Bio für die Region

Bio, regional und saisonal – das ist der Dreiklang für eine nachhaltige und zukunftsfähige Land- und Lebensmittelwirtschaft. Doch welche Voraussetzungen braucht es, damit engagierte Menschen und Betriebe nachhaltig Wertschöpfungsketten für Bio-Produkte aus der Region aufbauen und weiter entwickeln können? Welche erfolgreichen Projekte und Beispiele gibt es schon? Wo finden interessierte Personen Fortbildungs- und Fördermöglichkeiten?

Das Wichtigste in Kürze

Welche Voraussetzungen brauchen bioregionale Wertschöpfungsketten?

Speziell für den Absatz bioregionaler Produkte in Küchen der Gemeinschaftsverpflegung wurde im Projekt "BioRegioKantine" ein Zahnradmodell weiter ausgearbeitet, das die Zusammenhänge illustrieren soll. Denn Träger von Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung können wertvolle Impulse für den Aufbau bioregionaler Wertschöpfungsketten geben, wenn sie in Vergabeverfahren für die Verpflegung bestimmte Kriterien definieren. Wenn man diese Vergabestellen und politische Gremien – wie Stadt- und Gemeinderäte – noch mit in den Blick nimmt, bietet sich dieses Modell an, um die Funktionsweise von Wertschöpfungsketten deutlich zu machen.

Die wichtigsten Botschaften dazu:

  • Auf allen Stufen der Kette müssen relevante Akteurinnen und Akteure der Region einbezogen werden. Wenn ein Zahnrad fehlt oder blockiert, funktioniert das ganze Getriebe nicht. Das heißt: Alle relevanten Voraussetzungen müssen gleichzeitig erfüllt sein. Ein stufenweiser Aufbau von Wertschöpfungsketten ist schwer möglich.
  • Vertrauen und Verbindlichkeit sind das entscheidende Fundament für erfolgreiche Kooperationen, von denen alle profitieren. Dafür braucht es gute Kommunikation und Vernetzung.
  • Wenn alle Glieder der Wertschöpfungskette "in den Startlöchern stehen", muss das Augenmerk auf der Mobilisierung der Nachfrage liegen. Denn der Antrieb für die Bewegung im Zahnrad kommt von der Nachfrageseite – nicht vom Angebot.
  • In der Praxis entsteht das alles natürlich in einem iterativen Prozess. Es ist hilfreich, wenn es dafür Personen, Betriebe oder Institutionen gibt, die solche Aufbauprozesse koordinieren. Beispielsweise das Regionalmanagement von Öko-Modellregionen oder Bio-Musterregionen aber auch Kommunen oder engagierte Betriebe können diese Rolle übernehmen.

Welche Mehrwerte bringen bioregionale Wertschöpfungsketten?

Dem Aufbau und der Stärkung bioregionaler Wertschöpfungsketten wird eine ganze Reihe ökologischer, sozialer und ökonomischer Vorteile zugeschrieben:

Allerdings gibt es im wirtschaftlichen Bereich auch Zielkonflikte. Höhere Qualitätsstandards und regionale Versorgungsstrukturen können höhere Preise für die Lebensmittel zur Folge haben. Davon profitieren einerseits die Betriebe in der Landwirtschaft und Verarbeitung vor Ort; andererseits kann dies für Verbraucherinnen und Verbraucher auch höhere Ausgaben für Lebensmittel bedeuten. 

Diese Effekte basieren allerdings auf einem Versagen des Marktes, weil externe Kosten bei der Lebensmittelproduktion nicht in den Preisen enthalten sind. In einer Gesamtbetrachtung spricht deshalb vieles für den Aufbau und die Stärkung bioregionaler Wertschöpfungsketten. Prof. Dr. Christian Herzig, Leiter des Instituts für Betriebslehre der Agrar- und Ernährungswirtschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen, fasst dies so zusammen:

Sie sind eine direkte Investition in unsere natürlichen Ressourcen und die lokale Infrastruktur – und damit in die Ernährungssicherheit von morgen.

Für das Gelingen bioregionaler Wertschöpfungsketten ist es zielführend, wenn es über diese Zusammenhänge ein gemeinsames Verständnis gibt. Hilfreich dafür sind geteilte Wertvorstellungen, die durch kulturelle, traditionelle oder regionalspezifische Besonderheiten gestärkt werden. Auf dieser Grundlage kann Vertrauen zwischen den Marktakteurinnen und -akteuren wachsen – und das ist eine zentrale Voraussetzung. Dafür braucht es auch persönliche Kontakte. Digitale Plattformen allein können das nicht leisten.

