Vermittlungsarbeit in Zukunft weiter ausbauen, damit Sätze wie "Ich esse kein Fleisch, ich esse nur Wurst" irgendwann der Vergangenheit angehören.


Autorin: Sarah Cordes

Hier finden Sie das demoSPEZIAL zum Herunterladen und Ausdrucken.


Betriebsporträt: Ziegenhof im Wiesengrund

Ziegen auf der Wiese. Klick führt zur Großansicht in neuem Fenster.

Der Ziegenhof im Wiesengrund der Familie Lorenzen liegt im Herzen des Naturpark Holsteinische Schweiz umgeben von Hügeln und Wäldern. Im Jahr 2006 entschlossen sich Bärbel und Dirk Lorenzen, ihren Hof auf Ziegenhaltung umzustellen und biologisch zu bewirtschaften.
Weiterlesen

Letzte Aktualisierung: 07.08.2017