Verbraucher


Wohlig warm mit Wolle vom Bioschaf

Rote und Gelbe Biowolle mit Stricknadeln. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Stricken mit heimischer Biowolle – nachhaltiger geht´s nicht. Foto: Nina Weiler, BLE

Atmungsaktiv, flauschig, wärmend und noch dazu aus Naturfasern – so wünschen sich viele Verbraucherinnen und Verbraucher ihre Winterbekleidung. Wolle von deutschen Bioschäfereien erfüllt all diese Anforderungen und es gibt sie reichlich. Im Gegensatz zu Schafwolle aus Neuseeland oder Australien hat sie keine weiten Transportwege hinter sich.

Gut für Natur und Schäfereien

In jeder Schäferei fällt automatisch Wolle bei der Erzeugung von Schafmilch und Lammfleisch an. "Das Scheren der Schafe im Frühjahr bereitet zusätzlich Mühe, die sich für die Schäfereien eigentlich nur rechnet, wenn sie die Wolle verkaufen können", erklärt Andreas Kern, gelernter Schäfer und Berater für Schaf- und Ziegenhaltung beim Bioland e.V.

Wer Wolle deutscher Herkunft kauft, hilft nicht nur einem bedrohten Berufsstand, sondern nützt auch dem Naturschutz. "Dank der traditionellen Wanderschäferei haben Kulturlandschaften wie die Lüneburger Heide oder die Schwäbische Alb über Jahrhunderte hinweg ihren ursprünglichen Charakter bewahren können", erläutert der Bioschafexperte. Denn die Schafe halten die Wiesen kurz und  bewahren so die offene Landschaft davor, zu verbuschen und dadurch sonnenliebende Arten wie etwa Heide, Orchideen und Silberdistel zu verdrängen. Einigen engagierten Bioschäfereien ist es auch zu verdanken, dass alte Rassen wie etwa das Rhönschaf oder das Coburger Fuchsschaf hierzulande erhalten bleiben.

Was genau ist Biowolle?

Schafe auf der Weide. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Bioschafe liefern hochwertige Wolle. Foto: Nina Weiler, BLE

Natürlich muss Biowolle auch von Bioschafen stammen. Welche Anforderungen der Wolle liefernde Ökobetrieb bei der Haltung und Fütterung seiner Bioschafe zu erfüllen hat, regeln im Detail die EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau und die Richtlinien der Öko-Anbauverbände. Für Bioschäfereien hat das Wohl ihrer Herde oberste Priorität. Sie sorgen dafür, dass ihre Tiere ihre natürlichen Bedürfnisse ausleben können. Dazu gehört zum Beispiel, dass Bioschafe ausreichend Auslauf, frische Luft und Tageslicht bekommen. Im Sommer fressen sie frisches Gras, im Winter Heu oder Silage - alles aus ökologischem Anbau. Nur in der Biowanderschäferei ist es zulässig, dass die Schafe zu zehn Prozent auf konventionellen Flächen grasen. Sonst können sie ihren Job als Landschaftspfleger in Naturschutzgebieten nicht machen. Wie bei anderen Biotieren auch ist der Einsatz von Medikamenten stark reglementiert.

Qualitätsstandards für Naturtextilien

Erst in verarbeiteter Form, also nach dem Waschen, Kämmen und Spinnen, eignet sich Wolle zum Stricken, Häkeln oder Weben.  Auch wenn die Wolle von Bioschafen stammt, muss sie nicht zwangsläufig naturbelassen oder pflanzengefärbt sein. Denn Vorgaben für den Wollverarbeitungsprozess sind in den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau und den Richtlinien der Öko-Anbauverbände nicht enthalten. Dafür liefern eigens für den Naturtextilsektor entwickelte Qualitätsstandards Anhaltspunkte für eine möglichst umweltverträglich hergestellte Wolle – vom Schaf bis zum Verkauf. Wegweisend sind hier der Richtlinienkatalog des internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft e.V. (IVN) sowie der Global Organic Textile Standard (GOTS). Beide beinhalten umfangreiche Anforderungen an möglichst umweltverträglich hergestellte Kleidung, Wollfasern und sonstige Textilfasern. Beim IVN-Siegel "Naturtextil Best" müssen 100 Prozent der Wollfasern aus kontrolliert biologischer Tierhaltung stammen, beim GOT-Standard 70 Prozent.

Unzulässige Zusätze

Welche Zusätze und Verfahren im Einzelfall zum Einsatz kommen dürfen, hängt vor allem vom Verwendungszweck der Wolle ab. Für Handstrickwolle ist vorrangig der GOT-Standard relevant. Verboten sind hier problematische Zusätze wie zum Beispiel toxische Schwermetalle in Wollfarben, Formaldehyd und aromatische Lösungsmittel. Zudem schreibt der GOT-Standard vor, dass Biowolle mit Sauerstoff statt mit Chlor gebleicht wird.

Der IVN geht bei seinem Siegel "Naturtextil Best" in manchen Punkten über den GOT Standard hinaus: Grundsätzlich sind keine Substanzen zulässig, die gemäß dem Global Harmonisierten System (GHS) der Vereinten Nationen als umweltschädlich und gesundheitsgefährdend eingestuft sind. Darüber hinaus verbietet der IVN explizit bestimmte, besonders bedenkliche Substanzen beziehungsweise schränkt deren Einsatz stark ein. Dazu zählen primär Halogen-Verbindungen.

Breite Pflanzenfarbpalette

Korb mit bunter Wolle. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Manche Bioschäfereien bieten pflanzengefärbte Biowolle im Hofladen an. Foto: Biolandhof Scheer-Gmach GbR

Viel Chemie vermeiden lässt sich beim Färben. So hat sich die in der Nähe von Osnabrück ansässige Woll-Manufaktur Filges auf Naturfarben spezialisiert. Sie färben die Biowolle unter anderem mit Birkenblättern, Zwiebelschalen, Indigoblättern, Walnussschalen oder Cochenille, einem aus Läusen gewonnenem roten Farbstoff. "Dabei sind der Farbenvielfalt keine Grenzen gesetzt, denn durch Überfärbungen können wir fast alle Farben produzieren", sagt Kathrin Filges, die seit rund dreißig Jahren Wolle von Bioschäfereien aus der Region färbt. Die Farbstoffe bezieht die niedersächsische Biowollverarbeiterin von einem Arzneipflanzen- und Gewürzkräuteranbieter, der die Pigmente sorgfältig auf etwaige Rückstände hin untersucht.

Neben pflanzengefärbter Wolle vom Bioschaf gibt es aber auch Biowolle mit chemischen Farbstoffen.GOTS- oder IVN-zertifizierte Färbereien verzichten auf Azofarbstoffe und auf schwermetallhaltige Farben (Ausnahme: bei GOTS sind Eisen und Kupfer erlaubt, beim IVN Best-Standard Eisen).

Hülle und Fülle zum Filzen und Stricken

Von naturfarbener Biodochtwolle, Biosockenwolle, pflanzengefärbter Biobastel- und Biohandstrickwolle bis hin zu edler chemisch gefärbter Biomerinowolle reicht die Angebotspalette. Zu kaufen gibt es Biowolle unter anderem bei Bioschäfereien mit dazugehörigem Hofladen und Onlineshop oder beim Umweltversandhändlern.


(Diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wenn Ihr Angebot ebenfalls aufgenommen werden soll, melden Sie sich bitte unter info@oekolandbau.de.)

Letzte Aktualisierung: 06.12.2017