Kirschessigfliege (Drosophila suzukii)

Kirschessigfliege ÔÇô Sch├Ądling im Obst- und Weinbau

Drosophila suzukii (Matsumura), Familie: Taufliegen

Kirschessigfliege: Erkennen und bestimmen

Die adulten Fliegen sind zwei bis drei Millimeter lang, haben rote Augen und einen braun-gelblichen K├Ârper. Das Weibchen besitzt einen scharf gez├Ąhnten Legeapparat, mit dem sie die Fruchtschale anritzt, um ihre Eier in der Frucht abzulegen. Die M├Ąnnchen der Kirschessigfliege haben einen dunklen Fleck nahe der Fl├╝gelenden.

Die Larven sind typische wei├če Fliegenmaden ohne Kopf oder Beine. Sie werden etwa drei Millimeter lang und lassen sich optisch nicht von anderen Fruchtfliegenarten unterscheiden.

An befallenen Fr├╝chten sind sehr kleine Anstechl├Âcher erkennbar. Die Fr├╝chte werden weich und verfaulen durch Sekund├Ąrinfektionen zum Beispiel durch Grauschimmel.

├ähnliche Sch├Ądlinge

Mit ihrer K├Ârperf├Ąrbung ├Ąhneln Kirschessigfliegen stark den in Europa heimischen Essigfliegen, vor allem der Schwarzb├Ąuchigen TaufliegeDrosophila melanogaster. Diese k├Ânnen ihre Eier jedoch nur in ├╝berreife, faulende Fr├╝chte ablegen. Ein deutliches Unterscheidungsmerkmal ist der dunkle Fl├╝gelfleck der Kirschessigfliegen-M├Ąnnchen.

Hohes Schadpotenzial an vielen Obstkulturen

Die aus S├╝dostasien stammende Kirschessigfliege trat als Sch├Ądling in Deutschland erstmals 2011 in Erscheinung. Innerhalb von drei Jahren konnte sich der invasive Sch├Ądling ├╝ber ganz Deutschland ausbreiten.

Die extrem schnelle Ausbreitung der Kirschessigfliege ist unter anderem darauf zur├╝ckzuf├╝hren, dass dieser Sch├Ądling in der Wahl der Wirtspflanze wenig w├Ąhlerisch ist: Drosphila suzukii bef├Ąllt die meisten weichschaligen Obstarten und rote Traubensorten, insbesondere Kirschen und Beeren. Sp├Ąt reifende Arten und Sorten sind wegen der starken Vermehrung w├Ąhrend des Sommers besonders gef├Ąhrdet. Bei Weintrauben sind die dunklen Sorten mit d├╝nner Haut und kompakter Traubenstruktur besonders anf├Ąllig. Dar├╝ber hinaus bef├Ąllt die Kirschessigfliege aber auch wildwachsende, beerentragende Pflanzen. ├äpfel und Birnen k├Ânnen nur bei bereits gesch├Ądigter Fruchtschale befallen werden.

Die Kirschessigfliege kann immensen Schaden anrichten. Die Larven entwickeln sich in der Frucht und ern├Ąhren sich vom Fruchtfleisch. Befallene Fr├╝chte werden dadurch schnell weich und matschig. Durch die beim Anstechen der Frucht entstehenden L├Âcher kann es zudem zu Sekund├Ąrinfektionen kommen. Im Anbau von Beerenobst und S├╝├čkirschen in Frankreich, Italien und Spanien sind in Jahren mit hohem Befall teilweise 80 bis 90 Prozent der Fr├╝chte besch├Ądigt worden und auch Totalausf├Ąlle aufgetreten. 2014 verursachte die Kirschessigfliege in Deutschland Verluste in Millionenh├Âhe im Beeren-, Steinobst- und Weinanbau. Aufgrund von Befallsbeobachtungen ├╝ber mehrere Jahre wurde die Kirschessigfliege mittlerweile als weniger sch├Ądlich im Weinbau eingestuft als ihre einheimische Verwandte, die Schwarzb├Ąuchige Taufliege Drosophila melanogaster.

