Verbraucher


Stevia als neuer Süßstoff

Steviapflanze. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die mehrjährige, wärmeliebende Stevia rebaudiana stammt ursprünglich aus Südamerika. Foto: FiBL Deutschland e.V.

Süß ist für viele Menschen gleichbedeutend mit lecker. Auch manche Biokundinnen und -kunden naschen gerne oder trinken gesüßten Tee oder Kaffee. Zucker wollen sie dennoch nur in Maßen genießen. Die natürliche Süßpflanze Stevia klingt als fast kalorienfreie und zahnfreundliche Alternative sehr verlockend. Seit Dezember 2011 sind aus dem Kraut der Pflanze gewonnene Inhaltsstoffe, sogenannte Steviolglycoside, in der Europäischen Union als Süßungsmittel zugelassen. Der neue Zusatzstoff trägt die E-Nummer 960. Er darf nun beispielsweise alkoholfreien Erfrischungsgetränken, Speiseeis, Milchprodukten und Konfitüren zugesetzt werden. Wie viel und in welchen Lebensmittelkategorien, ist im Detail geregelt. In Biolebensmitteln darf der neue Zusatzstoff bisher nicht eingesetzt werden, weil hier die EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau Vorrang haben. Frankreich regte zwar an, E 960 auch für Bioware zu erlauben. Doch das ist umstritten.

Möglichst wenig Zusatzstoffe in Bioware

Der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) Herstellung und Handel hat seine Mitglieder zu dem Thema befragt. Mehr als die Hälfte sprechen sich gegen eine Aufnahme des Zusatzstoffes in die EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau aus. Als Hauptargument nennen Kritiker einen hohen Grad an Verarbeitung, beispielsweise mithilfe von Lösungsmitteln und anderen chemischen Stoffen. Die Umfrage ergab weiterhin, dass generell möglichst wenige Zusatzstoffe in Biolebensmitteln erlaubt sein sollten.

Hickhack um Stevia

Das ganze Hickhack um das Süßungsmittel hat eine Vorgeschichte. Lange standen die süßen Inhaltsstoffe der Pflanze im Verdacht, Krebs zu fördern. Doch der Verdacht wurde für Steviolglycoside ausgeräumt. Eine tägliche Aufnahmemenge von vier Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht gilt als unbedenklich. Das Problem, das die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) nach wie vor sieht: Konsumieren Erwachsene, insbesondere aber Kinder, große Mengen des süßenden Stoffes, kann dieser Wert leicht überschritten werden. Etwa bei Erfrischungsgetränken gilt das als gar nicht so unwahrscheinlich. Die Behörde will die Entwicklung von E 960 deshalb genau im Blick behalten.

Verbraucherschützer warnen vor Augenwischerei

Es sind schon konventionelle Produkte wie beispielsweise Erfrischungsgetränke mit dem neuen Süßstoff auf dem Markt, die ganz natürlich daherkommen. Eine Werbung unter dem Deckmäntelchen der Natur darf aber aus Sicht von Verbraucherschützern nicht erfolgen. Denn Steviolglycoside werden durch chemische Verfahren gewonnen und haben mit "Natürlichkeit" wenig zu tun. Verbraucherinnen und Verbraucher erkennen sie in der Zutatenliste als "Süßstoff Steviolglycoside" oder "E 960".

Süß ist für viele Menschen gleichbedeutend mit lecker. Doch ob kalorienfreie Süßstoffe tatsächlich beim Schlankwerden und Schlankbleiben helfen, ist umstritten. Man gewöhnt sich allzu leicht an den süßen Geschmack. Gegen einen moderaten Konsum der Zusatzstoffe ist sicher nichts einzuwenden. Besser wäre es jedoch, sich daran zu gewöhnen, auch weniger süße Lebensmittel und Getränke so richtig zu genießen.


Letzte Aktualisierung: 27.07.2015