Pflanzenschutz im Ökolandbau: Vorbeugende Maßnahmen und biologischer Pflanzenschutz

Auch im ökologischen Pflanzenbau spielen Krankheiten, Schädlinge und Konkurrenz durch Unkräuter eine Rolle. Anders als in der konventionellen Landwirtschaft setzt der Ökolandbau jedoch vor allem auf Vorbeugung, robuste Anbausysteme und natürliche Regulierungsmechanismen. Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel sind tabu. 

Vorbeugung ist das A und O im ökologischen Pflanzenschutz

Im ökologischen Pflanzenschutz steht nicht die direkte Bekämpfung von Krankheiten oder Schädlingen im Mittelpunkt. Ziel ist vielmehr, Probleme möglichst gar nicht erst entstehen zu lassen. Vorbeugende Maßnahmen bilden deshalb die wichtigste Grundlage im biologischen Pflanzenbau.

Dazu gehören unter anderem vielfältige Fruchtfolgen, Zwischenfrüchte, widerstandsfähige Sorten, eine standortangepasste Kulturführung, ein aktives Boden- und Nährstoffmanagement sowie die Förderung von Nützlingen und Biodiversitätauf und um die Anbauflächen.

Auch Biostimulanzien können ergänzend eine Rolle spielen, etwa indem sie die Nährstoffaufnahme, die Stresstoleranz oder die Widerstandskraft der Pflanzen unterstützen.

Vorbeugende Maßnahmen im Überblick

Biologischer Pflanzenschutz: Nützlinge und biotechnische Maßnahmen

Neben der Förderung natürlich vorkommender Gegenspieler setzen Bio-Betriebe im biologischen Pflanzenschutz Nützlinge auch gezielt ein. Gemeint sind hier sind hier Organismen, die in den Bestand ausgebracht werden, um Schädlinge direkt oder indirekt zu regulieren. Dazu zählen räuberische Arten wie Raubmilben, Florfliegen - oder Marienkäferlarven , Parasitoide wie Schlupfwespen  sowie insektenparasitäre Nematoden. Daneben können bestimmte gegen Schädlinge wirksamen Mikroorganismen wie Pilze, Bakterien oder Viren eingesetzt werden. 

Biologischer Pflanzenschutz: Was bedeutet das?

Biologischer Pflanzenschutz zur Bekämpfung von Schädlingen und Pflanzenkrankheiten basiert auf der Anwendung von natürlichen Gegenspielern von Schadorganismen sowie auf der Anwendung von Naturstoffen

Besonders wichtig ist der biologische Pflanzenschutz durch Nützlinge im geschützten Anbau, etwa im Gemüsebau unter Glas oder Folie. Auch im Freiland kann der gezielte Nützlingseinsatz eine Rolle spielen, ist dort aber stärker von Witterung, Kultur und vorhandenen Lebensräumen abhängig. 

Eine Orientierung bietet der Pflanzendoktor auf oekolandbau.de: Dort werden die wichtigsten Nützlinge mit den entsprechenden Einsatzmöglichkeiten vorgestellt. Im Handel verfügbare nützliche Insekten, Milben, Nematoden und Pilze können im Pflanzenschutz-Informationssystem des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz nachgeschlagen werden.

Der biologische Pflanzenschutz mit biotechnische Maßnahmen arbeitet mit physikalischen Barrieren, Lockstoffen oder Signalen, die das Verhalten von Schädlingen beeinflussen. Dazu gehören etwa Pheromonfallen, Verwirrungstechniken, Kulturschutznetze oder Leimtafeln. Vor allem im Obst-, Gemüse- und Weinbau sind solche Verfahren wichtige Bausteine des Pflanzenschutzes.

Pflanzenschutzmittel – im ökologischen Pflanzenschutz nur als letzte Option

Auch im Ökolandbau können Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden – allerdings deutlich eingeschränkter als im konventionellen Landbau. Ziel ist es, das Freisetzen gefährdender Substanzen so weit wie möglich zu vermeiden und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf das unbedingt notwendige Maß zu begrenzen.

Verwendet werden dürfen nur Wirkstoffe, die nach EU-Öko-Verordnung ausdrücklich für die ökologische Produktion zugelassen sind. Dazu zählen je nach Anwendungsbereich zum Beispiel Grundstoffe, Wirkstoffe mit geringem Risiko, Mikroorganismen oder weitere zugelassene Wirkstoffe wie Schwefel, Paraffinöle oder bestimmte Kupferpräparate.

