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Bio für die Region

Bio, regional und saisonal – das ist der Dreiklang für eine nachhaltige und zukunftsfähige Land- und Lebensmittelwirtschaft. Doch welche Voraussetzungen braucht es, damit engagierte Menschen und Betriebe nachhaltig Wertschöpfungsketten für Bio-Produkte aus der Region aufbauen und weiter entwickeln können? Welche erfolgreichen Projekte und Beispiele gibt es schon? Wo finden interessierte Personen Fortbildungs- und Fördermöglichkeiten?
Das Wichtigste in Kürze
Für die Begriffe "regional" beziehungsweise "Region" gibt es keine allgemein anerkannte Definition. Ganz im Gegensatz zu den Begriffen "biologisch" oder "ökologisch", die in Bezug auf Lebensmittel rechtssicher definiert sind. Wer also von regionalen Lebensmitteln oder regionalen Versorgungsstrukturen spricht, kann darunter ganz unterschiedliche Dinge verstehen.
Deshalb empfiehlt es sich nachzufragen: Was ist hier mit regional gemeint? In der Praxis wird oft eine geografische Entfernung als Regionalkonzept verwendet, also beispielsweise aus einem bestimmten Umkreis gemessen in Kilometern. Oder das Lebensmittel stammt aus einem politisch-administrativen Raum, also beispielsweise aus dem Bundesland XY. Das heißt jedoch nicht, dass bei einem verarbeiteten Produkt alle Zutaten aus dieser Region stammen müssen. Der Begriff "Regionalität" bedarf deshalb einer Verständigung darüber, was damit gemeint ist.
Bioregionale Wertschöpfungsketten verbinden die ökologische Landwirtschaft mit regionalen Wirtschafts- und Verarbeitungsstrukturen. Im idealen Fall konsumieren Personen aus der gleichen Region die nach ökologischen Standards produzierten Lebensmittel. Sei es in privaten Haushalten oder in der Außer-Haus-Verpflegung. Nachvollziehbare Lieferketten machen die Herkunft der Lebensmittel transparent und die Bio-Zertifizierung sichert einen hohen Qualitätsstandard. Die Wertschöpfung in der Region ist im idealen Fall eng verknüpft mit der Wertschätzung für die Lebensmittel und die Personen beziehungsweise Betriebe, die sie herstellen.
Eine aktuelle Stellungnahme des Begleitausschusses der Biostrategie 2030 beim Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) zeigt auf Basis wissenschaftlicher Studien, warum die Kombination aus Bio und Regionalität die meisten Mehrwerte bietet.
Beim Aufbau und der Stärkung bioregionaler Wertschöpfungsketten müssen alle für ein Produkt relevanten Akteurinnen und Akteure auf verschiedenen Stufen der Kette miteinander kooperieren:
- aus der Produktion,
- aus der Verarbeitung beziehungsweise Vorverarbeitung und
- aus der Vermarktung.
Aufgrund dieser vertikalen Kooperationen hat sich der Begriff "Wertschöpfungskette" etabliert.
In der Praxis sind jedoch nicht nur diese vertikalen Kooperationen wichtig für den Erfolg. Auch horizontale Kooperationen zwischen Akteurinnen und Akteuren auf der gleichen Stufe können dafür entscheidend sein. Also beispielsweise, wenn Produktionsbetriebe zusammenarbeiten, um Angebote in der Breite zu komplettieren, die Mengen verlässlich zu garantieren oder die Logistik zu optimieren. Auch am Ende der Kette können horizontale Kooperationen sinnvoll sein, um beispielsweise die Nachfrage zu bündeln. Das kann für die Lieferbetriebe attraktivere Absatzmengen schaffen. In solchen Fällen stößt das Bild der Wertschöpfungskette an seine Grenzen. Es bietet sich an, in diesem Zusammenhang von Wertschöpfungsverbünden zu sprechen.
Bioregionale Wertschöpfungsketten brauchen ein lückenloses Zusammenspiel von Betrieben der Produktion, der (Vor-)Verarbeitung, von Handel und Logistik sowie der Vermarktung. Damit eine Wertschöpfungskette in Gang kommt, müssen alle Elemente gleichzeitig vorhanden sein, die für ein Produkt notwendig sind. Das macht den stufenweisen Aufbau zeitlich nacheinander fast unmöglich. Wertschöpfungsketten basieren auf einem starken Netzwerk aus Personen und Betrieben, die ihre Zusammenarbeit auf Vertrauen und Verlässlichkeit aufbauen. Aber alles funktioniert nur dann, wenn es eine leistungsfähige Logistik sowie eine verlässliche und mengenmäßig relevante Nachfrage gibt. Diese kann von Seiten der Verbraucherinnen und Verbraucher kommen oder beispielsweise von Küchen der Gemeinschaftsverpflegung oder von Betrieben der Lebensmittelverarbeitung.
