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"Frei-von"-Produkte: Nicht grundsätzlich die bessere Wahl

Brot auf Verkaufsregal. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Getreide, wie Weizen, Roggen, Dinkel und Hafer, enthält Gluten. Foto: Dominic Menzler, BLE

In den Regalen von Supermärkten und Lebensmittelfachgeschäften liegen immer häufiger Produkte, die als "laktosefrei" und "glutenfrei" gekennzeichnet sind. Für Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien sind solche Produkte sehr wichtig. Besonders im Biomarkt und im Naturkostfachhandel können betroffene Kundinnen und Kunden aus einem breiten Angebot in kontrollierter Bioqualität wählen. Immer häufiger greifen aber auch Menschen ohne nachgewiesene Allergien zu den sogenannten "Frei-von"-Lebensmitteln. Hinzu kommen viele herkömmliche Produkte, die Werbeattribute wie "zuckerfrei" oder "fettfrei" tragen. Auch diese sind bei gesundheitsbewusst Einkaufenden sehr beliebt. Aber halten die beliebten "Frei-von"-Produkte, was sie versprechen? Und sind diese speziellen Nahrungsmittel für alle Verbraucherinnen und Verbraucher sinnvoll?

"Frei-von": ein neuer Trend

Allein in Deutschland hat sich der Verkauf laktosefreier Produkte im letzten Jahr verglichen mit 2008 verdreifacht. Diesen Milchprodukten ist das Enzym „Laktase“ zugesetzt, welches den Milchzucker schon vor dem Verzehr aufspaltet. Somit ist die Laktose für Menschen mit einer Unverträglichkeit leichter verdaulich. Oft haben die Kundinnen und Kunden jedoch keine ärztlich nachgewiesene Intoleranz. Ähnlich verhält es sich bei glutenfreien Produkten. Sie wurden speziell für Menschen mit Zöliakie entwickelt. Betroffene reagieren allergisch auf Gluten. Das Klebereiweiß ist in Getreidekörnern wie Weizen, Dinkel, Roggen und Gerste zu finden. Anders als bei der Milchzuckerunverträglichkeit sind hier jedoch nur rund ein Prozent der Bevölkerung betroffen. Wie also kann man sich die hohen Verkaufszahlen erklären?

Große Versprechen und hohe Preise

Kennzeichnung Lebensmittel. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die Werbung von Lebensmitteln mit "frei von" Angaben nimmt zu und ist manchmal verwirrend.

Ein Grund für den starken Anstieg der Nachfrage sind Werbestrategien. Hersteller bewerben ihre "Frei-von"-Produkte mit dem Versprechen, dass durch den Verzehr die Gesundheit und das Wohlbefinden gestärkt werden. Um den Umsatz ihrer Ware zu steigern, greifen manche Anbieter auch zu dreisten Mitteln. Die Verpackungen von Joghurt und anderen süßen Desserts versprechen oft "fettfrei" zu sein, was viele Menschen mit kalorienarm gleichsetzen. Der hohe Anteil von gesundheitsschädlichem Zucker wird so vertuscht und das Produkt wirkt gesünder.

Auch die Kennzeichnung "ohne Zuckerzusatz" auf Fruchtjoghurts, Säften und Müsliriegeln führt in die Irre. Anstelle von normalem Haushaltszucker (Saccharose) stecken in diesen Lebensmitteln Frucht-Dicksaft, Malzextrakt oder Milchzucker, oft mehrere dieser Süßungsmittel kombiniert miteinander. Das trifft auch bei Nahrungsmitteln zu, die von Natur aus schon hohe Fruchtzuckeranteile aufweisen.

Ein anderer Grund für den steigenden Konsum der speziellen Produkte sind Medien und prominente Persönlichkeiten. In Hollywood ist es ein Lifestyle-Trend, sich "frei von" Laktose oder Gluten zu ernähren. So folgen viele dem Vorbild ihrer Idole.

Kennzeichnung oft unklar

Die Verbraucherzentrale Hamburg warnt vor den falschen Versprechungen. Demnach ist der angepriesene Mehrwert der "Frei-von"-Lebensmittel für Menschen ohne nachgewiesene Allergie oder Intoleranz nicht vorhanden. Besonders in der Kritik steht die oft unklare Kennzeichnung, wie beispielsweise bei laktosefreien Produkten. Nicht wenige dieser Lebensmittel enthalten ohnehin keinen Milchzucker. Beispiele sind Vollkornbrot oder Wurstprodukte wie Kochschinken und Putenbrust. Auch in vielen Käsesorten ist der Milchzucker durch den Reifeprozess natürlicherweise abgebaut. Ein erhöhter Preis ist somit nicht gerechtfertigt. Die Verbraucherzentralen fordern nun klare Kennzeichnungen, die schnell ersichtlich machen, was in Nahrungsmitteln natürlicherweise enthalten ist. Der Hinweis "von Natur aus laktosefrei" soll in Zukunft Abhilfe schaffen.

Ausgewogene Ernährung mit biologischen Lebensmitteln

Wenn keine Lebensmittelallergie oder Unverträglichkeit gegen gewisse Inhaltstoffe nachgewiesen werden kann, ist es nicht notwendig, sich von den oft sehr teuren "Frei-von"-Produkten zu ernähren. Dies betont auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Oft lohnt es sich, Lebensmittel zu reduzieren, auf die man mit Beschwerden reagiert. Besonders im Fall der als "zucker-" und "fettfrei" deklarierten Nahrungsmittel ist es ratsam, die Zutatenliste genau zu studieren. Eine natürliche und ausgewogene Ernährung ist in jedem Falle zu empfehlen. Ökologische Lebensmittel, am besten frisch, regional und saisonal eingekauft, sind dafür die beste Grundlage. Der Biofachhandel bietet eine große Auswahl an wenig verarbeiteten Produkten, die das gesunde Kochen leicht machen.


Letzte Aktualisierung: 09.11.2015