Wie ziehe ich Keimlinge und Sprossen zu Hause?

Keimlinge und Sprossen ziehen: Wie gelingt der Bio-Anbau zu Hause?

Keimlinge, Sprossen und Microgreens selbst zu züchten, macht Spaß und gelingt kinderleicht. Außerdem steckt der Pflanzennachwuchs voller Nährstoffe. Selbst angebaut sind Sprossen und Co. ein natürliches und preiswertes Superfood, mit dem wir gut durch den Winter kommen.

Was sind Keimlinge und Sprossen?

Der Unterschied zwischen Keimlingen und Sprossen liegt in ihrem Entwicklungsstadium. Erst kommt der Keimling, quasi das Pflanzenbaby. Dann folgen die Sprossen, die Kleinkinder der Pflanzen. Keimlinge sind die ersten sichtbaren Stadien einer Pflanze nach dem Aufquellen des Samens. Sie bestehen aus der Keimwurzel und dem Keimspross. Sprossen entstehen, wenn der Keimling die ersten Keimblätter entwickelt. Bei manchen Pflanzenarten wie beispielsweise Mungbohnen entfalten sich die Keimblätter jedoch erst spät.

Keimlinge und Sprossen können wir ohne Erde aufziehen: auf feuchtem Küchenpapier oder in einem feuchten Behälter, zum Beispiel einem Sprossenglas. Die Energie zum Keimen liefert der Samen. Je nach Pflanzenart sind die Sprossen nach circa drei bis acht Tagen erntereif. Keimlinge und Sprossen genießen wir mit der Wurzel.

Was ist der Unterschied zwischen Sprossen und Microgreens?

Etwas ältere essbare junge Pflänzchen (Schösslinge) von Gemüse, Kräutern oder Getreide heißen Microgreens. Auf Erde oder einem Vlies ausgesät, wachsen sie in ein bis drei Wochen heran und werden dann unmittelbar über der Wurzel abgeschnitten. Microgreens sind intensiver gefärbt und schmecken konzentrierter als Sprossen. Allerdings sind die Übergänge zwischen Keimlingen, Sprossen und Microgreens fließend. Oft werden diese Wachstumsstadien auch sprachlich in einen Topf geschmissen.

Sind Sprossen gesund? Ein Überblick über die Nährstoffe von Keimlingen und Sprossen

Sprossen und Microgreens enthalten mehr Nährstoffe als ausgewachsenes Gemüse. Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe stecken nicht im Saatkorn, sondern entstehen erst beim Keimen und Wachsen: "Untersuchungen zeigen, dass es in den ersten Tagen nach der Keimung auch zu einer Zunahme an Vitaminen und Mineralstoffen kommt", so die Unabhängige Gesellschaft für Ernährung. Nach 14 Tagen wiesen einige Microgreensorten doppelt so hohe Konzentrationen an Vitamin A (Kresse, Rotkohl) und deutlich höhere an Vitamin C (Basilikum, Rettich), E (Kresse, Rettich) und K (Amaranth, Koriander) auf als ihre älteren Verwandten. Im Vergleich zu Sprossen befindet sich in Microgreens mehr Chlorophyll, da sie bereits mehr Blätter haben.

Einige, allerdings bereits ältere Studien weisen auch gesundheitliche Wirkungen nach: So könnten Microgreens von Rotkohl bei Herz-Kreislauferkrankungen helfen, wie eine Studie zeigt. Das in Brokkoli-Sprossen enthaltende Senföl Sulforaphan soll laut einer weiteren Studie gegen Krebs vorbeugen und bei bestimmten Tumoren günstig wirken. 

Sprossen selbst ziehen – Anleitung für zu Hause

Es gibt vielfältige Möglichkeiten, Keimlinge und Sprossen zu züchten:  

  • Ohne Erde / Substrat ohne Keimglas
  • Ohne Erde / Substrat im Keimglas oder in einer Keimschale mit Gitter
  • mit Erde / Substrat

Frischlinge können erst einmal Kresse auf einem Teller an der Fensterbank ziehen. Wer auf den Sprossengeschmack kommt, ist mit einem Keim- oder Sprossenglas gut bedient. Diese gibt es in vielen Varianten im Handel und lassen sich leicht handhaben. Im Keimglas lassen sich die Sprossen leichter waschen als in Keimschalen und Sprossentürmen. Microgreens wachsen auf Erde, Vlies oder speziellen Substraten heran. Es gibt aber auch praktische Anzuchtsets.

