Verbraucher


Die neuen Biodünger kommen

Balkonkasten mit bunten Blumen und Chilis. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Üppige Balkonkästen gelingen gut mit Biodünger. Foto: AG Bio-Zierpfanzen/C. James

Im Biogarten kommen vor allem organische Dünger zum Einsatz. Dazu gehören Kuh- und Pferdemist, aber auch Reste aus der Schlachtung von Tieren wie Blutmehle oder Hornspäne. Das ganze Tier zu verwerten ist zwar ökologisch sinnvoll, aber nicht jedermanns Sache. Außerdem können Hornspäne, Blutmehle oder Haarpellets in Biodüngern auch von konventionellen Tieren stammen. Die EU-Rechtsvorschriften für ökologischen Landbau schreiben lediglich organische Dünger, aber nicht deren ökologische Herkunft vor.

Bei Balkonkästen und Zierpflanzen haben sich Flüssigdünger bewährt. Die wirken schnell und lassen sich leicht dosieren. Allerdings sind viele Bioflüssigdünger zäh in der Anwendung, da sich die organischen Substanzen nicht so leicht im Gießwasser vermischen wie die leicht löslichen mineralischen Dünger. Einfacher anzuwenden sind länger wirkende feste Biodünger aus Wolle und Klee. Die lassen sich beim Pflanzen von Geranien und Tomaten einfach mit in die Erde mischen. Zum Nachdüngen oder bei Zimmerpflanzen kann man die Pellets auch wie Düngesticks in die Erde stecken.

Schafwolldünger nützt Pflanzen und Schäfern

Braune Wollpellets. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Schafwollpellets sind gut für Pflanze und Schäfer. Foto: LVG Heidelberg

Für Schafwolldünger muss kein Tier sterben. Der Dünger besteht ausschließlich aus Wolle lebender Schafe. "Die Grundlage für unseren Dünger ist keine feine Merinowolle, sondern gröbere Wolle von Landschaftrassen. So können die hiesigen Schafhalter ihre ohnehin anfallende Schurwolle besser vermarkten", erläutert Klaus Mebus vom Rötberghof sein regionales Konzept. Der wollige Dünger hat sich bereits bei Bioprofigärtnerinnen und -gärtnern bewährt und eignet sich auch für Balkon und Beet. Schafwolldünger enthält viel (zehn Prozent) Stickstoff und Kalium, aber praktisch kein Phosphor, mit dem unsere Böden ohnehin überversorgt sind. Die Schafwollpellets saugen wie ein Schwämmchen Wasser auf und geben es bei Bedarf wieder an die Pflanzen ab. Als sogenannter Langzeitdünger wirkt Schafwolle lange, kommt aber erst nach sieben bis vierzehn Tagen in Schwung. Am besten gibt man den Schafwolldünger gleich beim Pflanzen hinzu: im Balkonkasten einen guten Löffel pro Pflanze an den Wurzeln deponieren. Tomaten benötigen etwa 80 Gramm – eine große Handvoll – in ihren tiefen Töpfen.

Innovativer und veganer Kleedünger aus Sachsen

Kleedüngepellets in rosa Schale. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Dünger aus 100 Prozent Klee. Foto: Kleepura

Vegan düngen geht auch: Ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hochschule Dresden haben einen hundertprozentigen Kleedünger entwickelt. Das regionale und biozertifizierte Produkt hat 2017 den sächsischen Umweltpreis bekommen. Klee hat einen festen Platz in der Fruchtfolge der Ökobetriebe, da er den Boden verbessert und mit Nährstoffen versorgt. "Während Rinderbetriebe ihr Kleegras verfüttern, haben viehlose Betriebe häufig gar keine Verwendung dafür. Wir mähen den Klee bis zu elfmal im Jahr ab, häckseln, trocknen ihn und machen daraus Pellets", erläutert Gartenbauingenieur Simon Scheffler. Die Pellets sehen aus wie Kaninchenfutter, duften nach Heu und sind auch für Kinderhände geeignet. Das pflanzliche Düngemittel enthält rund vier Prozent Stickstoff, weniger als tierische Dünger, aber dafür viel Kalium. Gerade die Kaliumversorgung ist für die Gemüseernte wichtig, so Scheffler. Der Kleedünger lässt sich bei der Saat ausstreuen oder beim Pflanzen unter die Erde mischen. Er wirkt ungefähr zehn Wochen.

Dünger von der Regenwurmfarm

Hand mit Humus und vielen Kompostwürmern. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Tierisch aktive Kompostwürmer veredeln Pflanzenabfälle zu Biodünger. Foto: Vermigrand

Ebenfalls ein richtiges Naturprodukt ist der Kompost von einer Regenwurmfarm. Dabei verwandeln massenhaft Kompostwürmer Bioluzerne, Strauchschnitt und Stroh in zehn Wochen in Regenwurmhumus um. Aus dem Bauch der Würmer kommt ein fruchtbarer, dunkler Humus. Der so entstandene Biouniversaldünger liefert nicht nur Nährstoffe, sondern aktiviert gelichzeitig das Bodenleben. "Unser Dünger enthält viele erwünschte Mikroorganismen, die die Nährstoffe für die Pflanzen leichter verfügbar machen", erläutert Leopold Fischer, Geschäftsführer der österreichischen Wurmfarm. Damit die Würmer perfekt wirken, muss jedoch das Bodenklima stimmen: "Unsere rund fünf Millionen Würmer mögen es feucht und warm, sonst wandern sie in den Boden ab", erläutert Fischer. Verbraucherinnen und Verbraucher können den wertvollen wurmfreien Dünger direkt nutzen. Oder mit Hilfe von Kompostwürmern auch ihren eigenen Humus herstellen. Kompostwürmer lassen sich in Startpopulationen zu 500 bis 1000 Stück bestellen.


Letzte Aktualisierung: 02.05.2018