Biologie und Verbreitung

Die adulten Tiere der Kirschessigfliege ├╝berwintern in gesch├╝tzten Verstecken an immergr├╝nen Pflanzen in Hecken und W├Ąldern. Sie werden bei Temperaturen zwischen 5 und 10 Grad Celsius wieder aktiv. Bei beginnender Reife der Fr├╝chte ÔÇô erkennbar am Farbumschlag ÔÇô wandern die Fliegen in die Kulturen ein und beginnen mit der Eiablage. Die Weibchen der Kirschessigfliege besitzen einen kr├Ąftigen, gezahnten Legeapparat, mit dem sie gesunde Fr├╝chte anstechen und mit Eiern belegen k├Ânnen. Ein Weibchen kann 300 bis 600 Eier legen, meist mehrere Eier pro Frucht. Die Larven entwickeln und verpuppen sich sp├Ąter innerhalb der Frucht, in Ausnahmen ist die Verpuppung auch au├čerhalb der Frucht m├Âglich. Die Fliege bildet Winter- und Sommerformen aus, die sich in ihrer Biologie leicht unterscheiden. Die etwas dunkleren Winterformen mit ihren gr├Â├čeren Fl├╝geln sind k├Ąltetolerant und k├Ânnen einige Stunden bei bis zu -10 Grad Celsius ├╝berstehen.

Die Fliegen k├Ânnen sich in einem Radius von etwa 125 Metern fliegend verbreiten, das Hauptproblem eines hohen Befalls ist eher in der best├Ąndigen Vermehrung innerhalb der Obstanlage als im Zuflug zu sehen. Bei Dauertemperaturen um 25 Grad Celsius dauert ein Generationszyklus nur zehn Tage. Bei feuchter und m├Ą├čig warmer Sommerwitterung kann es daher zu einem sehr raschen Populationsaufbau kommen. In Deutschland geht man von f├╝nf bis acht Generationen pro Jahr aus. Die Fliegen k├Ânnen zwischen drei und neun Wochen leben, sodass es zu starken ├ťberlappungen der verschiedenen Generationen kommen kann. Bei hei├čem Wetter ab 26 Grad Celsius sterben viele Eier und Larven in den Fr├╝chten ab, die bei direkter Sonnebestrahlung sehr hohe Temperaturen im Inneren entwickeln k├Ânnen.

In Deutschland werden Kirschessigfliegen nur in geringem Umfang durch spezialisierte parasitoide Wespen befallen. Daneben spielen generalistische R├Ąuber wie Florfliegenlarven und Ohrw├╝rmer eine Rolle als nat├╝rliche gegenspieler der Kirschessigfliege.

Risikopotential und Befallsfeststellung

Folgende geeignete Methoden zur Befalls├╝berwachung beschreibt das FiBL detailliert auf einer Infoseite.

Flug├╝berwachung mit Fl├╝ssigk├Âderfallen

  • mit verd├╝nntem Apfelessig
  • Kaufen oder selbst bauen und mit verd├╝nntem Apfelessig k├Âdern; eine Bauanleitung des JKI kann auf dem JKI-Wissensportal herunter geladen werden.
  • Die gefangenen Fliegen m├╝ssen auf den schwarzen Fl├╝gelfleck der M├Ąnnchen hin kontrolliert werden, um zu ermitteln ob es sich um einheimische Fruchtfliegen oder die invasiven Kirschessigfliegen handelt.
  • rechtzeitig vor Farbumschlag der Fr├╝chte aufh├Ąngen und  w├Âchentlich kontrollieren
  • Die Wirkung der unspezifischen Fl├╝ssigk├Âderl├Âsung l├Ąsst mit zunehmender Reife der Fr├╝chte nach!

