Verbraucher


Tansania: Mit Mischkultur mehr ernten

Zwei Männer im Maisfeld. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Kleinbauer Magiti (rechts) und sein Berater Hoza Kaniki freuen sich über bessere Maisernten. Foto: Jutta Schneider-Rapp

Sefu Magiti ist einer der besten Maisfarmer in Mambo. Das Dorf liegt in den Usambarabergen Tansanias. In dieser dicht besiedelten Region machen Bevölkerungswachstum und Bodenerosion Mensch und Umwelt zu schaffen. Deswegen hat die niederländische Stiftung Mambosteunpunt hier das Projekt "Push and Pull" gestartet. Seitdem bauen rund 50 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern ihren Mais in Mischkultur mit heimischen Pflanzen an: Das Elefantengras am Feldrand verhindert die Erosion. Die Leguminose Desmodium nutzt Stickstoff aus der Luft und sammelt den wichtigen Pflanzennährstoff im Boden. Beide Pflanzen vertreiben auf ihre Art den Maiszünsler, den Hauptfeind des örtlichen Grundnahrungsmittels. Das süß schmeckende Elefantengras lockt den Schädling aus dem Maisfeld (pull = ziehen). Desmodium vertreibt den Maiszünsler mit ihrem Geruch (push = drücken). Seit 2016 arbeitet der Kleinbauer Magiti mit der kombinierten Bepflanzung und erntet deutlich mehr Mais. "Die Nachbarn fragen mich schon, wie ich das mache", erklärt Magiti stolz.

Ökolandbau macht Boden gut

Kalb am Trog. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Statt mit saftigem Gras müssen die Kälber meist mit braunen Maisstängeln aufwachsen. Foto: Jutta Schneider-Rapp

"Erfahrungen in Kenia und Tansania haben gezeigt, dass sich mit der Push and Pull-Methode die Maiserträge ohne mineralische Dünger und Pestizide verdoppeln bis verdreifachen lassen, sofern die Anbaumethode sorgfältig angewendet wird. Besonders wichtig ist das Jäten des Unkrautes im ersten Anbaujahr. Push and Pull wirkt somit überaus nachhaltig und macht die Landwirte unabhängig von Produktionsmittel-Lieferanten", erklärt Martin Graf die Vorteile. Der Schweizer Agraringenieur hat das Projekt 2015 initiiert. Zusätzlich ergänzen Elefantengras und Desmodium die magere Futterkost der örtlichen Rinder, Schafe und Ziegen. Allerdings gibt es noch viel zu tun. Laut Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) und International Federation of Organic Agriculture Movements (IFOAM) hat Tansania zwar mit geschätzt rund 270.000 Hektar die größte Bioanbaufläche in Afrika, aber insgesamt nur einen Bioanteil von 0,7 Prozent.
Ökolandbau weltweit

Biorevolution in Indien

Grafik zur Ökolandbauverteilung. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Soviel Ökolandbauflächen haben die einzelnen Kontinente: Ozeanien führt. Grafik: FiBL

Deutlich dynamischer entwickelt sich der Ökolandbau in Indien. Laut dem Münchner Umweltinstitut haben sich dort mehrere Bundesstaaten auf den Weg gemacht, ihre Landwirtschaft komplett auf Bio umzustellen oder den Einsatz von Pestiziden zu verbieten. Im kleinen Bundesstaat Sikkim wirtschaften bereits alle landwirtschaftlichen Betriebe seit 2016 nur noch ökologisch. Im berühmten Teeanbaugebiet Darjeeling liegt der Anteil der ökologischen Landwirtschaft bei 30 Prozent. 

Der Bundesstaat Andhra Pradesh möchte spätestens ab 2024 ohne Pestizide arbeiten. "Das ist zwar weniger ambitioniert als eine Umstellung auf Bio, aber kommt einer Revolution gleich", freut sich Karl Bär, Referent für Agrar- und Handelspolitik beim Umweltinstitut. Denn die Landwirtschaftsregion produziert massenhaft Reis, Hirse und Linsen. Über sechs Millionen Bauernfamilien lernen, künftig ohne Chemie auszukommen. Ihre Ausbildung will der Bundesstaat jährlich mit fast 400 Millionen Dollar finanzieren. "In wenigen Jahren ist damit in Indien eine zusammenhängende Region pestizidfrei, die größer ist als Österreich, Belgien und die Schweiz zusammen."

Lateinamerika: Lange Biotradition, aber Nachwuchssorgen

Beete mit jungen Kaffeepflanzen in den Bergen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Baumschule am Hang: Kaffee wächst in den Anden oft in Steillagen heran. Foto: Norandino

Im Globalen Süden ist Lateinamerika Biokontinent Nummer eins. Laut FiBL befinden sich derzeit rund 13 Prozent der weltweiten Bioanbauflächen in Lateinamerika. Die meisten Biolebensmittel exportieren Mexico und Peru. Im Andenstaat Peru bauen vor allem kleinbäuerliche Familienbetriebe die klassischen Kolonialwaren Kaffee und Kakao an: mit viel Handarbeit bei der Ernte und der Weiterverarbeitung. Auch wenn sich mit Biokakao mehr erwirtschaften lässt als mit konventionellem, haben viele Bauernfamilien ernsthafte Nachfolgeprobleme. Das Durchschnittsalter der Landwirtinnen und Landwirte liegt in Südamerika bei stattlichen 55 Jahren. "Nur wenn wir auch ökonomisch eine Perspektive aufzeigen können, bleiben die Jungen am Ball. Bei den derzeit niedrigen Kakaopreisen müssen wir uns zusammenschließen, um rentabel zu wirtschaften", sagt Juanita Baltodano, Präsidentin der internationalen Organisation "Kooperativen ohne Grenzen" mit Sitz in Costa Rica.

Gemeinsam bio anbauen und fair vermarkten

Landwirt wendet Kakaobohnen auf Holzplanken. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die Sonne trocknet die Kakaobohnen. Foto: Jorge Alban Dolbes

Bestes Beispiel für eine erfolgreiche Kooperation zwischen Landwirtschaft und Handel ist die mehrfach preisgekrönte peruanische Mitglieds-Kooperative Norandino. Ihre über 7000 Mitglieder veredeln ihre Produkte vor Ort und vermarkten sie gemeinsam. "Nachdem Norandino zunächst eine Fabrik zur Verarbeitung von Vollrohrzucker aufgebaut hat, eröffnet die peruanische Kooperative derzeit eine eigene hochmoderne Schokoladenfabrik. Die erste in Lateinamerika in Kooperativenbesitz, die auch Grundstoffe für die Pralinenproduktion liefern kann", berichtet Baltodano stolz auf die Leistung ihrer peruanischen Kolleginnen und Kollegen. Kürzlich hat das internationale Büro von "Kooperativen ohne Grenzen" beschlossen, Produkte der 13 Mitglieder aus Lateinamerika – alle mit Biosiegel versehen und aus bäuerlicher Landwirtschaft – direkt in Deutschland anzubieten: Neben Rohkaffee und Kakaobohnen für Chocolaterien und Röstereien auch hochwertige Kaffeeröstungen und aromatische Kakaobohnen aus Peru und Guatemala. Wer würdige Lebensbedingungen im ländlichen Sektor in Lateinamerika unterstützen will, kann Produkte der Kooperativen ohne Grenzen direkt bestellen.


Letzte Aktualisierung: 31.10.2018