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Öko-Forschung in den Einrichtungen des BMLEH

Für die Transformation der Land- und Lebensmittelwirtschaft und die damit verbundenen politischen Entscheidungen ist eine wissenschaftlich fundierte Beratungsgrundlage unverzichtbar. Im Verantwortungsbereich des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) sind dafür mehrere Forschungseinrichtungen angesiedelt. Welche das sind und in welchen Forschungsbereichen sie tätig sind, erfahren Sie hier.
Die Einrichtungen haben sich 2022 in einer Steuerungsgruppe zur Stärkung der Forschung für die ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft zusammengetan und sich zum Ziel gesetzt, den Ausbau der Öko-Forschung vom Acker bis zum Teller strategisch, strukturell, fachlich und methodisch innerhalb und zwischen ihren Einrichtungen voranzutreiben. Die Steuerungsgruppe ist eine der Initiativen im Rahmen der Bio-Strategie 2030.
Die Wissenschaftseinrichtungen des BMLEH geben auf dieser Seite einen Einblick in ihre Aktivitäten und Schnittstellen zur Forschung für die ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft (FÖLL).
Ressortforschungseinrichtungen des BMLEH
Die sogenannte Ressortforschung des BMLEH umfasst sechs Einrichtungen, die an den großen und kleinen Fragestellungen rund um unser Agrar- und Ernährungssystem arbeiten. Neben den vier Bundesforschungsinstituten Friedrich-Loeffler-Institut, Johann Heinrich von Thünen-Institut, Julius Kühn-Institut und Max Rubner-Institut zählen zur Ressortforschung des BMLEH zudem das Bundesinstitut für Risikobewertung und das Deutschen Biomasseforschungszentrum.
Diese forschen anwendungsorientiert und beraten das BMLEH in der Ernährungs-, Landwirtschafts- und Forstwirtschafts- sowie Verbraucherschutzpolitik.
Im folgenden Überblick stellen die Ressortforschungseinrichtungen ihre Öko-Forschung und zugehörige Infrastrukturen vor.
Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) erforscht als Bundesforschungsinstitut zentrale Fragen zur Tiergesundheit und zum Tierwohl landwirtschaftlicher Nutztiere. Die Öko-Forschung am FLI befasst sich mit den besonderen Anforderungen der ökologischen Tierhaltung und ist als institutsübergreifendes Querschnittsthema angelegt.
Die Forschung umfasst Themenfelder zur genetischen Vielfalt von Nutztieren als Grundlage robuster und resilienter Tierpopulationen sowie zur bedarfsgerechten und ressourceneffizienten Fütterung. Weitere Themenfelder betreffen die Weiterentwicklung tier- und umweltgerechter Haltungsverfahren sowie die Prävention von Tierkrankheiten in Auslauf- und Freilandhaltung, einschließlich biosicherheitsrelevanter Fragestellungen und der frühzeitigen Erkennung und Bewertung von Gesundheitsrisiken.
Ziel der FLI-Öko-Forschung ist es, wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der ökologischen Tierhaltung bereitzustellen. Dabei arbeitet das FLI eng mit ökologischen Anbauverbänden, Erzeugergemeinschaften, Kontrollstellen und Öko-Forschungseinrichtungen zusammen.
Das Thünen-Institut steht für eine breite disziplinäre, inter- und transdisziplinäre Expertise in Forschung und Politikberatung zur ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft:
Als einziges Fachinstitut der deutschen Ressortforschung arbeitet das Thünen-Institut für Ökologischen Landbau "on-station" und "on-farm" ausschließlich zu ökologischen Tierhaltungs- und Anbausystemen.
An den Thünen-Instituten für Betriebswirtschaft, Marktanalyse, Innovation und Wertschöpfung in ländlichen Räumen und Fischereiökologie wird zu Ökonomie und politischen Rahmenbedingungen des Bio-Sektors, zu Marktentwicklungen und Verbraucherthemen, regionalen Bio-Wertschöpfungsketten sowie zur Öko-Aquakultur geforscht.
Im Thünen-Themenfeld "Ökologischer Landbau" kooperieren mehrere Thünen-Fachinstitute und stellen Dossiers unter anderem zur Einkommensentwicklung im Bio-Sektor, zu Tierhaltungs- und Pflanzenbauthemen oder zu den Leistungen des Ökolandbaus für Umwelt und Gesellschaft bereit.
Im "Experimentellen interdisziplinären Landschaftslabor am Thünen-Institut" (EiLT) entwickeln 12 Thünen-Fachinstitute auf 600 Hektar neue Landnutzungssysteme, die auch Innovationen für den Ökolandbau adressieren.