Fr├╝chte auf Larvenbefall untersuchen

  • erg├Ąnzend zu den Fl├╝ssigk├Âderfallen 50 Fr├╝chte pfl├╝cken
  • Glattschalige Fr├╝chte mit der Lupe auf Einstichstellen untersuchen
  • Andere Fr├╝chte einige Stunden einfrieren oder einen Tag bei Zimmertemperatur aufbewahren und anschlie├čend in Seifenwasser tauchen, um die Larven heraus zu locken.
  • Um die Art sicher zuzuordnen m├╝ssen die Fr├╝chte f├╝r zwei Wochen bei Zimmertemperatur aufbewahrt werden, und die schl├╝pfenden Fliegen auf FL├╝gelflecken hin kontrolliert werden.

In einem laufenden Forschungsprojekt wird ein Prognosemodell namens SIMKEF entwickelt, welches zuk├╝nftig das schlagspezifische Befallsrisiko und den erwarteten Befallstermin vorhersagen soll und unter www.isip.de ver├Âffentlicht werden soll.

Regulierungsstrategien: Was hilft gegen die Kirschessigfliege?

Die eine, optimale L├Âsung zur Regulierung der Kirschessigfliege gibt es nicht. Nur ein B├╝ndel verschiedener Ma├čnahmen kann zum Erfolg f├╝hren. Die hier gelisteten Ma├čnahmen sind ausf├╝hrlich in einem Merkblatt des FiBL beschrieben.

Vorbeugung: von Hygiene bis Sortenwahl

Die bisherigen Erfahrungen im ├Âkologischen Obst- und Weinanbau haben gezeigt, dass der Befallsdruck durch konsequente Hygiene und Bestandspflege erfolgreich reduziert werden kann.

  • Trockenheit vertr├Ągt die Kirschessigfliege sehr schlecht. Sehr wirksam in allen Kulturen sind daher alle Ma├čnahmen, die auf ein trockenes Bestandsklima abzielen, wie h├Ąufiges Mulchen von Unterwuchs, Anpassung der Bew├Ąsserungsintensit├Ąt, Entbl├Ątterung der Traubenzone an Reben oder Schnittma├čnahmen zur Durchl├╝ftung.
  • Reife Beeren und Kirschen m├Âglichst fr├╝hzeitig, z├╝gig und vollst├Ąndig abernten, damit keine ├╝berreifen Fr├╝chte als Vermehrungsort in der Anlage verbleiben. Heidelbeeren und Himbeeren h├Ąufig durchernten.
  • Nicht verwertbare oder ├╝berreife Fr├╝chte aus der Anlage entfernen und vernichten.  Kompostieren reicht nicht aus! Sicherste Methode ist die Solarisation: Befallene Fr├╝chte werden 10 bis 15 Tage in einem Plastikbeutel in die Sonne gelegt, anschlie├čend k├Ânnen Fr├╝chte kompostiert werden.
  • Am Boden liegende Weintrauben nach Behangregulierung mulchen; frischen Trester nicht in ungelesene Rebparzellen ausbringen.
  • Geerntete Fr├╝chte  bei Temperaturen um zwei Grad Celsius lagern, diese t├Âten viele Larven ab
  • Geerntete Fr├╝chte gek├╝hlt lagern, z├╝gig liefern oder schnell verarbeiten.
  • Pilzbefall und Platzrisse in Weinreben vermeiden, diese k├Ânnen die Eiablage der Kirschessigfliege und der verwandten Schwarzb├Ąuchigen Taufliege beg├╝nstigen.
  • Anf├Ąllige Weinreben-Sorten langfristig ersetzen. Hierzu z├Ąhlen d├╝nnschalige blaue Trauben mit kompakter Traubenstruktur. Gr├╝ne Trauben werden nicht befallen.

