Traubenwickler, Einbindiger (Eupoecilia ambiguella) und Bekreuzter (Lobesia botrana)

Traubenwickler, Einbindiger und Bekreuzter

Einbindiger Traubenwickler Eupoecilia ambiguella (Hübner)
Bekreuzter Traubenwickler Lobesia botrana (Denis & Schiffermüller)
auch Heuwurm, Sauerwurm, Süßwurm, Familie: Wickler

Beschreibung der Schadschmetterlinge und ihres Schadbildes

Zu den Traubenwicklern zählen zwei Arten von Kleinschmetterlingen (Motten), die meist gemeinsam auftreten. Der Einbindige Traubenwickler ist strohfarben mit einer dunklen Binde quer über die Vorderflügel. Der Bekreuzte Traubenwickler ist grau und braun gezeichnet, teilweise ist ein diagonales Kreuz in der Flügelzeichnung erkennbar. Beide Arten sind 10 bis 15 mm lang, die Flügelenden sind in Ruhestellung nach unten abgeschrägt. 

Die Larven der Traubenwickler sind helle Raupen mit dunklem Kopf, die sich in ihrer Färbung leicht unterscheiden: die des Einbindigen Traubenwicklers ist gelbbraun bis cremefarben mit einem fast schwarzen Kopf und Nackenschild. Die des Bekreuzten Traubenwicklers ist hellgelb, grünlich oder violettblau mit rehbraunem Kopf und Nackenschild. Sie erreichen eine Länge von zwölf Millimetern.

Die erste Generation des Traubenwicklers wird als Heuwurm bezeichnet: im Juni treten Fraßstellen und zarte Gespinstfäden an den Gescheinen auf. Oft sind mehrere Blütenansätze oder Beeren miteinander versponnen. Die zweite Generation befällt die sauren Beeren und wird Sauerwurm genannt: ab Juli sind Bohrlöcher und ausgefressene Beeren zu finden, oft sind ganze Beerengruppen zerstört. Nachfolgend werden die Trauben oft von Grauschimmel befallen. Bei warmem Herbstwetter kann eine dritte Generation auftreten, die die schon süßen Beeren befällt und daher als Süßwurm bezeichnet wird.

Schadwirkung im ökologischen Weinbau

Der Schaden, den die erste Generation des Traubenwicklers (Heuwurm) verursacht, ist meist gering. Der Hauptschaden entsteht durch die Schädigung der Trauben durch die zweite Larvengeneration (Sauerwurm) und den Folgebefall mit Essigfäule und Grauschimmel. Hohe Schäden entstehen daher vor Allem bei feuchtem Wetter nach dem Sauerwurmbefall.

Neben der Weinrebe befällt der Bekreuzte Traubenwickler auch viele wilde Laubgehölze sowie Johannis- Stachel- und Brombeeren, verursacht aber keine wirtschaftlichen Schäden. Der Einbindige Traubenwickler kommt nur auf Weinreben vor.

Biologie in Kürze

Der Bekreuzte Traubenwickler bevorzugt warme, trockene Standorte und ist in südlichen Anbauregionen stärker verbreitet.

Die Traubenwickler überwintern als Puppen unter der Rinde. Sobald die Gescheine der Rebe voll entwickelt sind, fliegen die Falter der ersten Generation. Während der bis zu fünfwöchigen Flugzeit im Mai paaren sie sich und legen die Eier hauptsächlich auf die Gescheine ab. In der Vorblütezeit schlüpfen dann die Larven, die einzelne Blütenknospen zusammenspinnen und anfressen. Nach etwa drei Wochen Entwicklungsdauer verpuppen sie sich in der Nähe der Gescheine.

Ab Anfang Juli tritt die zweite Generation des Traubenwicklers auf, der die Eier auf die Beeren ablegt. Die Larven schlüpfen nach vier bis acht Tagen und bohren sich in die Beeren ein. Nach drei bis vier Wochen Fraßtätigkeit verpuppen sich die Larven in Rindenritzen. In Jahren mit besonders warmem Herbst kann sich eine dritte Generation der Traubenwickler entwickeln und zusätzliche Falter im Folgejahr hervorrufen.

Regulierungsstrategien: vorbeugen und bekämpfen

Befallsüberwachung

  • Einsatz von Pheromonfallen um Beginn, Höhepunkt und Ende des Falterfluges zu registrieren. Kontrolle alle drei Tage. Da der Flug der Männchen vor dem der Weibchen beginnen kann und die Entwicklung witterungsabhängig ist, sollten die Ergebnisse vorsichtig interpretiert und durch Bonituren geprüft werden.
    Erste Generation: Larvenschlupf wird 8-12 Tage nach dem Flughöhepunkt erwartet
    Zweite Generation: Larvenschlupf 6-8 Tage nach dem Flughöhepunkt erwartet
  • Bonituren der Gescheine und der Trauben auf Eiablage
    Schadensschwelle erste Generation: mehr als 30 Prozent befallene Gescheine kurz vor der Blüte
    Behandlungszeitpunkt: „Schwarzkopfstadium“, schwarzer Kopf der Larve als dunkler Punkt im Ei erkennbar
  • Einsatz von Köderfallen möglich um sowohl Männchen als auch Weibchen zu erfassen
  • Ein Prognosemodell und Beobachtungskarten von www.vitimeteo.de geben Hinweise auf den Flugbeginn in Baden-Württemberg

Vorbeugende biologische und biotechnische Maßnahmen

Verwirrtechnik: Ausbringung von Pheromondispensern vor Beginn des Falterfluges an Drähte oder Rebteile. Es sind regional Förderprogramme für den Pheromoneinsatz verfügbar, und Anwendungsgemeinschaften ermöglichen eine großflächige Anwendung über mehrere Weinberge hinweg. Wesentliche Bedingungen:

  • Ausreichend große Verwirrungsfläche: mindestens fünf Hektar, kleinere Flächen in isolierter Lage
  • Geringer Ausgangsbefall
  • Anbauzonen mit geringen Luftströmungen
  • Durch Pheromonfallen und Gescheinskontrollen sollte die Wirksamkeit geprüft werden. 

Direkte Bekämpfung mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln

  • Pflanzenschutzmittel auf der Basis von Bacillus thuringiensis
  • Pflanzenschutzmittel auf der Basis von Spinosad ab dem Larvenschlupf zum Fruchtansatz, Zulässigkeit nach Verbandsrichtlinien beachten!
  • Pflanzenschutzmittel auf der Basis von Pyrethrum ab dem Larvenschlupf

Hinweise zur Anwendung von Bacillus thurinigiensis-Präparaten:

  • Die besten Regulierungserfolge werden bei der Ausbringung zum Schwarzkopfstadium, also vor dem Hauptschlupf der Larven erreicht. Dies lässt sich aus den Pheromonfallenfängen ableiten und sollte durch Bonituren überprüft werden.
  • Wirkungsdauer beträgt, je nach Witterung, maximal acht Tage daher ist eine zweite Behandlung bei stärkerem Falterflug und in gefährdeten Lagen empfehlenswert.
  • Bacillus thuringiensis-Präparate sind Fraßgifte, die optimal in jeder Gasse einzeln gezielt in die Traubenzone appliziert werden sollten. Zur Wirkungsverbesserung kann ein Prozent Zucker der Spritzbrühe zugesetzt werden.
  • Vorherige Laubarbeiten ermöglichen eine gründlichere Benetzung der Trauben.

Weblink

www.vitipendium.de: Detaillierte Bilder und Anwendungsempfehlungen zu Bacillus thuringiensis und Verwirrtechnik

Letzte Aktualisierung 10.01.2019

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