Das Julius Kühn-Institut (JKI) bearbeitet als Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen alle Fragen rund um deren Anbau. Schwerpunkte der JKI-Forschungsaktivitäten für den ökologischen Landbau liegen unter anderem in den Bereichen Pflanzenzüchtung, Bodenfruchtbarkeit oder Pflanzenschutz.
Die hauseigene Züchtung bringt neue pilzresistente Sorten von Obst und Weinreben hervor, die mit geringeren Kupferanwendungen für den Pflanzenschutz auskommen. Genbankarbeit und Züchtungsforschung schaffen die Grundlage für neue widerstandsfähige Sorten etwa bei Getreide, Kartoffeln, Gemüse oder Leguminosen. Die Weiterentwicklung des Biologischen Pflanzenschutzes unter Nutzung natürlicher Gegenspieler von Schadorganismen oder mit Naturstoffen wird von einem eigenen Fachinstitut für Biologischen Pflanzenschutz betrieben.
Mit 41 Hektaren ökologisch zertifizierter Versuchsfläche an sieben Standorten, einem Netzwerk aus Öko-Forschenden und seiner Stabsstelle ökologischer Landbau sichert das JKI auch Austausch, Integration und Transfer des durch Forschung generierten Wissens ab, wie zum Beispiel durch Beiträge in diesem Infoportal.
Das Max Rubner-Institut (MRI), Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel, hat einerseits die Qualität von Lebensmitteln und andererseits die Ernährung der Verbraucherinnen und Verbraucher im Fokus.
Bei der Produktion von Öko-Lebensmitteln gibt es in den Bereichen Qualität, Sicherheit und Authentizität, von der Ernte über die Verarbeitung bis zum Verzehr, noch viele offene Forschungsfragen. Wertgebende Inhaltsstoffe sind ebenso relevant wie die Belastung mit und Reduktion von unerwünschten Substanzen wie etwa Schimmelpilzgifte. Bei der Verarbeitung ist der Verzicht auf viele Zusatzstoffe eine Herausforderung, für Textur, Haltbarkeit, aber auch Sensorik der Produkte. Voraussetzung, den meist höheren Preis zu bezahlen, ist das Vertrauen, dass diese tatsächlich nach ökologischen Kriterien erzeugt wurden. Am MRI gibt es zu all diesen Themen Forschungsprojekte: im Bereich Qualität und Inhaltsstoffe z.B. im Projekt ZwiebÖL, zu Authentizität in zahlreichen Projekten des NRZ-Authent, zu wichtigen Parametern des Ernährungsverhaltens z.B. im Rahmen der COPLANT-Studie.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bewertet die biologische und stofflich-chemische Sicherheit von Lebens- und Futtermitteln. Das gilt für Lebens- und Futtermittel aus ökologischem und konventionellem Anbau gleichermaßen. Zudem ist das BfR in die Bewertung von Biopestizidwirkstoffen und -produkten sowie die Erarbeitung von nationalen und internationalen Leitlinien und Verordnungen in diesem Bereich eingebunden.
Forschungsaktivitäten des BfR zur ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft sind vorrangig dem Bereich der Produktion und dem Transfer zuzuordnen. Darüber hinaus untersucht das BfR mit sozialwissenschaftlichen Forschungsmethoden die Einstellungen der Verbraucherinnen und Verbraucher zu Lebensmitteln aus konventioneller und ökologischer Landwirtschaft.
Leibniz- und Länder-Institute des BMLEH im Überblick
Neben den Ressortforschungseinrichtungen sind dem BMLEH auch jene Leibniz- und Länder-Institute zugeordnet, die im Bereich der Landwirtschaft und Ernährung forschen. Ihre Basisfinanzierung wird jeweils zur Hälfte vom BMLEH und den Bundesländern getragen, in denen sie ansässig sind. Ein Großteil der Finanzierung der Leibniz- und Länderinstitute wird aus Drittmitteln sichergestellt.
Sie verfolgen anwendungsorientierte Grundlagenforschung und bilden eine wertvolle Ergänzung des wissenschaftlichen Spektrums in der Ressortforschung.
Im Folgenden stellen sich die Leibniz- und Länder-Institute des BMLEH vor, die auch zu Fragen der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft arbeiten.
Das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) forscht an der ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltigen Landwirtschaft der Zukunft – gemeinsam mit Akteurinnen und Akteuren aus der Wissenschaft, Politik und Praxis.