Direkte Bek├Ąmpfung mit Fallen und Netzen


Kulturschutznetze: sehr sicher, aber teuer

  • Einnetzen mit Maschenweiten von maximal 0,8 Millimeter
  • sicherste Methode, beugt Kirschessigfliegen und anderen Sch├Ądlingen wie Schalenwicklern sicher vor und vermeidet Pflanzenschutzbehandlungen
  • Besonders sinnvoll in Kirschen, weniger geeignet f├╝r Weinbeeren wegen h├Ąufiger Erntearbeiten
  • hohe Kosten f├╝r die Netze und erschwerte Erntearbeit
  • Netze nach dem Betreten der Kultur sofort wieder verschlie├čen und regelm├Ą├čig auf Risse und L├Âcher untersuchen!
  • auch innerhalb der eingenetzen Kulturen K├Âderfallen aufh├Ąngen und regelm├Ą├čig kontrollieren
  • Achtung, auch N├╝tzlinge und Best├Ąuber werden ausgeschlossen, so dass insbesondere im Himbeeranbau Befruchtungsprobleme auftreten k├Ânnen und zus├Ątzliche Best├Ąuber unter dem Netz eingesetzt werden m├╝ssen!
  • Detaillierte Informationen zu Netztypen, ihrer Handhabung und Wirksamkeitsuntersuchungen finden Sie auf der Webseite des Demonstrationsnetzwerkes "Einnetzen von Obstkulturen gegen die Kirschessigfliege"

Massenfang mit K├Âderfallen

  • Wirksamkeit wird unterschiedlich beurteilt
  • f├╝r kleinere Fl├Ąchen und bei Beginn des Befallsanstiegs eher geeignet, um fr├╝h gereifte Kulturen herum, um sp├Ątere Sorten vor den von dort abwandernden Tieren zu sch├╝tzen
  • unerl├Ąsslich in Beerenobst, gut wirksam in Zwetschgen und Weinreben, Kirschen werden nur bis zum Reifebeginn gesch├╝tzt
  • Ein Problem im Kirschanbau ist die Attraktivit├Ąt der Lockstoffe, die die Fliegen schwer von vollreifen Fr├╝chten"weglocken" k├Ânnen.
  • Das FiBL gibt auf seiner Infoseite eine Anleitung f├╝r den Massenfang und vergleicht verschiedene Fallentypen.

Zus├Ątzlich befinden sich Lockstofffallen in der Entwicklung, die attraktive K├Âder mit im ├ľkolandbau zul├Ąssigen Insekiziden verbinden sollen.

Direkte Bek├Ąmpfung mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln

Es wurden in der Vergangenheit teilweise Notfallzulassungen f├╝r Pflanzenschutzmittel auf Basis von Spinosad zur Anwendung im Obstbau erteilt.

  • Es gilt eine Notfallzulassung (Zulassungserweiterung)  f├╝r Beerenobst, Holunder, Erbeeren im Gew├Ąchshaus und f├╝r den Weinbau. Die Notfallzulassung in Freiland-Erdbeeren und Steinobst l├Ąuft im Herbst 2018 aus.
  • Achtung, nach den Richtlinien der ├Âkologischen Anbauverb├Ąnde nicht zul├Ąssig!
  • Wegen der Bienengef├Ąhrlichkeit dieses Mittels sollte es nur im Notfall angewendet werden.
  • Aufgrund des sp├Ąten Befalls m├╝ssen die Mittel kurz vor der Ernte ausgebracht werden, wodurch es zu einer R├╝ckstandsproblematik kommen kann und die Wartezeiten von meist drei Tagen schwierig einzuhalten sind.
  • Aufgrund der schnellen Vermehrung der Kirschessigfliege besteht das Risiko einer Resistenzbildung.

Teilweise gute Erfahrungen aus der Schweiz mit L├Âschkalk und Kaolin k├Ânnen wegen fehlender zugelassener Pflanzenschutzmittel nicht auf Deutschland ├╝bertragen werden.

├ťber laufende Forschung zu weiteren Bek├Ąmpfungsm├Âglichkeiten der Kirschessigfliege informiert das Wissensportal des JKI.


Letzte Aktualisierung 18.09.2018

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