Umwelt und Gesellschaft

Landwirtinnen und Landwirte versorgen uns täglich mit Nahrungsmitteln und bilden damit eine wichtige Grundlage unserer Gesellschaft. Gleichzeitig beeinflusst die Art und Weise der Landbewirtschaftung unsere Umwelt und führt zu weitreichenden Veränderungen – im Positiven wie im Negativen. Deshalb geht es uns alle etwas an, wie wir unsere Ernährung und Landwirtschaft in Zukunft gestalten.

Dazu gehört es auch, das Thema Tierwohl mitzudenken. Konsumentinnen und Konsumenten legen immer mehr Wert auf gesunde und tierfreundlich produzierte Lebensmittel. Bio-Betriebe können diesen Anforderungen gerecht werden, denn im Ökolandbau gelten strenge Standards für die Haltung von Tieren, die über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen. Die Branche kann so aktiv zu Verbesserung des Tierwohls beitragen. 

Der ökologische Landbau schützt nachweislich unser Wasser, das Klima und fördert die Artenvielfalt. Diese Leistungen kommen uns allen zugute. Doch was genau sind diese Umweltleistungen? Und wie können sie honoriert werden?

Eine adäquate Honorierung durch die Gesellschaft ist ein wichtiger Punkt, aber auch die Förderung des Ökolandbaus ist in diesem Zusammenhang von großer Bedeutung. Zahlreiche Förderstrategien haben es sich daher zum Ziel gesetzt, den Bio-Sektor und seine Vorteile zu stärken.

Neben den Zielen und Maßnahmen der Bio-Strategie 2030 spielen auch Themen wie Digitalisierung, Green Claims oder Verpackungsmüll für Bio-Unternehmen eine wichtige Rolle. Vor allem Nachhaltigkeit rückt immer mehr in das Bewusstsein vieler Menschen. In diesem Zusammenhang ist auch der Aufbau fairer Bio-Lieferketten von Bedeutung.


Was leistet der Ökolandbau für die Gesellschaft?

Wie werden die Leistungen des Ökolandbaus honoriert?

Aktuelle Lebensmittelpreise berücksichtigen nicht die wahren Kosten eines Produkts. Insbesondere die externen Kosten für Umwelt und Gesellschaft, die bei der Produktion eines Lebensmittels entstehen, spiegeln sich im Preis nicht wider. True Cost Accounting (TCA) und Sustainable Performance Accounting (SPA) bieten Ansätze, diese Kosten und Gemeinwohlleistungen besser abzubilden.

  • Mit TCA soll honoriert werden, dass die ökologische Landwirtschaft geringere negative Auswirkungen auf Klima, Wasser und Böden hat und zudem die Biodiversität  mehr fördert als die konventionelle Landwirtschaft. Somit sollten konventionelle Produkte teurer sein, um ihre externen Kosten zu decken.
  • SPA hilft Landwirtinnen und Landwirten, ihre sozialen, ökologischen und regional-ökonomischen Leistungen zu quantifizieren und zu monetarisieren, was eine gerechtere Entlohnung ermöglichen soll.

Neben TCA und SPA existieren weitere Modelle, die dazu beitragen sollen, die Umweltleistungen des Ökolandbaus gerechter zu honorieren:

  • Das DVL-Modell mit einer "Gemeinwohlprämie" und das niederländische Öko-Regelungssystem, das handlungsorientierte Indikatoren verwendet.
  • Das BÖLW-Stufenmodell  und das Agroscope-Modell zielen darauf ab, die Agrarförderung an konkrete Nachhaltigkeitsziele zu koppeln und diese in die Praxis umsetzbar zu gestalten.
  • Der UGÖ-Bericht schlägt ein indikatordifferenziertes System der Honorierung vor, das 17 spezifische Umweltindikatoren beinhaltet.

Die Modelle variieren in ihrer Herangehensweise, wobei die Wahl zwischen handlungs- oder ergebnisorientierten Indikatoren eine zentrale Rolle spielt. Die Herausforderung liegt darin, ein politisch tragbares und praktisch umsetzbares System zu entwickeln, das auch den administrativen Aufwand für Landwirtinnen und Landwirte minimiert.

Tierwohl in der ökologischen Landwirtschaft

Mehr Platz, Auslauf und artgerechte Fütterung – Bio steht für mehr Tierwohl. Doch reicht das? Studien zeigen: Trotz besserer Haltungsbedingungen gibt es auch im Ökolandbau noch Schwachstellen, etwa bei der Tiergesundheit. Neue Konzepte sollen helfen, das Wohl der Tiere weiter zu verbessern.

Faire Bio-Lieferketten

Immer mehr Bio-Produkte wie Kaffee oder Schokolade tragen ein Fairtrade-Siegel. Doch längst nicht alle fair gehandelten Produkte sind auch gleichzeitig Bio. Während der Ökolandbau auf ressourcenschonende Anbaumethoden setzt, sorgt fairer Handel für gerechtere Arbeitsbedingungen und angemessene Preise für kleinbäuerliche Familien. Gemeinsam schaffen sie eine Zukunft, die sowohl die Umwelt schont als auch soziale Gerechtigkeit fördert.

Ernährung und Landwirtschaft – die Zukunft is(s)t ökologisch?

Zukunftsfähige Ernährungsweisen setzen auf mehr pflanzliche Lebensmittel, weniger tierische Produkte und eine stärker ökologisch ausgerichtete Landwirtschaft. Die Planetary Health Diet ist ein Beispiel dafür, wie gesunde Ernährung und Klimaschutz zusammengehen können. Gleichzeitig rückt auch die Ernährungsdemokratie in den Fokus: Verbraucherinnen und Verbraucher wollen nicht nur konsumieren, sondern aktiv mitgestalten – etwa über Ernährungsräte, solidarische Landwirtschaft oder Mitmach-Supermärkte. Genauso wichtig ist in diesem Zusammenhang das Ziel, Lebensmittelverschwendung zu vermeiden. Denn auch sie hat ihren Anteil an unseren Treibhausgasemissionen. Zahlreiche Initiativen wie Foodsharing, Apps oder auch Unternehmen haben es sich daher zum Ziel gemacht, überschüssige Lebensmittel zu retten und sinnvoll zu nutzen.

Förderrichtlinien im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau

Das Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) ist ein wesentlicher Baustein des Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) zur Unterstützung der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft. Das Ziel des Bundeslandwirtschaftsministeriums ist es, die Rahmenbedingungen für den ökologischen Landbau zu verbessern und den Grundstein für eine weitere Ausdehnung zu legen.

Infos zu den Förderrichtlinien

Bio-Branche im Fokus

Die Themen, die die Bio-Landwirtschaft beschäftigen, sind genauso vielfältig wie die Gesellschaft selbst. Nicht nur die Gleichberechtigung und die Rolle der Frau spielen im Ökolandbau eine wichtige Rolle, sondern auch der Öko-Nachwuchs, der sich zum Beispiel im "Bündnis JöLL (Junge ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft)" zusammengefunden hat, um sich zu engagieren. Was aber, wenn die Nachfolgegenerationen der Branche den Rücken kehren und den Betrieb nicht übernehmen wollen? Wie schafft man es, das Land in ökologischer Hand zu halten? Die Stiftung "Aktion Kulturland" oder auch zahlreiche Bürgerbündnisse setzen sich gezielt für eine nachhaltige Landvergabe ein. Auch ein Blick in das EU-Ausland und auf die weltweiten Entwicklungen kann Inspiration bieten, wie Ökolandbau in anderen Ländern funktioniert.


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