ZALF-Forschung ist Systemforschung: von Prozessen in Böden, Pflanzen und Wasser, über Zusammenhänge auf der Feld- und Landschaftsebene bis hin zu globalen Auswirkungen und Berücksichtigung komplexer Wechselwirkungen zwischen Landschaft, Gesellschaft und Ökonomie.
Die Forschung zum ökologischen Landbau spielt eine zentrale Rolle. Das ZALF bewirtschaftet seit 1992 ökologische Versuchsflächen für gezielte Fragestellungen unter besonders trockenen Bedingungen (Sandböden mit geringen Niederschlägen). Es werden Softwareanwendungen (u.a. ROTOR, für die Planung von Fruchtfolgen) speziell für den ökologischen Landbau entwickelt und in der Forschung und Lehre eingesetzt. Forschungsschwerpunkte sind unter anderem die Entwicklung von Anbausystemen mit Leguminosen, die Bewertung von Fruchtfolgen, Biodiversitätsmaßnahmen, Ökosystemmodellierung und Forschung mit Akteuren unter anderem zur Entwicklung von Wertschöpfungsketten. Die Forschung findet in regionalen Praxisnetzwerken statt.
Das Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) in Großbeeren erforscht nachhaltige pflanzenbasierte Agrar- und Ernährungssysteme sowie Herausforderungen für den Gartenbau. Neben Klimakammern und Gewächshäusern stehen rund 4,5 Hektar Ackerfläche für Freilandversuche zur Verfügung.
Der Standort ist geprägt durch sandige Böden (etwa 85 Prozent Sand), eine mittlere Jahrestemperatur von 10,9 Grad Celsius und einen Jahresniederschlag von 560 Millimeter. Nach aktuellem Stand sind 0,7 Hektar der Freilandflächen ökologisch zertifiziert. Erste ökologische Versuche wurden ab 2021 im Projekt BioStripPlant durchgeführt, das konservierende Bodenbearbeitung durch Strip-Till-Pflanzung von Kopfkohl und Sellerie in Mulch untersuchte. Seit Ende 2024 nutzt die Nachwuchsforschungsgruppe "Ökologische Anbausysteme" die Flächen im Projekt "ökoZuG-BB: Zukunftsfähige ökologische Gemüseanbausysteme in Brandenburg", um gemeinsam mit der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde klimaresiliente, ökologische Gemüseanbausysteme zu testen.
Angesichts des weltweit steigenden Proteinbedarfs erscheint ein schrittweiser Übergang von klassischen tierischen hin zu pflanzlichen Proteinquellen notwendig. Das Leibniz-Institut für Lebensmittel-Systembiologie an der Technischen Universität München (LSB) stellt sich dieser Herausforderung mit einem einzigartigen Forschungsprofil an der Schnittstelle zwischen Lebensmittelchemie und Biologie, Chemosensorik und Technologie sowie Bioinformatik und maschinellem Lernen.
Mit seiner interdisziplinären Forschung erfasst und bewertet das Institut die sensorisch- und bioaktiven Inhaltsstoffsysteme entlang der gesamten Wertschöpfungskette und entwickelt hierauf basierend Vorhersagemodelle. So schafft das Institut eine wissenschaftliche Grundlage für die Entwicklung pflanzenbasierter proteinreicher Lebensmittel, die ernährungsphysiologisch, sensorisch und funktionell hochwertig sind, nachhaltig und ökologisch produziert werden und eine gesunde Ernährung fördern.
Das Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) forscht für eine verantwortungsvolle Nutztierhaltung als unverzichtbares Element einer nachhaltigen Landwirtschaft. Dabei stellt das FBN das Tier und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt. Die Forschung am FBN ist nach vier Forschungsschwerpunkten, sogenannten Fokusthemen, ausgerichtet, in denen sich auch die Grundsätze das Ökolandbaus wiederfinden:
- Nutztierhaltung Individualisieren
- Nutztierhaltung in Kreisläufen gestalten
- Kritische Lebensphasen von Nutztieren bewältigen
- Vielfalt der Nutztierhaltung fördern
Viele Forschungsprojekte am FBN thematisieren Fragestellungen, die auch für die ökologische Tierhaltung interessant sind. Insbesondere im Bereich Schweinehaltung weißt das FBN auch Infrastruktur für Ökoforschung auf. In der Experimentieranlage Schwein (EAS) gibt es einen Schweinestall, der nach Richtlinien der EU-Öko-Verordnung gebaut wurde sowie einen konventionellen Stall für vergleichende Untersuchungen.
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Letzte Aktualisierung 09.03.2026


