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Sind Ökoprodukte mit Pestizidrückständen belastet?

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Die Lebensmittelüberwachung Baden-Württembergs kontrolliert regelmäßig die Qualität ökologisch erzeugter Produkte Foto: Don Design

Das baden-württembergische Ökomonitoring belegt: Bioprodukte sind weitgehend frei von Pestizidrückständen. Nur 1,1 Prozent der im Jahr 2015 untersuchten frischen Ökoproben wurden beanstandet. Die Ergebnisse der breit angelegten Studie stärken das Vertrauen in die Qualität von Bioprodukten.

Seit dem Jahr 2002 kontrolliert die baden-württembergische Lebensmittelüberwachung kontinuierlich und gezielt die Qualität ökologisch erzeugter Lebensmittel. Bei diesem deutschland- und europaweit einmaligen Ökomonitoring untersuchen die Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter Lebensmittel aus ökologischem und konventionellem Anbau unter anderem systematisch auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln. Im Jahr 2015 nahmen die Labors insgesamt 326 Ökoproben unter die Lupe: frisches Obst, Gemüse und Kartoffeln, Hülsenfrüchte und Getreide, diverse verarbeitete Produkte, Nahrungsergänzungsmittel und vieles mehr. Insgesamt stellen die Ergebnisse den Bioprodukten ein sehr gutes Zeugnis aus.

Frisches Obst und Gemüse im grünen Bereich

Beim frischem Obst und Gemüse aus ökologischem Anbau liegt der mittlere Gehalt an Pestizidrückständen bei 0,002 Milligramm pro Gramm, wenn alle Proben - auch solche mit irreführender Bezeichnung - in die Berechnung mit einfließen. Bei Ausschluss der beanstandeten Proben liegt der Wert bei 0,001 Gramm pro Kilogramm. Der Schwellenwert, ab dem die Kontrollbehörden aktiv werden, liegt bei 0,01 Milligramm pro Gramm. Seit Jahren bestätigt das Ökomonitoring diesen Befund. Bioprodukten halten in aller Regel, was sie versprechen. Die nachgewiesenen Rückstände lagen überwiegend im Spurenbereich (unter 0,01 Milligramm pro Gramm) und damit deutlich unterhalb der Konzentrationen, die üblicherweise durch den pflanzenbaulichen Einsatz von Pestiziden im Erntegut festgestellt werden. Bei den Proben aus dem Jahr 2015 wurden nur 1,1 Prozent der frischen Ökoprodukte beanstandet. Lediglich bei einer von 85 Proben Obst (Biobananen aus Peru) und einer von 109 Proben Gemüse (Biobroccoli aus Italien) fanden die Labors leicht erhöhte Rückstandswerte an Pflanzenschutzmitteln und beurteilen die Bezeichnung "Öko" deshalb als irreführend. In den letzten Jahren hat sich die Beanstandungsquote bei allen frischen Ökoprodukten auf einem sehr niedrigen Niveau stabilisiert.

Pestizidrückstände in konventionell beziehungsweise biologisch angebautem Obst und Gemüse

Gehalte an Pestizidrückständen
in mg/kg
201320142015
Obst
Ökoproben insgesamt0,0080,0050,002
Ökoproben ohne Beanstandung *0,0020,0020,001
Konventionelle Proben0,320,420,35
Gemüse
Ökoproben insgesamt0,0040,0010,002
Ökoproben ohne Beanstandung *0,0020,0010,001
Konventionelle Proben0,3800,3200,490

*beanstandete Proben = Proben, die wegen irreführender Angabe "Öko" beanstandet wurden.

Deutliche Unterschiede zwischen "bio" und "konventionell"

Frau im Labor. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Jedes Jahr im Sommer werden die Ergebnisse des aktuellen Ökomonitorings veröffentlicht. Foto: CVUA Freiburg

Insgesamt weisen die konventionellen Proben bei den Pestizidrückständen deutlich höhere Werte als die Bioprodukte auf. Die in konventionellem Obst gefundenen Rückstände sind 175 mal höher als bei den Ökoprodukten. Auch bei Gemüse zeigt sich ein ähnliches Bild: Hier sind die Rückstandsgehalte der konventionellen Proben 245 mal so hoch wie die bei Biogemüse. Die Faktoren sind doppelt so hoch, wenn Ökoprodukte mit einer irreführenden Bezeichnung vom Vergleich ausgeschlossen werden.

Verarbeitete Produkte unter der Lupe

Bei verarbeiteten Produkten aus ökologischem Anbau lag die Beanstandungsquote mit 2,6 Prozent zwar mehr als doppelt so hoch wie bei den frischen Erzeugnissen, aber damit immer noch auf einem sehr niedrigen Niveau. Allerdings sind diese Prozentzahlen nur mit Vorsicht zu vergleichen. Zum einen aufgrund der geringen Zahl beanstandeter Proben. Zu anderen haben die Untersuchungsämter ihre Proben gezielt risikoorientiert ausgewählt. Sie nehmen vor allem auch Lebensmittel mit in das Monitoring auf, die als "möglicherweise kritisch" gelten. "Bei einer rein repräsentativen Beprobung würde die Beanstandungsquoten voraussichtlich noch niedriger liegen", schätzt Nadja Bauer vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart. Von allen 2015 untersuchten Proben wurden nur Sultaninen aus der Türkei (eine Probe) sowie Moringablattpulver aus Indien (Nahrungsergänzungsmittel, zwei Proben) beanstandet. In allen drei Fällen fanden die Labors erhöhte Rückstandsgehalte an nicht im Ökolandbau zugelassenen Pflanzenschutzmitteln. Es liegt deshalb der Verdacht nahe, dass bei diesen Produkten die ökorechtlichen Vorgaben nicht eingehalten wurden.

Instrument zur Qualitätssicherung

In diesen Fällen - bei Befunden über dem Schwellenwert von 0,01 Milligramm pro Kilogramm – wird die baden-württembergische Ökokontrollbehörde informiert. Sie kontaktiert die für das Produkt zuständige Ökokontrollstelle, die wiederum Kontakt mit den erzeugenden oder herstellenden Betrieben aufnimmt und bei Bedarf weitere Maßnahmen einleitet. Das Ökomonitoring dient deshalb nicht nur der Überwachung von Lebensmitteln, sondern ist auch ein Instrument zur Qualitätsverbesserung. Es hilft dabei, Schwachstellen bei der Produktion von Lebensmitteln aus ökologischem Anbau aufzudecken und zu korrigieren. Hier zeigt das Ökomonitoring Wirkung: Seit Beginn des Programms hat sich die Bilanz stetig verbessert. Wurden in Kulturen und Produkten in einem Jahr Auffälligkeiten festgestellt, so verbesserte sich dieses Bild in fast allen Fällen in den darauffolgenden Jahren. Insgesamt dienen die systematischen Kontrollen und die transparente Darstellung der Ergebnisse dazu, die Produktionsprozesse stetig zu optimieren.


Letzte Aktualisierung: 20.07.2016