Mehr dazu erklärt der Beitrag Welche Pflanzenschutzmittel sind im ökologischen Landbau zugelassen?

Kupfer – ein Sonderfall

Kupferpräparate gehören zu den umstrittenen Pflanzenschutzmitteln im Ökolandbau. Einerseits helfen sie, schwer regulierbare Pilzkrankheiten einzudämmen – etwa im Wein-, Obst- und Kartoffelanbau. Andererseits kann sich Kupfer im Boden anreichern und dort Bodenorganismen beeinträchtigen. Genau daraus ergibt sich der Zielkonflikt: Der ökologische Landbau will problematische Stoffe möglichst vermeiden, kann in einigen Kulturen derzeit aber noch nicht vollständig auf Kupfer verzichten.

Umso wichtiger ist es, den Kupfereinsatz zu senken und Alternativen voranzubringen. Dazu zählen präzisere Prognosemodelle, niedrigere Aufwandmengen, verbesserte Applikationstechnik, robuste beziehungsweise resistente Sorten sowie neue Pflanzenschutzstrategien. Langfristig geht es darum, Kupfer nur dort einzusetzen, wo es fachlich notwendig ist – und es Schritt für Schritt durch tragfähige Alternativen zu ersetzen.

Schilf-Glasflügelzikade: Neue Herausforderung, auch im Bio-Pflanzenbau

Die Schilf-Glasflügelzikade hat sich in kurzer Zeit zu einem ernstzunehmenden Problemschädling im Ackerbau entwickelt – auch für Bio-Betriebe. Das Insekt verursacht zwar selbst kaum direkte Fraßschäden, kann aber bakterielle Erreger übertragen. Diese können Krankheiten in Zuckerrüben und Kartoffeln auslösen und zu erheblichen Ertrags- und Qualitätseinbußen führen. Inzwischen sind neben Zuckerrüben und Kartoffeln auch verschiedene Gemüsearten betroffen.

Für Bio-Betriebe zeigt der Fall besonders deutlich, wie wichtig ein Zusammenspiel aus Monitoring, vorbeugenden Maßnahmen, angepasster Fruchtfolge, Sortenwahl und standortspezifischen Strategien ist. Einzelmaßnahmen reichen nach Einschätzung der Fachleute derzeit nicht aus, um die Ausbreitung sicher zu begrenzen.

Mehr dazu im Beitrag Schilf-Glasflügelzikade: Was können Bio-Betriebe gegen den Schädling tun?

Unkrautregulierung im ökologischen Pflanzenschutz: Ohne chemisch-synthethische Herbizide

Chemisch-synthetische Herbizide sind im Ökolandbau verboten. Deshalb setzt der Bio-Anbau durch biologischen Pflanzenschutz auf eine Kombination aus vorbeugenden, mechanischen und kulturtechnischen Maßnahmen. Ziel ist nicht, jede unerwünschte Pflanze vollständig zu beseitigen. Entscheidend ist, dass Unkräuter nicht zu stark mit den Kulturpflanzen um Licht, Wasser und Nährstoffe konkurrieren und sich Problemarten nicht dauerhaft im Bestand etablieren.

Wichtige Bausteine sind eine angepasste Fruchtfolge, konkurrenzstarke Sorten und Bestände, passende Saattermine, Zwischenfrüchte und Untersaaten. Direkt reguliert wird vor allem mechanisch – etwa durch Striegeln, Hacken, Häufeln oder andere Verfahren der Bodenbearbeitung. In Sonderkulturen können auch thermische Verfahren, Mulchsysteme oder Abdeckungen eine Rolle spielen. 

Was Biolandbau für die Umwelt bedeutet

Der Ökolandbau verzichtet auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und setzt stattdessen auf vorbeugende Maßnahmen, gesunde Böden und Vielfalt auf dem Acker. Das wirkt sich nicht nur auf die Pflanzengesundheit aus. Vielfältige Fruchtfolgen, blühende Saumstrukturen, der Schutz von Nützlingen, der gezielte Verzicht auf problematische Betriebsmittel und biologischer Pflanzenschutz tragen dazu bei, Biodiversität zu erhalten oder zu fördern, Gewässer zu entlasten und den Boden zu schützen.


Letzte Aktualisierung 05.06.2026

Autor: Jörg Planer

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