Verbraucher


Bioschnittblumen

Anemonen und Ranunkeln mit Bioschild. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die ersten Bioblumen kommen. Foto: Jutta Schneider-Rapp, BLE

Saisonal und regional – das ist auch bei Schnittblumen ideal, aber noch lange nicht real. "Das Interesse der Verbraucher an Bioblumen ist noch nicht so groß wie bei Lebensmitteln, schließlich isst man Blumen ja nicht", bedauert Andrea Frankenberg, Koordinatorin beim Bio-Zierpflanzenprojekt. Derzeit stammen gut 80 Prozent der in Deutschland verkauften Schnittblumen vor allem aus Afrika und Südamerika. Da es für Pestizide in Schnittblumen keine Grenzwerte gibt, wachsen die Blumen in Monokulturen mit viel Chemie heran. Im Mai 2017 bewertete Öko-Test 14 Rosensträuße. Davon schnitten acht mit ungenügend, zwei mit mangelhaft und drei mit ausreichend ab. Ein einziger war befriedigend. Einzelne Sträuße enthielten bis zu zwanzig verschiedene Pflanzenschutzmittel. Deshalb rät Öko-Test sogar, verblühte Sträuße nicht im Komposthaufen, sondern im Restmüll zu entsorgen. Hier finden Sie die Öko-Test-Ergebnisse: 14 Rosensträuße im Test

Schwerwiegende gesundheitliche Folgen hat der massive Pestizideinsatz für die Erzeugerinnen und Erzeuger vor Ort – meist Frauen –, wie das Pestizidaktionsnetzwerk seit langem beklagt. Hier finden Sie mehr Infos von PAN.

Fairtrade ist bei Blumen nicht Bio

Frau mit Rosenstrauß. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Blumen anbauen bringt Arbeit für Afrikanerinne. Foto: FairTrade, Jörg Boethling

Besser machen möchte es die Handelsorganisation FairTrade, die derzeit auf 73 Farmen in acht Ländern Blumen und Pflanzen nach ihren ökologischen und sozialen Standards anbauen lässt. Diese verlangen, die eingesetzten Pestizide auf den Blumenfarmen zu minimieren und zu kontrollieren, aber nicht gänzlich zu verbieten.

Anders als bei Kakao und Kaffee bedeutet FairTrade nicht Bio: "Faire Bioblumen gibt es nicht, da Blumen in Plantagen-Monokulturen unter Glas beziehungsweise Folie angebaut werden, und daher sehr viel anfälliger für Pilzbefall und Schädlinge sind. Bei einem Befall gäbe es häufig einen immensen Ernteverlust im Gewächshaus", erläutert Alexandra Spaeth von der Pressestelle der Handelsorganisation. Beispielsweise könnte ein Anbau von Biorosen gar zu Totalausfällen bei verkäuflicher Ware führen. Schließlich seien nur "makellose" Schnittblumen ohne Schorf- oder Fraßschäden verkäuflich. Dies wiederum würde das Aus für die Blumenfarmen und viele Existenzen bedeuten. Nur besonders bedenkliche Pestizide stehen bei FairTrade auf der Schwarzen Liste.

Heimische Bioblumen

Blumenstraß mit roten Rosen und Fairtrade-Schild. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Rote Rosen aus Kenia, dem Hauptrosenexporteur. Foto: FairTrade, Nathalie Bertrams

Faitrade begrüße jedoch den Verkauf regionaler Schnittblumen – insbesondere aus Bioanbau. Beim Anbau von Bioblumen gelten gleich strenge Vorschriften wie bei Biolebensmitteln. Bioschnittblumen wachsen entweder im Freiland oder in Gewächshäusern mit organischen Düngern wie zum Beispiel Horn, Kompost oder Schafwolle auf. Mineralische Dünger sind genauso tabu wie Herbizide oder chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel. Um die Biopflanzen abzuhärten, bekommen sie häufig sogenannte Pflanzenstärkungsmittel: je nach Art und Anwendungsziel können das pflanzliche Kräuterauszüge, homöopathische Präparate und Gesteinsmehle sein, oder ein Mix aus allem. Machen sich doch einmal Schädlinge breit, werden sie mit im Bioanbau zulässigen Pflanzenschutzmitteln wie Kaliseife bekämpft. Beim vorbeugenden Pflanzenschutz spielen Nützlinge die Hauptrolle. Raubmilben vertilgen Thripse und Spinnmilben. Gegen Läuse helfen Marienkäfer und Schlupfwespen.

