Verarbeitung


Bioprodukte vom Automaten

Ein Regiomat im Biosphärenreservat Bliesgau
An einer Entdeckerroute durch das Biosphärenreservat Bliesgau günstig gelegen und jederzeit geöffnet: der "Mini-Hofladen" der Familie Wack
Foto: Ulrike Rippel, Bioland

Hofeigene Produkte fern vom Hof direkt an die Kundinnen und Kunden bringen - und dazu unabhängig von Ladenöffnungszeiten: Diese Erfahrung machen inzwischen einige Biohöfe und -verarbeiter. Möglich wird das durch speziell dafür konzipierte Lebensmittelautomaten. An einer gut frequentierten Stelle aufgestellt und regelmäßig mit frischen Biolebensmitteln befüllt, laden sie vorbeikommende Kundschaft zum Einkauf ein.

Erste Erfahrungen mit dieser Verkaufsform machte zum Beispiel Familie Wack aus Mandelbachtal im Saarland mit einem "Milich Heisje" in der Nähe ihres Hofes. "Die Kasse stimmt immer, der Kontakt zur Gemeinde und ihren Anwohnern hat sich intensiviert", berichtet Jochen Wack. Vor allem die Vielfalt des Angebotes sei aus Sicht von Jochen Wack ein Erfolgskriterium für die Akzeptanz bei der Bevölkerung. Dabei gelte es, den begrenzten Stauraum des Automaten, in diesem Fall das Fabrikat "Regiomat", möglichst wirtschaftlich zu nutzen und das Angebot daraufhin zu prüfen.

Seit Oktober 2013 steht auch in den Filialen der Kreissparkasse Saarpfalz in Gersheim und Bliesmengen-Bolchen jeweils ein Regiomat, den Wack mit Lebensmitteln wie Milch, Quark, Joghurt, Eiern und Wurstwaren befüllt. Neben den Produkten vom eigenen Hof werden auch Milchprodukte der Bliesgaumolkerei angeboten.

Familie Wack erzielt mit ihren Regiomaten je nach Standort und Wochentag Umsätze von 50 bis 150 Euro pro Tag. Drei der Automaten werden zweimal wöchentlich, einer wird täglich beliefert. Circa 10 bis 15 Minuten pro Regiomat zuzüglich An- und Abfahrt muss man für die Bestückung veranschlagen. Die Stromkosten belaufen sich auf 40 bis 45 Euro pro Monat.

Joghurt to go

Befüllung eines Verkaufsautomaten, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Florian Zierer befüllt täglich den Milchautomaten. Die Nähe zum Hof macht es möglich. Foto: Milchhof Zierer

Auch Biolandwirt Gregor Zierer aus Freising in Bayern ist neue Wege in der Vermarktung der hofeigenen Produkte - Fruchtjoghurt, Joghurtdrinks und Milchmischprodukte - gegangen. Seit etwa zwei Jahren vermarktet er seine Milcherzeugnisse auch über einen Milchautomaten, der auf dem Gelände der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf in Freising steht. Inzwischen sind zwei weitere dazugekommen. Die Nachfrage hat sich sehr gut entwickelt, mit den Einnahmen sind die Zierers mehr als zufrieden. Die Automaten befüllt Sohn Florian täglich, sie stehen keine fünf Kilometer vom Hof entfernt.

Gerne würde Familie Zierer auch anderswo Milchautomaten aufstellen. Der richtige Standort sei entscheidend, so Florian Zierer: „Da, wo viel Frequenz ist und es keine Konkurrenz gibt.“ Schwierig sei es vor allem in der Nähe von Kantinen, die verständlicherweise ihre eigenen Produkte verkaufen wollen. Besonders attraktive Standorte für weitere Milchautomaten wären zum Beispiel Produktionsstätten der Autohersteller oder Einkaufscenter mit viel Laufkundschaft.

Die Qual der Wahl: welcher Automat ist der richtige?

Bei der Wahl des Automaten war es den Zierers wichtig, einen Anbieter zu finden, der eine Rundum-Betreuung anbietet. Als entscheidenden Tipp rät der junge Landwirt seinen Kollegen, den Automaten unbedingt mit den eigenen Produkten zu testen und sich vom Hersteller schriftlich zusichern zu lassen, dass der Automat für die jeweiligen Produkte geeignet ist. Die Anschaffungskosten für sein Modell liegen bei rund 6.000 Euro, die Stromkosten bei rund 250 Euro im Jahr.

Etwas teurer, aber immer beliebter sind sogenannte Milchtankstellen, deren Füllstand der Betreiber im Internet verfolgen oder solche, an denen der Kunde selbst Milch zapfen kann, je nach Bedarf in 0,5- oder 1-Liter-Flaschen. Auch Supermärkte stellen immer häufiger solche Automaten vor ihre Türen, um der Nachfrage der Verbraucherinnen und Verbraucher nach regionalen Produkten nachzukommen.


Hubert Redelberger und Marc Albrecht-Seidel: Hofmolkerei: Analysieren, optimieren, planen (2010), ISBN-13: 978-3934239258


Ulrike Rippe, Bioland Rheinland-Pfalz/Saarland, und Nina Weiler, Journalistin aus Karlsruhe

Letzte Aktualisierung: 23.08.2018