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Welche Voraussetzungen brauchen bioregionale Wertschöpfungsketten?
Speziell für den Absatz bioregionaler Produkte in Küchen der Gemeinschaftsverpflegung wurde im Projekt "BioRegioKantine" ein Zahnradmodell weiter ausgearbeitet, das die Zusammenhänge illustrieren soll. Denn Träger von Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung können wertvolle Impulse für den Aufbau bioregionaler Wertschöpfungsketten geben, wenn sie in Vergabeverfahren für die Verpflegung bestimmte Kriterien definieren. Wenn man diese Vergabestellen und politische Gremien – wie Stadt- und Gemeinderäte – noch mit in den Blick nimmt, bietet sich dieses Modell an, um die Funktionsweise von Wertschöpfungsketten deutlich zu machen.
Die wichtigsten Botschaften dazu:
- Auf allen Stufen der Kette müssen relevante Akteurinnen und Akteure der Region einbezogen werden. Wenn ein Zahnrad fehlt oder blockiert, funktioniert das ganze Getriebe nicht. Das heißt: Alle relevanten Voraussetzungen müssen gleichzeitig erfüllt sein. Ein stufenweiser Aufbau von Wertschöpfungsketten ist schwer möglich.
- Vertrauen und Verbindlichkeit sind das entscheidende Fundament für erfolgreiche Kooperationen, von denen alle profitieren. Dafür braucht es gute Kommunikation und Vernetzung.
- Wenn alle Glieder der Wertschöpfungskette "in den Startlöchern stehen", muss das Augenmerk auf der Mobilisierung der Nachfrage liegen. Denn der Antrieb für die Bewegung im Zahnrad kommt von der Nachfrageseite – nicht vom Angebot.
- In der Praxis entsteht das alles natürlich in einem iterativen Prozess. Es ist hilfreich, wenn es dafür Personen, Betriebe oder Institutionen gibt, die solche Aufbauprozesse koordinieren. Beispielsweise das Regionalmanagement von Öko-Modellregionen oder Bio-Musterregionen aber auch Kommunen oder engagierte Betriebe können diese Rolle übernehmen.
Welche Mehrwerte bringen bioregionale Wertschöpfungsketten?
Dem Aufbau und der Stärkung bioregionaler Wertschöpfungsketten wird eine ganze Reihe ökologischer, sozialer und ökonomischer Vorteile zugeschrieben:
- mehr Biodiversität,
- mehr Bodenfruchtbarkeit,
- mehr Gewässerschutz,
- bessere Klimaanpassung,
- mehr Klimaschutz,
- mehr Ressourceneffizienz,
- höhere Standards in der Tierhaltung,
- kurze Transportwege,
- regionale Wertschöpfung im immateriellen Sinne,
- Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen,
- höhere Transparenz in Bezug auf die Herkunft und Qualität und
- höhere Resilienz.
Allerdings gibt es im wirtschaftlichen Bereich auch Zielkonflikte. Höhere Qualitätsstandards und regionale Versorgungsstrukturen können höhere Preise für die Lebensmittel zur Folge haben. Davon profitieren einerseits die Betriebe in der Landwirtschaft und Verarbeitung vor Ort; andererseits kann dies für Verbraucherinnen und Verbraucher auch höhere Ausgaben für Lebensmittel bedeuten.
Diese Effekte basieren allerdings auf einem Versagen des Marktes, weil externe Kosten bei der Lebensmittelproduktion nicht in den Preisen enthalten sind. In einer Gesamtbetrachtung spricht deshalb vieles für den Aufbau und die Stärkung bioregionaler Wertschöpfungsketten. Prof. Dr. Christian Herzig, Leiter des Instituts für Betriebslehre der Agrar- und Ernährungswirtschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen, fasst dies so zusammen:
Sie sind eine direkte Investition in unsere natürlichen Ressourcen und die lokale Infrastruktur – und damit in die Ernährungssicherheit von morgen.
Für das Gelingen bioregionaler Wertschöpfungsketten ist es zielführend, wenn es über diese Zusammenhänge ein gemeinsames Verständnis gibt. Hilfreich dafür sind geteilte Wertvorstellungen, die durch kulturelle, traditionelle oder regionalspezifische Besonderheiten gestärkt werden. Auf dieser Grundlage kann Vertrauen zwischen den Marktakteurinnen und -akteuren wachsen – und das ist eine zentrale Voraussetzung. Dafür braucht es auch persönliche Kontakte. Digitale Plattformen allein können das nicht leisten.