Sprossen ziehen ohne Keimglas

Benötigte Materialien: flacher Teller oder Blumenuntersetzer aus Ton, Küchenpapier oder Wattepads, Sprühflasche und eventuell Glasschüssel, Bio-Saatgut für Sprossen und Microgreens. Schritt für Schritt zu den eigenen Sprossen:

  • Feuchtes Klima schaffen: Wattepads oder Küchenkrepp auf den Untersetzer/Teller legen und anfeuchten
  • Saatgut ausbringen: dicht säen (darf eng liegen, aber nicht übereinander)
  • Feuchtigkeit prüfen und besprühen: Das Saatgut feucht halten, aber nicht ertränken! Täglich mit Wasser benetzen oder eine Glasschüssel über den Blumenuntersetzer/Teller stülpen. So entsteht eine Art Mini-Gewächshaus, das die Feuchtigkeit ein paar Tage hält.
  • Ernten: sobald die Sprossen die gewünschte Länge haben aus dem Vlies ziehen oder abschneiden

Extratipp: Diese Methode eignet sich perfekt für kleine feine sowie schleimbildende Samen wie Kresse, Senf oder Rucola, die im Sprossenglas schlecht keimen.

Sprossen ziehen im Sprossenglas

Benötigte Materialien: Sprossenglas, Bio-Saatgut für Sprossen oder Microgreens. Schritt für Schritt zu den eigenen Sprossen aus dem Sprossenglas:

  • Saatgut abmessen: oft reichen ein bis zwei Esslöffel Saatgut.
  • Einweichen: Saatgut ins Glas geben, mit lauwarmem Wasser auffüllen und über Nacht einweichen lassen, um die Keimung zu beschleunigen. Die Einweichdauer variiert: Alfalfa und Radieschen brauchen vier bis sechs Stunden, größeres härteres Saatgut wie Linsen und Mungbohnen benötigt acht bis zwölf Stunden. 
  • Abgießen und Spülen: nach dem Einweichen das trübe Wasser durch den Siebdeckel abgießen. Gut abtropfen lassen. 
  • Samen gut im Glas verteilen und das Sprossenglas für die Keimung dunkel aufstellen. Die meisten Arten fürs Sprossenglas keimen im Hellen und Dunkeln. Der Dunkelkeimer Brokkoli sollte die ersten Tage dunkel oder auch im Kühlschrank stehen.
  • Sorgfältig pflegen: Saatgut keimen lassen und mindestens zweimal täglich spülen! Dazu das Glas mit frischem Wasser auffüllen, kurz schütteln und das Wasser wieder abgießen. Nach dem Spülen das Glas schräg stellen, damit Restwasser abläuft. 
  • Fäulnis vermeiden: die Samen sollten immer gut im Glas verteilt sein und das Sieb nicht verstopfen. Wenn die Luft zirkulieren kann, kommen keine unerwünschten Keime oder Schimmelpilze ins Glas. 
  • Ernten und genießen: wenn die Keime zwei bis fünf Zentimeter lang sind (je nach Sorte und Gusto), ernten. Vor dem Verzehr nochmals gut spülen.

Extratipp: Sprossengläser passen perfekt für Rettich, Radieschen, alle Kohlsorten, Alfalfa, Mungbohnen und Bockshornklee. Sprossengläser können auch selbst  aus Glas mit Fliegengitter und Gummiband hergestellt werden.

Microgreens ziehen mit Erde oder Substrat

Microgreens benötigen mehr Nährstoffe als Sprossen. Wasser allein reicht zum Wachstum auf Dauer nicht mehr aus. Benötigte Materialien: eine flache Schale oder Blumentöpfe, Bio-Anzuchterde oder Bio-Kokossubstrat, Bio-Saatgut für Microgreens oder Saatgutpads, Sprühflasche.

