Interview mit Johanna Heim, Product Development and Market Support bei Klasmann-Deilmann, einem Hersteller von Substraten und wachstumsfördernden Materialien für den professionellen Gartenbau.
Oekolandbau.de: Wie kommt der Substrathersteller Klasmann-Deilmann dazu, Microgreens zu kultivieren?
Johanna Heim: Vor rund zwei Jahren haben wir begonnen, Microgreens für den Endkundenmarkt anzubauen. Die Idee entstand im Rahmen eines Projekts und der Freude daran, die Microgreens in so schneller Zeit wachsen zu sehen. Unser Ziel war es, ein möglichst nachhaltiges Produkt anzubieten: in Bio-Qualität, regional erzeugt und mit minimaler Verpackung.
Schnell ergab sich die Gelegenheit, unsere Microgreens - unter dem Namen "Krauz" - über den regionalen Biokisten-Lieferservice Biobote Emsland zu vertreiben. So nahm alles seinen Lauf: Seitdem beliefern wir jede Woche Haushalte im Emsland mit unseren Pappschälchen, gefüllt einer bunten Auswahl an frischen Microgreens.
Oekolandbau.de: Wie werden die Microgreens produziert?
Johanna Heim: Die Microgreens werden in unserem Gewächshaus auf Tischen kultiviert. Die Aussaat auf Hanfmatten und das Gießen erfolgen von Hand. Nach fünf bis sieben Tagen – je nach Sorte, von Kresse bis Kohlrabi – sind die Pflanzen erntereif und werden in liebevoller Handarbeit abgefüllt und verpackt.
Da Microgreens lediglich ein einziges Wachstumsmedium für die Stabilität und Wasseraufnahme benötigen und ihre Nährstoffe direkt aus dem Samen beziehen, ist der Anbau vergleichsweise unkompliziert. Für uns war von Anfang an klar, dass wir die Krauz-Microgreens nach EU-Öko-Verordnung zertifizieren lassen. Das entspricht nicht nur unserer eigenen Überzeugung, sondern war auch Voraussetzung dafür, unsere Produkte über den Bioboten vertreiben zu können.
Oekolandbau.de: Welche Herausforderungen gibt es beim Anbau der Microgreens?
Johanna Heim: Zunächst ist es wichtig, die richtigen Bedingungen für die Keimung der Microgreens zu schaffen. Dabei ist wichtig zu wissen, dass es sogenannte Licht- und Dunkelkeimer gibt. Wie die Begriffe schon verraten, benötigen manche Samen Licht, andere Dunkelheit, um die Keimung anzustoßen. Je nach Sorte müssen die Samen daher für zwei bis vier Tage entweder abgedeckt oder in einen dunklen Raum gestellt werden. Auch eine hohe Luftfeuchtigkeit ist entscheidend, um eine gleichmäßige Keimung zu gewährleisten. Wie genau man diese Bedingungen schafft, hängt stark von den jeweiligen Gegebenheiten ab – und ist definitiv ein Lernprozess.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Wahl des richtigen Substrats. Es muss den Wurzeln Halt bieten und eine gute Wasserkapazität haben, um den Gießaufwand möglichst gering zu halten und Trockenstress zu vermeiden. Hier kommt uns unsere Expertise als Substrathersteller zugute: Wir haben viel ausprobiert und uns für unsere eigene Microgreens-Produktion schließlich für bestimmte Hanfmatten entschieden. Diese lassen sich gut verarbeiten und ermöglichen es uns, die Microgreens am Ende der Wachstumsphase mitsamt Substrat in die Verkaufsschalen zu setzen.
Gleichzeitig nutzen wir unsere Erfahrungen auf diesem Gebiet auch, um Substrate für die Anbauerin oder den Anbauer zu entwickeln und zu testen, die ihre Microgreens in Trays kultivieren. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf torffreien für den biologischen Anbau geeigneten Substraten. Zum Einsatz kommen unter anderem Rohstoffe wie Holzfasern, Kokos oder Grünkompost. In Kombination schaffen sie eine nachhaltige Grundlage für den professionellen Anbau von Bio-Microgreens.