Förderung bioregionaler Wertschöpfung durch das Bundesprogramm Ökologischer Landbau

Praxisbeispiele für bioregionale Wertschöpfungsketten

Der Aufbau bioregionaler Wertschöpfungsketten ist kein Selbstläufer. Es braucht dafür Netzwerke mit engagierten Menschen und Betrieben, die gemeinsame Ziele verfolgen. Hier stellen wir eine Auswahl von Projekten vor, die den Aufbau und die Stärkung regionaler Bio-Wertschöpfungsketten anstreben. Im Fokus stehen dabei Vorhaben mit einer Förderung durch das Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL).

Initiativen und Maßnahmen

Netzwerk der Bio-Städte

Die im Netzwerk der Bio-Städte zusammengeschlossenen Kommunen verpflichten sich per Ratsbeschluss, die ökologische Landwirtschaft und das Bio-Lebensmittelangebot vor Ort zu fördern. Ein wichtiger Hebel dafür ist die Erhöhung des Bio-Anteils in städtischen Einrichtungen wie Schulen und Kitas. Bisher haben sich in Deutschland 33 Kommunen im Netzwerk der deutschen Bio-Städte, -Gemeinden und -Landkreise zusammengeschlossen. Im Vordergrund stehen Erfahrungsaustausch, gemeinsame Projekte, die Akquise von Fördermitteln und öffentlichkeitswirksame Aktionen.

Neben den Bio-Städten gibt es auch Bio-Regionen: Das können Zusammenschlüsse von Stadt und Landkreis, mehreren Kommunen, aber auch einzelne Landkreise sein.

Bio Komm' mit: Kommune machen sich stark für Bio

"Bio Komm' mit" bietet vielfältige Unterstützungen für Kommunen, die sich mit dem Thema Bio befassen oder zukünftig befassen möchten. Die Maßnahme zeigt Kommunen, welche Chancen sich durch das Engagement für Bio eröffnen und welche Handlungsmöglichkeiten sie haben. 

Ein Fazit der Erfahrungen aus “Bio Komm' mit” ist: Die Förderung der ökologischen und regionalen Land- und Ernährungswirtschaft ist für Kommunen weit mehr als ein vermeintlicher Zusatz oder eine freiwillige Aufgabe. Es kann ein wichtiger Beitrag sein, um aktuelle kommunale Herausforderungen zu lösen.

"Bio Komm' mit" gibt den Verantwortlichen für ihre Arbeit das nötige Wissen an die Hand, unterstützt sie mit Werkzeugen und zeigt Best-Practice-Beispiele aus Kommunen, die bereits aktiv mit dem Thema Bio arbeiten.

Das Bundesprogramm Ländliche Entwicklung und Regionale Wertschöpfung

Mit dem Bundesprogramm Ländliche Entwicklung und Regionale Wertschöpfung (BULEplus) unterstützt das BMLEH die Erprobung und den Transfer modellhafter, innovativer Lösungsansätze für die Herausforderungen ländlicher Räume. Im Rahmen der BULEplus-Maßnahme "Land.Heimat.Innovativ" sollen innovative Projektideen unterstützt werden, die dazu beitragen, ländliche Regionen als attraktive Heimat mit Zukunftsperspektive zu erhalten. Die Schwerpunkte reichen von regionaler Wertschöpfung über Digitalisierung, Kultur, Bildung und Mobilität bis hin zur Stärkung von Ehrenamt, Zusammenhalt, regionaler Wirtschaft und Daseinsvorsorge.

Heimat in der Region – die Heimatagenda des BMLEH

Wertschöpfung ist ein in den Wirtschaftswissenschaften etablierter Begriff, der sich vor allem auf die quantitativen, primär finanziell messbaren Werte von Unternehmen bezieht. So lassen sich Differenzen zwischen Produktionswert und eingesetzten Vorleistungen errechnen.

Man kann den Begriff jedoch auch in einem weiteren Sinne verstehen. Dann umfasst Wertschöpfung nicht nur materielle, sondern auch immaterielle und gemeinwohlorientierte Werte, wie immaterielles Kulturerbe oder die Lebensqualität vor Ort. In diesem Sinne hat das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) eine Heimat-Agenda für die deutsche Heimat- und Regionalpolitik erstellt.

Unter dem Leitbild "Miteinander ist es Heimat" zielt sie darauf ab, den Zusammenhalt vor Ort zu stärken, regionale Wirtschaftskreisläufe zu fördern und Bürgerinnen und Bürgern mehr Gestaltungsfreiräume zu geben.


Letzte Aktualisierung 23.09.2026

Autor: Andreas Greiner

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