Verbraucher


Biofairer Schokoladengenuss

Kakaobauer mit Machete in Kakaoplantage. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Gemischte Kulturen bringen einen Mehrwert für Kleinbäuerinnen und -bauern und das Ökosystem. Foto: Naturland e.V.

Schokolade besteht in der Regel aus Kakao, Milch und Zucker. Selbstverständlich müssen bei einer Bioschokolade alle Bestandteile aus ökologischem Anbau stammen. Wichtigste Zutat ist der Kakao, eine Baumfrucht aus südlichen Ländern. Laut den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau sind unter anderem chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und Mineraldünger im Kakaoanbau tabu. Die Biostandards von Ökoanbauverbänden wie Naturland machen zusätzliche Vorgaben speziell für den Kakaoanbau: "Im Gegensatz zur EU-Öko-Verordnung ist bei Naturland der Kakaoanbau in einer umweltfreundlichen Mischkultur mit einer Vielzahl von Schattenbaumarten vorgeschrieben", erläutert Pressereferentin Bärbel Sagi. Schattenbäume schützen den Kakao vor zu viel Sonne, den Boden vor Erosion und stabilisieren den Wasserhaushalt. In solchen Mischkulturen finden sich aber auch Zitrusfrüchte, Bananen, Avocados, die viele Kleinbauernfamilien ernähren.

Fair ist noch visionär

Schokoladentafelgrafik mit Kostenaufteilung. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Weniger als sieben Prozent des Verkaufspreises für eine Tafel Schokolade erhalten die Bäuerinnen und Bauern. Grafik: Inkota-Netzwerk/Make Chocolate Fair

Die Kakaoernte und -verarbeitung bedeutet viel Handarbeit: nach der Ernte schlagen die Erzeugerinnen und Erzeuger die Kakaoschoten mit der Machete auf, um die Kakaobohnen freizulegen. Danach müssen sie die Bohnen fermentieren und trocknen.

Der Kakaoanbau ist die Haupteinnahmequelle für über 5,5 Millionen Bäuerinnen und Bauern im globalen Süden. In der Elfenbeinküste und Ghana sind sogar 90 Prozent der Kleinbäuerinnen und -bauern davon abhängig. Viele von ihnen müssen jedoch mit weniger als 1,25 US-Dollar (US-Dollar) am Tag auskommen. Laut der internationalen Kampagne Make Chocolate Fair sind die Preise für Rohkakao in den letzten 40 Jahren deutlich gesunken. Derzeit liegt der Weltmarktpreis nur bei 2.100 US-Dollar pro Tonne. Daher können sich die meisten Kakaobäuerinnen und -bauern keine regulären Arbeitskräfte leisten und spannen ihre Kinder als unbezahlte Erntehelfer ein. Allein in der Elfenbeinküste und in Ghana arbeiten etwa zwei Millionen Kinder auf Kakaoplantagen.

Grafik zu Siegeln und ihren Kriterien. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Ähnlich, aber nicht gleich: die wichtigsten Nachhaltigkeitssiegel. Grafik: Inkota-Netzwerk/Make Chocolate Fair

Durchblick im Siegeldschungel

Verschiedene Label versprechen einen ethisch korrekten Schokogenuss. Allerdings gibt es bei Zeichen zum fairen Handel keine staatlichen Vorgaben, was genau fair oder nachhaltig ist. Faire Schokolade muss zum Beispiel nicht zwingend Bio sein. Die häufigsten Siegel sind FairTrade, UTZ Certified und Rainforest Alliance. Alle Siegel sollen die Einhaltung internationaler Menschen- und Arbeitsrechte, das Verbot von ausbeuterischer Kinderarbeit sowie eine nachhaltige Landwirtschaft garantieren. Ob diese Mindeststandards eingehalten werden, kontrollieren unabhängige Zertifizierungsorganisationen.

Die Gesellschaft für partnerschaftliche Zusammenarbeit (GEPA) arbeitet bereits seit 1986 mit Naturland zusammen, um in Süd und Nord faire Bedingungen für die Landwirtschaft zu erreichen. Das ist an dem Zusatzzeichen Fair plus zu erkennen. Seit 2011 verarbeitet die GEPA faire Biomilch von der Berchtesgadener Molkerei, der derzeit einzigen fair-zertifizierten Molkerei im Norden, in ihren Milchschokoladen.

Der Preis zählt

Mann im blauen T-Shirt mit Kakaoschote in der Hand. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Juan Edito Hernandez von der Dominikanischen Republik: "Andere Unternehmen zahlen, was sie wollen. Unsere Kooperative zahlt einen fairen Preis für alle." Foto: GEPA - The Fair Trade Company

Die Kleinbauernfamilien im Süden sind vollkommen abhängig vom Kakaopreis. Während die Erzeugerinnen und Erzeuger den Preis bei UTZ/Rainforest frei aushandeln müssen, zahlt FairTrade einen Mindestpreis von 2.000 US-Dollar pro Tonne Kakao plus einer Prämie von 200 US-Dollar. Das reicht jedoch nicht aus: Laut der Studie True Price leben 80 Prozent der FairTrade-Kakaobäuerinnen und -bauern in der Elfenbeinküste unter der Armutsgrenze.

Für Biokakao gilt bei FairTrade ein Mindestpreis von 2.300 US-Dollar pro Tonne, hinzu kommt die Prämie von 200 US-Dollar, das ergibt dann 2.500 US-Dollar. Dagegen gibt es bei GEPA, Naturland Fair und dem "Hand in Hand Label" des Naturkostherstellers Rapunzel eine flexible Bioprämie von 300 US-Dollar plus Qualitätszuschläge. "Das ist vorteilhafter und dynamischer als das System des Biomindestpreises von FairTrade International, weil Bio bei der GEPA immer honoriert wird, auch bei hohen Weltmarktpreisen draufgezahlt wird", erläutert Brigitte Frommeyer, Pressereferentin von der GEPA. Über 90 Prozent der GEPA-Schokoladentafeln und Riegel sind mittlerweile Bio.

Siegel sind gut, aber noch nicht gut genug

Schoko-Nikolaus mit Fairzeichen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Sich solidarisch mit den Bäuerinnen und Bauern in Nord und Süd zeigen und Nikoläuse aus fairer Schokolade verschenken. Foto: GEPA - The Fair Trade Company

Allerdings garantiert bisher kein Siegel die Existenzsicherung der Bauernfamilien. Dennoch spricht sich Johannes Schorling, Koordinator der Kampagne Make Chocolate Fair, dafür aus: "Jedes unabhängige Siegel ist besser als kein Siegel und schafft Transparenz. Die freiwilligen Selbstverpflichtungen der großen Schokoladenhersteller greifen bisher viel zu kurz. Die Industrie verspricht seit Jahren, Kinderarbeit abzuschaffen, aber bisher ist sie davon weit entfernt."

Verbraucherinnen und Verbraucher sollten daher Bioschokolade mit Siegeln kaufen. Je mehr Informationen auf der Packung zur Herkunft stehen, desto besser. "Unabhängig vom Einkauf können wir ja auch als Bürger Druck auf die Politik ausüben. Wir brauchen verbindliche gesetzliche Regelungen zur Einhaltung der Menschenrechte statt freiwillige Erklärungen der Unternehmen", wünscht sich Schorling.  Dann wären Schokolade auch für die Menschen im Süden ein Genuss.


Letzte Aktualisierung: 06.12.2018