Verbraucher


Solidarische Landwirtschaft

Gemüsefelder auf dem Buschberghof.
CSA als Zukunftsperspektive für Landwirte: Kleine Höfe haben eine Chance, ihre Existenz zu sichern. Foto: Iris Lehmann, BLE

Nachhaltige Erzeugung und Regionalität, Fairness bei der Vermarktung und der Wunsch, die Menschen, die hinter den Lebensmitteln stehen, zu kennen - diese Aspekte spielen beim Kauf von Lebensmitteln für viele Verbraucherinnen und Verbraucher eine immer größere Rolle. Aber selbst Bioware, die auf den üblichen Wegen (Naturkostfachgeschäft, Biosupermarkt, Supermarkt, Discounter) vermarktet wird, erfüllt meistens nicht all diese Ansprüche gleichzeitig. Es ist dennoch möglich, in den Genuss von Biolebensmitteln zu kommen, für die diese Kriterien zutreffen.

Ein Netzwerk, in dem ein Kunden- und Erzeugerkreis eng zusammenarbeiten, ist das Modell der "Community Supported Agriculture" (CSA). Im Deutschen lässt es sich als "gemeinschaftlich getragene Landwirtschaft" übersetzen, besser bekannt als "Solidarische Landwirtschaft". Diese eröffnet ökologisch orientierten Menschen neue Perspektiven, an der Erzeugung von Biolebensmitteln mitzuwirken - und dies alles, ohne selbst aufs Land zu ziehen oder selber einen Hof zu führen.

Die Idee der gemeinschaftlich getragenen Landwirtschaft stammt aus den USA. Der Bezug zum Lebensmittel, die Kreislaufwirtschaft des Hofes und soziales Engagement stehen bei allen Beteiligten im Vordergrund.

Wie funktioniert’s?

Abholfertige Gemüsekisten
Die Erzeugnisse werden nicht auf Märkten oder im Hofladen verkauft, sondern fließen in einen neuen, von den beteiligten Haushalten finanzierten Wirtschaftskreislauf ein. Foto: Iris Lehmann, BLE

Die gemeinschaftlich getragene Landwirtschaft beinhaltet eine verbindliche Zusammenarbeit zwischen einem landwirtschaftlichen Betrieb oder einer Gärtnerei und einem festen Kreis von privaten Haushalten. Auf Grundlage der geschätzten Jahreskosten für die landwirtschaftliche Produktion verpflichtet sich die Gruppe der "passiven Landwirte", regelmäßig im Voraus einen festgesetzten Betrag an den Hof zu zahlen, der mit dem Geld seinen Möglichkeiten entsprechend wirtschaftet. Im Gegenzug erhalten die beteiligten Privathaushalte die im Betrieb erzeugten Lebensmittel ohne weitere Zahlungen. Neben Kartoffeln, Feldgemüse und Salaten gehören dazu auch je nach Betriebsschwerpunkt Eier und Fleisch oder weiterverarbeitete Erzeugnisse wie Brot, Käse, Quark oder Joghurt und Wurst.

Durch die Vorfinanzierung und Abnahmegarantie der beteiligten Haushalte wird der Betrieb unabhängig von Marktentwicklungen und staatlicher Förderung. Alle teilen sich die damit verbundene Verantwortung, das Risiko (auch Missernten), die Kosten, aber auch die Ernte.

166 mal in Deutschland

Die Idee der gemeinschaftlich getragenen Landwirtschaft hat als erster in Europa der biologisch-dynamisch bewirtschaftete Buschberghof in Fuhlenhagen bei Hamburg umgesetzt. Solidarische Landwirtschaft wird hier schon seit 1986 praktiziert.

Der Buschberghof erhielt bereits 2009 den Förderpreis Ökologischer Landbau, weil der Hof mit seinem Betriebskonzept einer "Wirtschaftsgemeinschaft" erfolgreich und nachhaltig einen für Deutschland neuartigen Weg der Betriebsführung gegangen ist. Der Hof ist in der Lage, rund 95 Haushalte oder 300 Menschen eine Lebensgrundlage zu schaffen. Über Fahrgemeinschaften werden die einzelnen Produkte ein- bis zweimal pro Woche an die Mitglieder verteilt. 

Inzwischen gibt es schon 166 Höfe mit Solidarischer Landwirtschaft in Deutschland - Tendenz steigend.  Die Internetseite Netzwerk Solidarische Landwirtschaft informiert über Konzept, Aktivitäten und beteiligte Höfe. Interessierte Verbraucherinitiativen finden hier auch Kontakte zu Gleichgesinnten oder Höfen in ihrer Region.

Letzte Aktualisierung: 02.01.2018