Verbraucher


Warum sind Biolebensmittel teurer?

Mann im Supermarkt
Foto: Thomas Stephan, BLE

Gründe für den höheren Preis

"Bio" hat seinen Preis. In diesem Zusammenhang muss man aber auch die Frage stellen, ob billige Lebensmittel auf Kosten der Natur hergestellt werden. Der höhere Preis lohnt sich aus folgenden Gründen. 

Biolandwirtschaft ist arbeitsintensiver

Biobäuerinnen und Biobauern verzichten auf chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel. Sie halten stattdessen ihre Pflanzen zum Beispiel durch mechanische Maßnahmen frei von Unkraut und Schädlingen. Diese umweltschonende Anbaumethode bedeutet einen weitaus höheren Arbeitsaufwand, lässt die Ernten jedoch oft nicht so üppig ausfallen wie im konventionellen Landbau.

Fruchtfolge

In regelmäßigen Abständen muss der Biobetrieb etwa ein Drittel seiner bewirtschafteten Fläche für den Anbau solcher Pflanzen reservieren, die dem Boden helfen, sich zu erholen und für künftige Anbauphasen Stickstoff anzusammeln. Viele Arten dieser so genannten Leguminosen, wie Klee, Lupinen und Ackerbohnen, eignen sich nur als Futterpflanzen oder zur Gründüngung. Somit stehen diese Flächen nicht für den Anbau von Marktfrüchten zur Verfügung.

Tierhaltung

Tierhaltung nach ökologischen Gesichtspunkten konzentriert sich auf die Erzeugung von Lebensmitteln hoher Qualität und nicht auf Höchstleistungen der Tiere. Die Tiere werden artgerecht gehalten und mit Futter aus ökologischer Erzeugung bedarfsgerecht ernährt. Sie bekommen Futter in der Art und Menge wie es dem jeweiligen Entwicklungsstadium des Tieres entspricht. Dadurch verlängern sich die Mastzeiten, und die Biobäuerinnen und -bauern erzeugen - bezogen auf die Fläche - weniger Fleisch, Milch oder Eier als ihre konventionell arbeitenden Kolleginnen und Kollegen.

Die Verarbeitung von Bioprodukten erfordert besondere Sorgfalt

Auch wenn sich mittlerweile mit Zusatzstoffen viele Produktionsprozesse wirtschaftlicher gestalten lassen - für die ökologische Verarbeitung sind die meisten verboten. Statt Farbstoffen oder synthetischen Aromen sind zum Beispiel natürliche Zutaten aus biologischer Erzeugung einzusetzen. Diese Vorgaben machen die Entwicklung besonderer Rezepturen und den Einsatz hochwertiger Zutaten notwendig. Das macht die Produkte verständlicherweise teurer.

Betriebskontrollen kosten Geld

Damit auch immer "Bio" drin ist, wo "Bio" drauf steht, wird die Erzeugung und Verarbeitung von Biolebensmitteln lückenlos von staatlich anerkannten Kontrollstellen überprüft. Außerdem entstehen Kosten bei der Trennung von konventionellen Produkten beim Transport, in der Verarbeitung oder Lagerung, um eine Vermischung auszuschließen.

Billige Lebensmittel um jeden Preis?

Lebensmittel sind heutzutage so billig wie noch nie. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes entfallen im Durchschnitt etwa elf Prozent der Konsumausgaben in deutschen Haushalten auf den Einkauf von Lebensmitteln. Doch scheinbar billige Lebensmittel kosten den Steuerzahler Geld, das an anderer Stelle von ihm verlangt wird: Die Rechnung der Wasserwerke, weil Nitrat und chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel aus dem Trinkwasser entfernt werden müssen. Längere Krankheitszeiten und hohe Arzneimittelkosten, weil Krankheitskeime aufgrund des Einsatzes von Antibiotika in der Tierhaltung Resistenzen entwickeln können und Nahrungsmittelallergien zunehmen. Milliarden-Kosten, um die Folgen von Lebensmittelskandalen auszugleichen. In einen ehrlichen Preisvergleich müssen also auch die Kosten einbezogen werden, die bei vermeintlich preisgünstigeren Lebensmitteln nicht auf dem Kassenzettel stehen.

Der jahrzehntelange Preiskampf im Lebensmittelhandel hat die Produkte billig gemacht. Aber auf Kosten der Umwelt, der Gesundheit und der Bäuerinnen und Bauern.
Werden qualitativ hochwertige Lebensmittel nach ökologischen Prinzipien produziert, sind sie an der Ladenkasse etwas teurer. Doch für die Gesellschaft bedeutet das einen Gewinn: eine sauberere Umwelt, mehr Lebensmittelqualität und mehr Arbeitsplätze und Lebensmittel, die ihren Preis wert sind.

Letzte Aktualisierung: 27.08.2015