Was ist Heumilch und was macht sie besonders?

Was ist Heumilch und was macht sie besonders?

Heumilch stammt von Kühen, die viel frisches Gras und Heu fressen, aber keine Silage. Ihre Herstellung entspricht der traditionellen Wirtschaftsweise im Alpenraum. Heumilchbetriebe arbeiten naturnah, können, aber müssen nicht Bio sein.

Heumilch als geschützte Spezialität

Genau wie Bio-Milch ist Heumilch ein geschützter Begriff. Seit 2016 trägt die Heumilch das von der Europäischen Union vergebene Gütesiegel g.t.s-Siegel: das steht für garantiert geschützte Spezialität. Standardbetreiber ist die ARGE Heumilch Österreich. "Das g.t.S.-Siegel bedeutet für Heumilch einen europaweiten Produktschutz", erklärt Christiane Mösl, Geschäftsführerin der ARGE Heumilch in Österreich. Die Betriebe der ARGE Heumilch produzieren nach dem Heumilch-Regulativ, das strenger ist als das g.t.S.-Siegel. Unabhängige, staatlich zertifizierten Kontrollstellen überprüfen die Einhaltung der Kriterien.

Wie wird Heumilch gemacht?

Heumilch-Betriebe sind meist kleinere Betriebe mit überschaubaren Tierzahlen. Sie arbeiten extensiv und schonen Tier und Natur. Für die Herstellung von Heumilch müssen sie folgende Kriterien erfüllen:

  • Fütterung mit Silage und außereuropäischen Futtermitteln verboten
  • Einsatz von Ergänzungsfutter (zu Gras und Heu) streng limitiert
  • Kühe kommen mindestens 120 Tage auf die Weide, Auslauf oder Alm, alternativ Laufstall
  • Dauerhafte Anbindehaltung verboten
  • Düngung und Einsatz von chemisch-synthetisch Pflanzenschutzmitteln begrenzt
  • Spätere Mahd, zeitlich und räumlich versetzt, damit die Wiesen blühen und artenreich werden. Im Durchschnitt ein bis zwei Schnitte pro Jahr weniger als heute üblich
  • Heumilchprodukte sind gentechnikfrei

Was ist der Unterschied zwischen Heumilch und Bio-Milch?

Heumilchbetriebe orientieren sich an der traditionellen Wirtschaftsweise. Beispielsweise sind die modernen riesigen Rundballen auf Heumilchbetrieben nicht zu finden, auf Bio-Betrieben aber schon. Ein weiterer Unterschied besteht bei der Fütterung: Bio-Kühe bekommen ausschließlich Gras, Heu und Getreide, dass ohne Mineraldünger und chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel hergestellt wurde. In der konventionellen Heumilchproduktion sind sowohl der Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln als auch der mineralischer Dünger stark reglementiert, aber nicht verboten. Die Fütterung mit Silage – vergorenen Futtermitteln – ist bei Bio-Kühen erlaubt, bei der Herstellung von Heumilch jedoch untersagt.

Gibt es auch Bio-Heumilch?

Ja, es gibt auch Bio-Heumilch. Sie erfüllt nicht nur die Anforderungen der Heumilchproduktion – also die Fütterung ohne Silage und mit viel frischem Gras und Heu –, sondern muss zusätzlich den strengen Bio-Richtlinien entsprechen. So werden die Vorteile beider Produktionsweisen kombiniert.

Ist Heumilch Rohmilch?

Der Begriff "Heumilch" beschreibt ausschließlich die besondere Fütterung der Kühe – nicht die Verarbeitung der Milch. Im Handel ist Heumilch in der Regel pasteurisiert, um sie haltbarer und hygienisch sicherer zu machen. Nur wenn die Milch mit "Rohmilch" oder "Vorzugsmilch" gekennzeichnet ist, handelt es sich um unbehandelte Heumilch. Rohmilch findet man in der Regel nur direkt in der Ab-Hof-Vermarktung.

Wie schmeckt Heumilch?

Gras und Heu der artenreichen Wiesen schmecken nicht nur den Kühen, sondern soll die Milch auch aromatischer machen. Im Vergleich zur herkömmlichen Milch enthält die silagefreie Heumilch mehr hochwertige Omega-3-Fettsäuren. Käsereien schwören ohnehin auf Heumilch. Klassische Käsesorten wie Original Bergkäse oder Emmentaler lassen sich sogar nur mit Heumilch herstellen.

Silage weist einen erhöhten Anteil an Chlostridien-Sporen auf, der bei der Produktion und Reifung von Käse zu Problemen führt. Für die Käseproduktion muss diese Milch dann mechanisch behandelt werden oder es werden Konservierungsstoffe zugegeben, um diese Sporen zu unterdrücken. Das entfällt bei Heumilch,

erläutert Christiane Mösl. Hinzu käme, dass Kühe Heu besser vertragen. Ein Mehrwert fürs Tierwohl.

Wieviel Heumilch gibt es?

Etwa 15 Prozent der gesamte Milchmenge in Österreich ist Heumilch. Der Bio-Anteil beträgt knapp 40 Prozent Bio. Besonders in Berggebieten gibt es viele Heumilchbetriebe. Diese schicken ihre Kühe im Sommer auf die Alm. In Deutschland liegt der Anteil der Heumilch bei unter einem Prozent. Die meisten heimischen Heumilchbetriebe befinden sich im Allgäu. (Was macht Heumilch so einzigartig? - Heumilch Deutschland). Die Heumilchproduktion hat sich dort erhalten, wo es traditionell Käsehandwerk gibt.


Letzte Aktualisierung 26.09.2025

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