Gärtnerisches Geschick gefragt

Allerdings ist Laus nicht gleich Laus. Je nachdem, um welche Art Sauger es sich handelt, sind unterschiedliche Schlupfwespenarten gefragt. Während die Nützlinge im Gewächshaus gezielt und effektiv zuschlagen können, ist das im Freiland schwieriger. Hier lohnt es sich, neben dem Schnittblumenfeld einen Blühstreifen mit Wildkräutern anzulegen. Dort können sich dann Marienkäfer und Co. ansiedeln und sich bei Bedarf, beispielsweise fetter Läusebeute, massenhaft vermehren.

Um Pilzkrankheiten im Freiland erst gar nicht aufkeimen zu lassen, sollten die Blumen nicht zu dicht beieinanderstehen und der Wind durch die Blumenfelder pusten können. Dann trocknen die Blumen nach dem Regen wieder schnell ab und die Feuchtigkeit liebenden Pilze halten sich von den Pflanzen fern. Biogärtnerinnen und Biogärtner brauchen viel Fachwissen, um ihr Grün gesund zu halten.

Sag mir, wo die Bioblumen sind

Blumensträuße mit gelborange Ranunkeln. Klick führt zu Grßansicht im neuen Fenster.
Die Bioblumensaison startet mit Ranunkeln. Foto: Jutta Schneider-Rapp, BLE

Mittlerweile gibt es bereits einige Gärtnereien, die ausschließlich Bioblumen anbauen. Der Biogärtner Bernd Brüx aus Straelen am Niederrhein bietet sogar das ganze Jahr über Bioblumen an und vermarktet sie über den Großhändler Weiling in Naturkostläden. Das Angebot startet im Frühjahr mit Ranunkeln und Anemonen und wächst im Sommer mit Rosen und diversen Sommerblühern rasant an. Im Herbst dominieren Dahlien und Chrysanthemen. Im Winter gibt es Christrosen. Aus den Niederlanden kommen auch Bioamaryllis und Tulpen auf den deutschen Markt.

Darüber hinaus gibt es immer mehr Biobäuerinnen und Biobauern, die ihr Sortiment um Blumensträuße oder Blumenfelder zum Selbstpflücken erweitern. Naturgemäß haben sie zwischen Mai bis Oktober das meiste zu bieten. Besonders beliebt sind nach wie vor die Sonnenblumen. Hier finden Sie eine Liste mit Anbietern von Bioblumen.

Nachfrage säen, Bioblumen ernten

"Letztlich wird es an den Kunden hängen", sagt Agraringenieurin Andrea Frankenberg, "ob Bioblumen sich ihren Markt erobern können". Vieles spricht für Bioblumen: Sie sind nicht nur umweltfreundlich produziert, sondern auch kräftig und strahlend schön. "Der organische Dünger bringt die Biorosen besonders zum Leuchten. So verziert manch eine unserer Biorosen eine feine Torte", freut sich Gärtnermeister Bernd Brüx.

Bioblumen wachsen durch die organische Düngung langsam heran. Dabei entwickeln sie harte Zellfasern und kräftige Stiele. Damit können sie sich auf dem Feld und später in der Vase gut mit Wasser versorgen. Deshalb halten sie sich auch lange. Es lohnt sich also, im Naturkostladen einmal nachzufragen, wann die Bioblumen in den Markt kommen.


Letzte Aktualisierung: 06.02.2018