Verbraucher


Eine Arche Noah für alte Sorten

Blick ins Samenarchiv, Klick führt zu
Das Samenarchiv der Arche Noah birgt
einen Schatz von rund 6.000
verschiedenen Kulturpflanzensorten.
Foto: Andreas Greiner

Die Vielfalt der Nahrungs- und Futterpflanzen ist seit dem Aufkommen der industriellen Pflanzenzüchtung dramatisch geschrumpft. Die jahrtausendealte Praxis, eigenes Saatgut zu vermehren und mit anderen auszutauschen, kam in wenigen Jahrzehnten zum Erliegen. Dabei schlummert in der Vielfalt der Nutzpflanzen ein – aus heutiger Sicht – noch unschätzbarer Wert für die Zukunft: Regionale Sorten bieten interessante Potenziale für die ländliche Entwicklung und regionale Wertschöpfung, sind Teil des kulturhistorischen Erbes, entsprechen Verbraucherwünschen und liefern wichtige genetische Ressourcen für die Anpassung an den Klimawandel.

Sammlung von Saatgut und Wissen

Um dem dramatischen Schwund entgegen zu wirken, gründeten engagierte Gärtnerinnen und Gärtner 1990 in Österreich den gemeinnützigen Verein Arche Noah. Sein Ziel ist es, alte und gefährdete Nutzpflanzen sortenrein und biologisch zertifiziert zu erhalten, systematisch weiter zu entwickeln und das Wissen darüber interessierten Personen zugänglich zu machen. Der zunächst kleine Keim dieser Bewegung wuchs zu einem großen und vielverzweigten Netzwerk: 14.000 Mitglieder – auch aus Deutschland und der Schweiz – zählt inzwischen das Vereinsregister. Jedes Jahr kommen etwa zehn Prozent neue Mitglieder hinzu. Insgesamt umfassen das Samenarchiv und die Obst- und Kartoffelsammlungen rund 6.000 Kulturpflanzen.

Zum Schatz der Arche Noah gehören:

  • 4.500 Gemüsesorten und -herkünfte
  • 1.100 landwirtschaftliche Kulturen
  • 400 Sorten an Kräuter-, Zier- und Heilpflanzen
  • 194 Kartoffelsorten und -herkünfte
  • Mehrere hundert Obstsorten

Nutzung erhält genetische Vielfalt

Tomatenvielfalt, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
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Foto: Arche Noah

Dabei genügt es nicht, ein Sortiment an Samen einfach nur zu konservieren. Denn je nach Kultur und Lagerbedingungen verlieren die Samen im Laufe der Zeit ihre Keimfähigkeit. Sie müssen deshalb immer wieder ausgebracht, vermehrt und neu archiviert werden. Deshalb setzt Arche Noah darauf, die Vielfalt "on farm" oder "in garden" zu erhalten. Dabei verfolgt der Verein unterschiedliche Strategien: Rund 400 Personen vermehren in ihren privaten Gärten eine oder mehrere Sorten und stellen anderen – auch dem Samenarchiv – wieder Saatgut zur Verfügung. Zudem kooperiert Arche Noah mit weiteren Projekten wie etwa dem Projekt "Bauernparadeiser". Rund 15 Gartenbau- und Landwirtschaftsbetriebe produzieren darüber hinaus sortenreines Biosaatgut in größerem Umfang. Die knapp 200 Kartoffelsorten müssen jedes Jahr neu angebaut werden, da sie sich nicht über Samen vermehren lassen.

Die Menschen mit ins Boot holen

"Wir möchten den Leuten den Mut geben", so Mara Müller von Arche Noah, "selbst Sorten und Herkünfte zu erhalten und sich untereinander zu vernetzen". Durch diesen gemeinschaftlichen Ansatz stellt sich die inzwischen gar nicht mehr so kleine Initiative gegen das Monopol der großen Saatgutkonzerne. "Über Jahrtausende haben Menschen Saatgut gewonnen, entwickelt und mit anderen ausgetauscht", so der stellvertretende Geschäftsführer Bernd Kajtna. "Wir wollen die Kultur der gemeinschaftlichen Erhaltung genetischer Ressourcen neu aufblühen lassen und auf eine breitere Basis stellen."

Wissen aussäen

Schaugarten, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Den Schaugarten in Schiltern besuchen jedes Jahr rund 25.000 Personen.
Foto: Arche Noah

Um Wissen und alte Sorten unter die Menschen zu bringen, betreibt der Verein im niederösterreichischen Schiltern einen umfangreichen Schaugarten. "Man braucht einen Ort", so Mara Müller, "an dem die Menschen die Vielfalt erleben, selbst riechen und verkosten können." Jedes Jahr findet dort am 1. Mai ein großer Pflanzentauschmarkt mit 5.000 bis 6.000 Besucherinnen und Besuchern statt. Zudem organisiert der Verein gut besuchte Kurse für Mitglieder und andere interessierte Personen rund um das Thema "Alte Sorten". Über einen Onlineshop kann biologisches Saatgut von seltenen und samenfesten Gemüsesorten und Kräutern bezogen werden. Ein neuer Baustein im Konzept von Arche Noah sind die regionalen Erhaltungstreffen. Interessierte Menschen können sich dort austauschen, Wissen und Erfahrungen teilen und sich an Bord der Arche Noah zu neuen Ufern aufmachen.


Letzte Aktualisierung: 12.04.2016