Verbraucher


Ökokisten direkt ins Haus

Frau packt Gemüsekiste. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die 40 Betriebe von Ökokiste e.V. packen jede Woche Ökokisten für 50.000 Kundinnen und Kunden. Foto: Ökokiste e.V.

Frische Salate, knackige Gurken, leckere Äpfel in Bioqualität – immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher lassen sich ihre Biolebensmittel direkt nach Hause liefern. Sie schätzen diesen Service, weil sie im Alltag oft nicht mehr die Zeit finden, selbst frisch einzukaufen. Während früher vor allem junge Familien und überzeugte Ökos die Stammkundschaft waren, bestellen heute auch Singles, Kindergärten und Büros. Zumal sich niemand mehr wie bei einem Zeitschriftenabonnement auf eine langfristigen Liefervertrag festlegen muss. Im Gegenteil: die Kundinnen und Kunden können ihre Kisten wöchentlich ändern, im Urlaub abbestellen oder nur ab und zu bestellen.

Gewachsenes Sortiment

Neben saisonalen Produkten aus eigener Erzeugung bieten die meisten Lieferservice-Betriebe ein umfangreiches Sortiment regionaler und biologischer Lebensmittel an: außer Obst und Gemüse auch ein Trockensortiment, Milchprodukte, Backwaren und vieles mehr. Dazu kooperieren die vor allem aus dem Gemüseanbau stammenden Betriebe mit anderen Erzeugerinnen und Erzeugern aus der Region. Mancher Lieferservice hat inzwischen ein genauso breites Sortiment wie der Naturkosthandel. Beispielsweise liefert der hessische Lieferservice bringmirbio deutschlandweit rund 4000 Produkte aus. "Die Kundschaft möchte am liebsten alles bei einem Anbieter kaufen. Deshalb ist es wichtig, vor allem bei der Frische breit aufgestellt zu sein", meint Geschäftsführer Mario Blandamura.

Auch die Kistentypen sind in den letzten Jahren vielfältiger geworden: neben Klassikern wie der Stillkiste für junge Mütter sind Bürokisten (mit viel Obst und Fingerfood) und ganze Kochkisten (mit allen Zutaten plus Rezept für ein Gericht für vier Personen) im Kommen. Im Trend ist zudem alles, was sich zu Smoothies verarbeiten lässt.

Bequem per online und total flexibel

Fahrrad mit Ökokisten-Anhänger. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
100 Prozent Bio und total sozial: das Karlsruher Biovelo auf Tour. Foto: Bioland Gärtnerei Schmälzle

Um den maximalen Service zu ermöglichen, haben die Abokistenbetriebe in den letzten Jahren in teure EDV-Programme und Personal investiert. Die Verbraucherinnen und Verbraucher können so bequem und zu jeder Tageszeit im online-Shop selbst aussuchen, was in ihre nächste Ökokiste kommt: "Wir machen einen Vorschlag für die Kiste, aber nur etwa 10 Prozent unserer Kundinnen und Kunden ändern gar nichts. Bis um 7 Uhr am Tag vor der Lieferung kann unsere Kundschaft sich im Online-Shop in ihre Kiste einklinken und etwas ändern", berichtet der badische Gemüsebauer Georg Schmälzle. Häufig werden im Winter unbeliebte Gemüsesorten weggelassen und dafür andere Lebensmittel bestellt: statt Kohl und Co. bestellen Gemüsemuffel dann lieber Südfrüchte. Dabei kann der grüne Kern der Abokisten, nämlich frische, saisonale Produkte aus der Region zu vermarkten, leicht auf der Strecke bleiben. Bäuerinnen und Bauern werden immer mehr zu Händlerinnen und Händlern.

Wie grün ist die Ökokiste?

Die meist lokal verwurzelten Betriebe handeln nach der Devise aus der Region für die Region. Beispielswiese haben sich die vierzig im Verband Ökokiste e.V. zusammengeschlossenen Lieferbetriebe verpflichtet, bestimmte Standards einzuhalten: "Der Mindestanteil an regionaler Bioware und Ware von ökologischen Anbauverbänden liegt jeweils bei 20 Prozent. Viele Betriebe packen jedoch mehr regionale Verbandsware in die Kiste. Dafür erhalten sie vom Verband eine zusätzliche Zertifizierung in Form von Sternen. Kundinnen und Kunden können das auf den jeweiligen Betriebs-Websites nachlesen", erläutert die Pressesprecherin von Ökokiste e.V. Flugware sei dagegen tabu. Für eine gute Ökobilanz sprechen auch die kurzen Wege: Laut dem Verband der Lieferbetriebe beträgt die durchschnittliche Strecke pro belierferter Kundin oder beliefertem Kunden 2,5 Kilometer. Viel weniger, als wenn sich Menschen aus der Stadt selbst auf dem Weg zum Biohof machen würden.

Die Abokiste per Rad

Noch umweltfreundlicher ist es natürlich, die Kisten mit dem Fahrrad zu transportieren. In einigen Städten wie Hamburg, Freiburg, Heidelberg und Karlsruhe ist das schon Alltag: "In unserem Karlsruher Projekt Biovelo fahren Menschen mit Handicap Biogemüsekisten mit dem Rad aus. Das läuft gut. Waren es anfangs 28 Kisten pro Woche, sind es jetzt jede Woche 120 Kisten", freut sich Georg Schmälzle.


Letzte Aktualisierung: 10.02.2016