Förderung bioregionaler Wertschöpfung durch das Bundesprogramm Ökologischer Landbau
Praxisbeispiele für bioregionale Wertschöpfungsketten
Der Aufbau bioregionaler Wertschöpfungsketten ist kein Selbstläufer. Es braucht dafür Netzwerke mit engagierten Menschen und Betrieben, die gemeinsame Ziele verfolgen. Hier stellen wir eine Auswahl von Projekten vor, die den Aufbau und die Stärkung regionaler Bio-Wertschöpfungsketten anstreben. Im Fokus stehen dabei Vorhaben mit einer Förderung durch das Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL).
Projekte zum Aufbau von Wertschöpfungsketten
Grundlagen der Förderung sind die
- Richtlinie zur Förderung von Bio-Wertschöpfungsketten (RIWERT) sowie die
- Richtlinie zur Förderung von Projekten zur Information von Bürgerinnen und Bürgern über regionale Bio-Wertschöpfungsketten (RIGE)
Darüber hinaus beschäftigen sich verschiedene BÖL geförderte Forschungsprojekte mit diesem Thema.
Initiativen und Maßnahmen
Netzwerk der Bio-Städte
Die im Netzwerk der Bio-Städte zusammengeschlossenen Kommunen verpflichten sich per Ratsbeschluss, die ökologische Landwirtschaft und das Bio-Lebensmittelangebot vor Ort zu fördern. Ein wichtiger Hebel dafür ist die Erhöhung des Bio-Anteils in städtischen Einrichtungen wie Schulen und Kitas. Bisher haben sich in Deutschland 33 Kommunen im Netzwerk der deutschen Bio-Städte, -Gemeinden und -Landkreise zusammengeschlossen. Im Vordergrund stehen Erfahrungsaustausch, gemeinsame Projekte, die Akquise von Fördermitteln und öffentlichkeitswirksame Aktionen.
Neben den Bio-Städten gibt es auch Bio-Regionen: Das können Zusammenschlüsse von Stadt und Landkreis, mehreren Kommunen, aber auch einzelne Landkreise sein.
Bio Komm' mit: Kommune machen sich stark für Bio
"Bio Komm' mit" bietet vielfältige Unterstützungen für Kommunen, die sich mit dem Thema Bio befassen oder zukünftig befassen möchten. Die Maßnahme zeigt Kommunen, welche Chancen sich durch das Engagement für Bio eröffnen und welche Handlungsmöglichkeiten sie haben.
Ein Fazit der Erfahrungen aus “Bio Komm' mit” ist: Die Förderung der ökologischen und regionalen Land- und Ernährungswirtschaft ist für Kommunen weit mehr als ein vermeintlicher Zusatz oder eine freiwillige Aufgabe. Es kann ein wichtiger Beitrag sein, um aktuelle kommunale Herausforderungen zu lösen.
"Bio Komm' mit" gibt den Verantwortlichen für ihre Arbeit das nötige Wissen an die Hand, unterstützt sie mit Werkzeugen und zeigt Best-Practice-Beispiele aus Kommunen, die bereits aktiv mit dem Thema Bio arbeiten.
Das Bundesprogramm Ländliche Entwicklung und Regionale Wertschöpfung

Mit dem Bundesprogramm Ländliche Entwicklung und Regionale Wertschöpfung (BULEplus) unterstützt das BMLEH die Erprobung und den Transfer modellhafter, innovativer Lösungsansätze für die Herausforderungen ländlicher Räume. Im Rahmen der BULEplus-Maßnahme "Land.Heimat.Innovativ" sollen innovative Projektideen unterstützt werden, die dazu beitragen, ländliche Regionen als attraktive Heimat mit Zukunftsperspektive zu erhalten. Die Schwerpunkte reichen von regionaler Wertschöpfung über Digitalisierung, Kultur, Bildung und Mobilität bis hin zur Stärkung von Ehrenamt, Zusammenhalt, regionaler Wirtschaft und Daseinsvorsorge.
Heimat in der Region – die Heimatagenda des BMLEH
Wertschöpfung ist ein in den Wirtschaftswissenschaften etablierter Begriff, der sich vor allem auf die quantitativen, primär finanziell messbaren Werte von Unternehmen bezieht. So lassen sich Differenzen zwischen Produktionswert und eingesetzten Vorleistungen errechnen.
Man kann den Begriff jedoch auch in einem weiteren Sinne verstehen. Dann umfasst Wertschöpfung nicht nur materielle, sondern auch immaterielle und gemeinwohlorientierte Werte, wie immaterielles Kulturerbe oder die Lebensqualität vor Ort. In diesem Sinne hat das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) eine Heimat-Agenda für die deutsche Heimat- und Regionalpolitik erstellt.
Unter dem Leitbild "Miteinander ist es Heimat" zielt sie darauf ab, den Zusammenhalt vor Ort zu stärken, regionale Wirtschaftskreisläufe zu fördern und Bürgerinnen und Bürgern mehr Gestaltungsfreiräume zu geben.
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Letzte Aktualisierung 23.09.2026

















