Verbraucher


Bioerde erkennen und nutzen

Gelbe Ranunkel wird eingepflanzt. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Topfblumen gedeihen gut in Bioerde. Foto: Nina Weiler

Bioerde, ein dehnbarer Begriff

Anders als bei Lebensmitteln ist die Bezeichnung "Bio" bei Pflanzerde nicht gesetzlich geschützt und teilweise irreführend. Denn Bioerden haben häufig konventionelle Komponenten. Zum Beispiel Hornmehl aus konventioneller Herkunft oder Kompost aus städtischen Biomüllsammlungen. Korrekter wäre es von Substraten und Erden zu sprechen, welche auch im ökologischen Landbau eingesetzt werden können. Das heißt nach den Vorgaben der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau vor allem: Bioerden dürfen nur organischen Dünger enthalten. Kunstdünger sind verboten. Stattdessen enthalten die im Handel befindlichen Bioerden viel nährstoffreichen Kompost und organische Dünger wie Guano oder Pferdemist.

Auf die Verpackung schauen

Grünweißes Logo. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Dieses Label garantiert Grünkompost in der Bioerde. Quelle: Grünstempel – Ökoprüfstelle e.V.

Um eine wirklich umweltfreundliche Bioerde zu bekommen, hilft ein Blick auf die Verpackung. Beispielsweise garantiert das Siegel der Biokontrollstelle Grünstempel einen hohen Standard: Im Hobbygartenbereich muss die Bioerde torffrei oder stark torfreduziert sein. Außerdem dürfen die Erdenwerke nur auf Schwermetallgehalte kontrollierten Grünschnittkompost einsetzen. Nicht erlaubt ist Kompost aus Siedlungsabfällen – der Biomülltonne -, da hier die Gefahr von Verunreinigungen zu hoch ist. Die Ökokontrollstelle ECOCERT zertifiziert ebenfalls torffreie Bioerde.

Auch das Europäische Umweltzeichen (PDF-Datei) als internationales Gütesiegel gewährleistet ein umweltfreundliches und torffreies Produkt. Allerdings darf es Kompost aus Bioabfällen privater Haushalte enthalten, sofern sie die Schwermetallgrenzwerte einhalten. Innerhalb Deutschlands prüfen und vergeben das Siegel das Deutsche Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung (RAL) und das Umweltbundesamt.

Bio ist nicht immer torffrei

Label mit Grüner Pflanze und blauen Eurosternchen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Dieses Label dürfen nur torffreie Erden tragen. Quelle: Umweltbundesamt

Der Torfanteil in Bioerden ist bisher nicht klar geregelt. Anders als viele denken darf Bioerde Torf enthalten. Denn Torf macht das Gärtnern leicht: Er kann Wasser ausgezeichnet speichern, ist leicht und enthält keine unerwünschten Pflanzensamen. Aber: um Torf zu gewinnen, müssen die Substrathersteller Moore trockenlegen und abbauen. Moore sind Lebensraum vieler spezialisierter Pflanzen und Tiere und speichern mehr Kohlenstoff als Wälder. Den Mooren zuliebe bieten inzwischen viele Erdenwerke torffreie Erde an. Aber Achtung: Nicht jede torffreie Erde ist automatisch Bio. Für mehr Durchblick beim Erdenkauf sorgt der Einkaufsführer "Blumenerde ohne Torf" vom BUND (PDF-Datei).

Rindenhumus statt Torf

Dunkler Rindenhumus in zwei Händen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Erde mit Rindenhumus ist meist dunkler. Foto: Brüning-Gruppe

Torffreie Erde besteht meist aus einem Gemisch von organischen Substanzen. Die Basis bilden Rindenhumus und Kompost, angereichert – je nach Hersteller – mit Holz- und Kokosfasern, Blähtonsand, Bims und Quarzsand.

Rindenhumus speichert Nährstoffe und Wasser. Kompost ist nährstoffreich und gut für die Bodenstruktur. Manche Komposthersteller lassen ihre Produkte durch die Bundesgütegemeinschaft Kompost e.V. (BGK) prüfen. Diese untersucht den Kompost auf Schwermetallgehalte, Verunreinigungsgrad mit Fremdstoffen und Pflanzenverträglichkeit. Bei bestandener Prüfung erhält der Kompost das RAL-Gütesiegel.

Holzfasern sorgen für eine gute Bodendurchlüftung, speichern Wasser und verbessern die Bodenstruktur. Kokosfasern als Wasserspeicher haben keine gute Ökobilanz, da sie einen weiten Transportweg nach Mitteluropa haben. Alternativ speichern Tonkügelchen hervorragend Wasser. Außerdem binden sie Nährstoffe und schützen sie dadurch vor dem Auswaschen.

Bio-Gärtnern ohne Torf

Rundes Gütezeichen für Kompost. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Gütezeichen für Kompost. Quelle: Bundesgütegemeinschaft Kompost

Das Gärtnern mit torffreiem Substrat erfordert ein wenig Beobachtungsgabe und etwas Geschick. Denn Erde ohne Torf unterscheidet sich von torfiger Erde in Struktur und im  Wasserhaltevermögen.  Vor allem bei der Ernährung müssen Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtner wachsam sein. Denn anders als torfhaltige Erde mit einem genau definierten Nährstoffgehalt gibt Kompost die Nährstoffe nicht exakt planbar frei. Einen Mangel oder Überschuss an Nährstoffen sollte man möglichst früh erkennen und beheben.

Gut gebeetet von Anfang an

Tomatenpflänzchen im Topf. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Für die Anzucht von Jungpflanzen gibt es Bio-Anzuchterde. Foto: Viktoria Prozmann

Das Hobby-Biogärtnern kommt üblicherweise mit zwei Arten von Erde aus: Bio-Anzuchterde wird zum Aussäen von Tomaten, Salat und Co. verwendet. Auch anspruchslose Kräuter wie Basilikum oder Oregano sind hier gut aufgehoben. Anzuchterde ist fein, oft mit Sand vermischt und enthält nur wenig Biodünger. Das regt die Pflanzen an, viele Wurzeln zu bilden und Nährstoffe effizient aus dem Boden zu ziehen. Das macht sie robust und widerstandsfähig für ihr weiteres Wachstum. Ohnehin tragen frisch gesäte Samen die meiste Kraft fürs Wachstum in sich selbst.

Beim Auspflanzen von Balkonblumen oder Gemüse eignet sich Bio-Gartenerde mit langsam wirkendem organischem Dünger, häufig Pferdemist oder Tiermehl. Sie liefert den Pflanzen auch nach mehreren Wochen noch genügend Kraft zum Blühen oder für die Fruchtbildung.


Letzte Aktualisierung: 18.04.2018