  • Saatgut abmessen: größere Samen wie Erbsen eventuell einweichen, dann geht es schneller.
  • Säen: Samen dicht, aber möglichst gleichmäßig ausstreuen und dunkel stellen oder die Schale oder den Topf mit einem Teller abdecken, dann trocknen die Samen nicht aus.
  • Alternativ: Saatgut mit dünner Erdschicht bedecken oder größere Samen mit dem Finger in die Erde drücken, die meisten Pflanzen keimen im Dunkeln.
  • Anfeuchten: vorsichtig angießen, damit die Samen nicht wegfließen.
  • Pflegen: nach dem Keimen die Schale oder den Topf hell und luftig stellen und täglich besprühen oder eine Glasschüssel über den Blumentopf als Mini-Gewächshaus stülpen (hält die Feuchtigkeit länger).
  • Ernten: nach ein bis zwei Wochen mit dem Messer kurz über dem Boden abschneiden.

Extratipp: Auch hier gibt es fertige Anzuchtsets. Zum Beispiel eine Kokosnussschale mit Substrat oder eine Keimschale mit speziellen Saatgutpads.

Welches Saatgut ist geeignet?

Am besten eignet sich spezielles Saatgut für Sprossen und Microgreens. Das enthält keine Schadstoffe und pathogene Keime. Es wird unter hygienischen Bedingungen produziert, um die Sicherheit der Sprossen zu gewährleisten.

"Genau wie beim Fleisch sollen wir auch bei Saatgut auf gute Bio-Qualität achten. Unser Bio-Saatgut ist nicht hybridisiert, genmanipuliert oder mit Chemikalien belastet und wird mikrobiologisch untersucht", rät Jaqueline Hütter, Geschäftsführerin von Seedbutler. Bio-Saatgut sei zwar etwas teurer als konventionelles, aber preislich mache das keinen großen Unterschied. Schließlich benötigten wir pro Sprossenmahlzeit nur wenig Saatgut.

Bio-Saatgutbetriebe arbeiten nach den gleichen Richtlinien wie Bio-Landwirtinnen und Bio-Landwirte und werden ebenfalls von unabhängigen Kontrollstellen überprüft.

Pflegeleichte Sprossen-Sorten für den Start

Wer zum ersten Mal Keimlinge oder Sprossen selbst ziehen möchte, sollte mit pflegeleichten Sorten beginnen. Besonders gut geeignet sind:

  • Kresse: keimt sehr schnell ohne Einweichen und lässt sich einfach auf Watte oder Küchenpapier ziehen.
  • Alfalfa: mild im Geschmack, keimt zuverlässig im Sprossenglas und braucht wenig Pflege. Ideal für Salate oder Sandwiches.
  • Mungbohnen: robuste Keimlinge, die bereits nach wenigen Tagen verzehrfertig sind. Sie lassen sich kurz blanchiert genießen. 
  • Radieschen: scharf-würzig im Geschmack, keimen schnell und bringen Pep in die Küche. 
  • Brokkoli: die Sprossen gelten genau wie das Gemüse als besonders gesund.

Welche Sprossen darf man nicht essen?

Keimlinge und Sprossen lassen sich aus Samen vieler Pflanzenarten gewinnen, deren Blätter, Stängel oder Früchte essbar sind. Aber nicht aus allen: Nachschattengewächse wie Kartoffeln, Tomaten, Paprika, Chilis und Aubergine enthalten Giftstoffe wie Solanin. Keimlinge von Hülsenfrüchten wie Erbsen, Bohnen und Linsen sollten vor dem Essen mindestens zwei Minuten blanchiert oder kurz mitgegart werden. So werden bedenkliche Stoffe wie Lektine oder Phasin unschädlich gemacht. Wer spezielles Saatgut für Sprossen und Microgreens verwendet, ist auf der sicheren Seite.

Kann man selbst angebaute Keimlinge und Sprossen bedenkenlos essen?

Wer Sprossen züchtet, sollte sorgfältig arbeiten und gewisse Hygieneregeln einhalten. Denn in einem feuchtwarmen Klima können sich nicht nur Sprossen, sondern auch Bakterien schnell entfalten. Daher:

  • immer saubere Gefäße verwenden,
  • Bio-Saatgut für Sprossen und Microgreens verwenden,
  • Sprossen im Keimglas zweimal täglich spülen, an heißen Tagen eventuell öfter,
  • wenn die Samen muffig riechen oder seltsam aussehen, lieber nicht verspeisen,
  • bei Microgeens Bio-Anzuchterde, Bio-Kokosfasern oder ein frisches Vlies verwenden oder auf Saatgutpads setzen.

Text: Jutta Schneider-Rapp


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Letzte Aktualisierung 08.01.2026

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