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Biohanf im Kommen

Grüne Hanfpflanzen vor blauem Himmel. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Hanf wächst himmelhoch. Foto: Beatrix Amon

Hanf war bei uns jahrhundertelang eine bedeutende Kulturpflanze. Vor allem als Rohstoff für Tuch und Seile war das langfaserige Gewächs früher sehr begehrt. Doch wegen der berauschenden Wirkung seiner Blüten war der Anbau von Cannabis sativa in Deutschland nach dem Betäubungsmittelgesetz von 1982 bis 1996 verboten. Verantwortlich für den Rausch ist der psychoaktive Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC). Dank gezielter Züchtung haben die heute hier wachsenden Hanfpflanzen, beispielsweise die Sorte Finola, nur noch einen THC-Gehalt von 0,2 Prozent und weniger. "Auch wenn man die Blüten eines ganzen Feldes rauchen würde, bliebe die berauschende Wirkung aus", versichert Dr. Klaus Amon, Vorstandsmitglied von WerraHanf. Die neu gegründete Genossenschaft möchte den Hanfanbau wieder verbreiten. 2018 haben die Biobäuerinnen und Biobauern im Werra-Meißner-Kreis bereits über 40 Hektar Nutzhanf angebaut. "Hanf lässt sich zu 100 Prozent verwerten und hat auf dem Bioacker viele Vorteile", schwärmt der Mediziner und Umweltwissenschaftler Klaus Amon.

Hanf wächst dem Unkraut davon

Gelber Mähdrescher im Hanffeld. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die Hanfernte erfolgt meist im September mit hochgestellten Mähdreschern. Foto: Beatrix Amon

Kaum ausgesät wächst er kräftig los. Dadurch verlieren die mit im Acker keimenden Unkräuter den Wettlauf um Platz und Licht. Deshalb braucht Hanf selbst im konventionellen Anbau keine Herbizide. Biobäuerinnen und Biobauern spart das Arbeit, da sie das Unkraut nicht weghacken müssen. "Im Vergleich zum Mais beschattet Hanf den Boden viel schneller und sorgt damit und mit seinem dichten Wurzelwerk für eine gute Bodenstruktur", freut sich Hubert Göhring. Der Bioland-Landwirt baut in Oberschwaben Hanf für einen Naturkosthersteller an. Anders als Dinkel und Weizen weiden Wildgänse die holzig zähe Pflanze auf seinen Feldern am Baggersee nicht ab. Auch Krankheiten und Schädlinge lassen Hanf in Ruhe. Hanf kann 1,50 bis vier Meter hoch werden. Je nach Sorte liefert die robuste Pflanze mehr Fasern oder Früchte, die botanisch korrekt Hanfnüsse sind. Um so viel Biomasse aufzubauen, braucht Hanf viel Nährstoffe und Wasser. Daher setzt Biobauer Göhring seinen Hanf nach dem stickstoffsammelnden Kleegras in die Fruchtfolge.

Hanfsamen, Öl und mehr

Hanf lässt sich ganz vielfältig genießen: Hanfblüten aromatisieren Limonaden und Hanfbier oder landen zusammen mit Blättern im Hanftee. Nach gut hundert Tagen sind die Hanfsamen erntereif. Nach der Ernte werden die Samen getrocknet und geschält oder gepresst: "Aus 2,8 Kilo ganzen Hanfsamen wird ein Kilo geschälter Hanf, aus 4,5 Kilo ein Liter hochwertiges Hanföl. Samen und Öl versorgen uns mit viel Omega-3 und -6-Fettsäuren. Der übrig gebliebene Presskuchen lässt sich zu Hanfmehl oder proteinreichem Tierfutter verarbeiten. Das schmeckt Pferden, Hunden und Vögeln", berichtet Günther Schmid, Gesellschafter von Hanfland. Der niederösterreichische Biohersteller stammt aus Hanfthal. Nomen est Omen. Mittlerweile hat sich der ganze Ort der Wiederentdeckung des Hanfes verschrieben: Die Vertragslandwirtinnen und -landwirte von Hanfland bauen 450 Hektar Hanf nach den EU-Rechtsvorschriften für ökologischen Landbau an. Für interessierte Gäste gibt es ein Hanfmuseum und Hanferlebnistouren.

Hanfstroh – ein Stoff der Zukunft

Frau im leuchtend gelben Hanfshirt. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Hanfshirts sind im Sommer luftig leicht. Foto: hessnatur

Aus dem langen Hanfstroh lassen sich stabile Fasern herstellen: für Seile, Faserwerkstoffe, Dämm- und Baustoffe und Textilien. Als Textilrohstoff hat Hanf ebenfalls eine lange Tradition: Die robusten Naturfasern dienten früher als Rohstoff für Segeltücher und Arbeitskleidung. Sogar die erste Jeans von Levi Strauss soll aus Hanf gewesen sein. "Hanffasern laden sich nicht elektrostatisch auf, nehmen gut Feuchtigkeit auf und trocknen sehr schnell. Außerdem sind die Fasern reißfester als Baumwolle, die Festigkeit nimmt bei Feuchtigkeit sogar noch zu", weiß Birka Schenk von hessnatur. Der hessische Naturtextilhersteller bekommt seinen Hanf bisher aus China. Ab 2019 auch in Bioqualität. "Gerne würden wir Biohanf aus heimischen Landen beziehen. Wir brauchen jedoch bereits ausgesponnene Fasern in hoher Qualität. In Deutschland muss die Infrastruktur dafür erst wiederaufgebaut werden", erklärt Schenk.

Der ökologische Online-Fachhändler allnatura bietet Matratzen und Decken aus belgischem Biohanf an. Das kann für Allergikerinnen und Allergiker eine Alternative zu Schaf- oder Baumwolle sein.


Ausgewählte Anbieter von Biohanfprodukten

Hanf erleben

Touren und Pfade durch das Hanfthal

(Diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wenn Ihr Angebot ebenfalls aufgenommen werden soll, melden Sie sich bitte unter info@oekolandbau.de.)

Letzte Aktualisierung: 16.07.2018