Verbraucher


Vegan liebt Bio

Rezept: Möhren mit Broccoli. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster
Wenn man die Prinzipien gelernt hat, wird vegan kochen einfacher.
Foto: Antonia Höfler

Der vegane Biomarkt boomt. Auf der Weltleitmesse für Bioprodukte BIOFACH in Nürnberg gab es 2014 am Neuheitenstand erstmals eine eigene Kategorie für vegane Produkte, die reichlich bestückt war. Vom Rührei aus Tofu bis zur Dessertsoße mit Schoko- oder Erdbeergeschmack.

Nach Angaben des Vegetarierbundes gibt es schon 800.000 Veganerinnen und Veganer, andere Schätzungen sprechen von "nur" circa 400.000. Fakt ist jedoch: Ganz Deutschland scheint im Veganfieber zu sein. Es gibt inzwischen Zeitschriften für Veganerinnen und Veganer sowie jede Menge Kochbücher. In Restaurants und Cafés gehört es schon fast zum Standard, dass auch vegane Gerichte, Desserts und Kuchen auf der Karte stehen. Axel Wirz, Betriebswirt und Marketingexperte beim Forschungsinstitut für biologischen Landbau in Frankfurt, hat sich in der Fastenzeit sieben Wochen lang vegan ernährt und Rezepte aus dem Kochbuch "Vegan for Fit" von Attila Hildmann verwendet. Er wollte sich - zunächst als Testphase - gesünder ernähren, aber auch ein paar Pfunde abnehmen. Sein Resümee nach sieben Wochen: "Die Gerichte sind lecker und die Ernährungsumstellung hat mir gut getan. Wir haben die Rezepte aber größtenteils variiert, weil der Aufwand für den Einkauf sonst zu hoch ist. Mehr kosten als meine herkömmliche Bioernährung tut es auch. Abgenommen habe ich wie erhofft, fünf Kilo."

Veganerinnen und Veganer verzichten nicht nur auf Fleisch, sondern auf alle Lebensmittel tierischen Ursprungs, wie Milch, Käse, Honig und Eier. Einige meiden sogar Apfelsaft oder Wein, weil sie möglicherweise mit Gelatine geklärt wurden.

Kritisch: die Versorgung mit Vitamin B12

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät vor allem für schwangere und stillende Frauen sowie für Kinder von einer veganen Ernährung ab. Bei manchen Nährstoffen ist eine bedarfsgerechte Zufuhr nur sicher, wenn man sich gut auskennt und die Lebensmittel gut kombiniert. Vor allem bei der Versorgung mit Vitamin B12 kann vegane Ernährung zu einem Defizit führen. Aber auch auf eine gezielte Versorgung mit Kalzium, Eisen, Jod, Zink, Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren sollten Veganerinnen und Veganer achten.

Genau hinschauen, was drin ist

Vegan-Zeichen. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster
Das Vegan-Zeichen des Vegetarierbundes befolgt definierte Kriterien. Ein gesetzliches Zeichen gibt es jedoch nicht.
Grafik: Vegetarierbund

Eine gesetzlich vorgeschriebene Kennzeichnung für vegane Lebensmittel gibt es nicht. Oft kreieren die Hersteller sogar ihr eigenes Label. Relativ häufig findet man das V-Label, das vom Vegetarierbund Deutschland vergeben wird. Die Anforderungen können Verbraucherinnen und Verbraucher auf der Webseite V-Label nachlesen.

Die Gründe für das große Interesse an veganer Ernährung sind zum einen die Gesundheit, zum anderen auch das Tierwohl. Wer vegan isst, hat kein Tierleben auf dem Gewissen. Pflanzliche Lebensmittel gelten außerdem gemeinhin als gesünder. Das ist häufig, aber nicht immer der Fall. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat in einem Marktcheck von veganen Lebensmitteln beispielsweise festgestellt, dass Ersatzprodukte für Käse, Bratwurst und Burger häufig viel Fett und Salz enthalten. Zudem stecken in den Produkten oft gesättigte, für unseren Körper eher ungesunde Fette. Die Rohstoffe stammen teilweise aus fernen Ländern und fordern lange Transportwege, nicht selten auch einen aufwendigen Herstellungsprozess. Das alles schmälert die Nachhaltigkeit der Pflanzenkost. Dennoch lässt die Verbraucherzentrale keinen Zweifel daran, dass vegetarisch oder vegan zu essen gesund und sinnvoll ist. Man muss nur wissen, wie.


Letzte Aktualisierung: 19.08.2015