Verbraucher


Bio kommt in Hotel und Herberge

Schild auf Norderney zur Jugendherberge. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Wegweisend in Richtung Nachhaltigkeit Foto: Die JugendHerbergen gGmbH

Die deutschen Jugendherbergen servieren immer mehr regionale, vegetarische und biologische Kost. Bis 2018 soll ein Großteil der knapp 500 Häuser das im Nordwesten erprobte Qualitätskonzept "Erlebnis Nachhaltigkeit" umsetzen. In punkto Biowareneinsatz gibt es zwei Kategorien: Jugendherbergen mit dem Label "Erlebnis Nachhaltigkeit" müssen einen Bioanteil von fünf bis sieben Prozent haben. Wer sich darüber hinaus als Umweltherberge bezeichnen möchte, muss mindestens zehn Prozent Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft anbieten. "Die meisten unserer umweltbewegten Häuser setzen jedoch mehr Bioprodukte ein. Unsere Spitzenreiter verwenden bis zu 70 Prozent", berichtet Bernd Lampe. Der Nachhaltigkeitsbeauftragte des Deutschen Jugendherbergswerks hofft, den Bioanteil weiter ausbauen zu können. Aber das sei nicht einfach im Low-Budget-Segment.

Biozertifizierte Jugendherbergen

Damit der Biowareneinsatz garantiert ist, lassen sich viele Jugendherbergen von der Göttinger Gesellschaft für Ressourcenschutz zertifizieren. Die unabhängige Kontrollstelle überprüft einmal jährlich, ob der versprochene Mindestanteil an Biolebensmitteln auch wirklich auf den Tisch kommt. Das müssen die Häuser beispielsweise mit Lieferscheinen oder Einkaufsrechnungen nachweisen.

Aktuell sind 53 der Jugendherbergen in Deutschland biozertifiziert, aber es werden immer mehr. Fast allen Gästen schmeckt Bio: "Die Resonanz unter den Gästen ist überwiegend positiv. Das ist wie in der Bevölkerung. 20 Prozent finden das sehr gut, 60 Prozent zumindest interessant, der Rest glaubt eher nicht an Bio. Aber nur wenige meckern, vor allem wenn es kein Fleisch gibt", so Bernd Lampe.

Zur nachhaltigen Ernährung gehöre es außerdem, MSC- oder FSC-zertifizierten Fisch aufzutischen und mindestens zwei Fair-Produkte in der Küche einzusetzen.

Jugendherbergen mit besonders viel Bio

Jugendliche an der Speisetheke. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Bio muss den jungen Gästen schmackhaft gemacht werden. Foto: Die JugendHerbergen gGmbH

Während die meisten Jugendherbergen ihre Biowaren zentral einkaufen und mit Nudeln, Reis und Kaffee in die Bioverpflegung starten, gibt es schon richtige Pioniere mit deutlich höheren Bioanteilen. So bietet die Herberge Brilon in Westfalen-Lippe Biomilch aus dem Nachbarort und selbstgemachte Biogelees an. Mit Trendspeisen wie Brilonburger oder Spagetti Brilonaise erwärmen die Herbergseltern ihre Gäste für die vegetarisch, vegane Küche.

Mit einem Bioanteil von 70 Prozent kann die Jugendherberge Mönchengladbach-Hardter Wald punkten. Hier kommen sogar ausschließlich Biofleisch und Wurst aus der Region auf den Tisch. Damit es nicht zu teuer wird, servieren die Herbergseltern Christiane und Martin Rottmann nur zweimal die Woche Fleisch. Das schmeckt den Schülerinnen und Schülern gut, solange es kindgerechte Speisen wie Pizza, Nudelgerichte und vor allem Pfannkuchen gibt. Beliebt sind aber auch Speiseklassiker im neuen, gesunden Gewand: wie Bolognese mit Grünkern und Bratlinge aus Haferflocken, Käse und Zwiebeln.

Prämiumprodukt Biohotel

Voll auf Bioverpflegung setzen die rund 90 zertifizierten Biohotels. Diese umweltfreundlichen Hotels finden sich mittlerweile in sieben europäischen Ländern. In allen Häusern stammen die Lebensmittel aus zertifizierter, biologischer Landwirtschaft. Regionale Produkte werden bevorzugt. Die Köchinnen und Köche bereiten ihre Speisen möglichst handwerklich zu. Beispielsweise sind Mikrowellen tabu.  Alle Biohotels bieten zumindest ein vegetarisches Menü an. Hoteleigene Shampoos, Seifen, Pflegecremes und Öle sind zertifizierte Naturkosmetik. Nur die dekorative Kosmetik ist noch nicht komplett Bio. Damit sich der Gast auch auf die Biogarantie der Hotels verlassen kann, kommen hier zweimal jährlich unabhängige Kontrolleure vorbei: einmal angemeldet und einmal unangemeldet.

Klimafreundlich im Hotel

Paar am Restauranttisch. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Jede Mahlzeit gemeinsam Bio genießen Foto: Biohotels

Darüber hinaus achten die Biohoteliers auf einen geringen Wasser- und Energieverbrauch und beziehen ihren Strom aus Erneuerbaren Energien. Das lassen sie sich zusätzlich unter dem Label "eco hotels Certified" zertifizieren. Eco Hotel kann nur werden, wer 100 Prozent Ökostrom bezieht und pro Gast und Nacht weniger als 40 Kilogramm CO2 ausstößt. Tatsächlich liegen die meisten Biohotels mit durchschnittlich 11,46 Kilogramm deutlich darunter. "Unsere besten Häuser erreichen sogar unter zehn Kilogramm CO2 pro Nacht und Gast. Das ist ein Bruchteil dessen, was Kost und Logis auf einem Kreuzfahrtschiff verursachen", freut sich Daniela Senn, Projektleiterin von den Biohotels.

Nur ein Urlaub auf Balkonien oder eine Fahrradtour könnten noch besser abschneiden. Denn da entfällt die Anreise per Auto, Bahn oder Flugzeug. Den Ausstoß der klimaschädlichen Gase von Flugzeugen kann selbst die beste Biounterkunft nicht wettmachen.


Letzte Aktualisierung: 26.06.2017