Backobstkäfer, Getreidesaftkäfer (Familie Glanzkäfer, Gattung Carpophilus))

Getreidesaftkäfer, Backobstkäfer

Carpophilus dimidiatus (F.), Carpophilus hemipterus (L.), Familie Glanzkäfer
 

Beschreibung der vorratsschädlichen Glanzkäfer

Die in Deutschland schädigend auftretenden Glanzkäfer, der Backobstkäfer und der Getreidesaftkäfer. werden 2 bis 4 Millimeter groß. Beide Arten haben eine glänzend kastanienbraune bis schwarze Färbung und einen eher flachen Körper mit einem relativ spitz zulaufenden Hinterleib. Die Flügeldecken sind verkürzt, sodass sie die letzten 2 bis 3 Hinterleibssegmente nicht bedecken, was mit Lupe erkennbar ist. Die Fühler und Beine der Käfer sind gelbrot. Die Fühler haben eine markante Endkeule. Der Backobstkäfer weist im Gegensatz zum Getreidesaftkäfer zwei gelbe bis rötlichgelbe Flecken auf den Flügeldecken auf. Die Käfer sind sehr aktiv sowohl als Läufer als auch fliegend.

Die weißlich gelben, ovalen Eier der beiden Käferarten sind etwa 0,8 Millimeter lang. Die lichtscheuen, lebhaften Larven sind elfenbeinfarben und werden bis zu 8 Millimeter lang. Auch sie sind leicht abgeplattet und weisen am Hinterleib zwei markante Dornen auf. Der kleine Kopf, die sechs Brustbeine und die Hinterleibsdornen sind braun. Außerdem sind sie sehr beweglich und aktiv, wobei sie dunkle Aufenthaltsorte bevorzugen. Die Puppen sind ebenfalls elfenbeinfarben und voneinander dadurch zu unterscheiden, dass die Puppe des Backobstkäfers mehrere Paare nach außen zeigender Dornen besitzt, während die Puppe des Getreidesaftkäfers kein Dornenpaar am Halsschildrand hat.

Ähnliche Schädlinge

Kleine Speckkäfer wie Khapra- und Berlinkäfer sind von Glanzkäfern durch ihre kompakt ovale Körperform mit abgerundetem Hinterleib zu unterscheiden, sowie durch eine meist mehrfarbige Musterung der Flügeldecken.

Nagekäfer wie der Kornbohrer und der Getreidekapuziner sind von den Glanzkäfern dadurch zu unterscheiden, dass ihr Kopf vom Halsschild überdeckt wird.

Im Freiland treten verschiedene ähnliche Glanzkäferarten auf, die jedoch keine Bedeutung als Schädlinge haben.

Schadbild und Schadwirkung in der Lagerung

Der Getreidesaftkäfer befällt verschiedene Nüsse und ölhaltige Samen, Erdnüsse, Muskatnüsse, sowie Getreide, Mais und Reis. Der Backobstkäfer befällt bevorzugt Trockenfrüchte, gelegentlich auch frische Früchte, feuchtes Getreide und Nüsse. Er dringt dabei in bestehende Beschädigungen der Fruchtschalen ein.

Beide Käferarten fressen Gänge in ihr Nahrungssubstrat bis nur noch eine krümelige Masse übrig ist, in welcher Kot und Larven zu finden sind. Durch den Kot der Glanzkäfer können Hefen, Schimmelpilze und Bakterien übertragen werden, welche zu einem schnellen Verderben der Früchte führen. Daher sind befallene Produkte nicht mehr zum Verzehr oder zur Weiterverarbeitung zu Lebensmitteln geeignet.

Biologie und Lebensraum

Die Weibchen der Glanzkäfer legen 1000 Eier und mehr auf (Getreidesaftkäfer) beziehungsweise in (Backobstkäfer) das Nahrungssubstrat. Die Larven entwickeln sich in der Frucht oder den Samen und verpuppen sich. Die Entwicklungsdauer vom Ei zum adulten Käfer dauert 4 bis 8 Wochen, abhängig von Luftfeuchte und Nahrungsquelle. Die adulten Käfer sind sehr langlebig mit einer durchschnittlichen Lebensdauer von 138 Tagen, bei optimalen Bedingungen können sie sogar bis zu einem Jahr alt werden.

Die Glanzkäfer sind wärmeliebend und auf hohe Feuchtigkeit angewiesen. Sie entwickeln sich bei 50 Prozent relativer Luftfeuchte in einem Temperaturbereich von 14,5 Grad Celsius bis 39,5 Grad Celsius. In Trockenfrüchte mit weniger als 20 Prozent Wassergehalt legt der Backobstkäfer keine Eier ab. Sie werden gelegentlich mit Importwaren wie Früchten, Trockenfrüchten oder Mais zum Beispiel aus Südeuropa und anderen warmen Regionen eingeschleppt, können aber auch durch Zuflug in Lager gelangen. Flugstrecken von bis zu 3 Kilometer wurden beobachtet.

Regulierungsstrategien: vorbeugen und bekämpfen

Vorbeugende Maßnahmen

  • Gründliche Reinigung der Lagerräume (besonders Ritzen, Holzwände und Mauerwerk) vor Neueinlagerung
  • Lagergut vor Einlagerung ausreichend trocknen und danach trocken lagern
  • Absenken der Lagertemperatur auf unter 15 Grad Celsius
  • Verhinderung von Zuflug durch Fliegengaze
  • Regelmäßige Inspektion der Lagerräume, um massenhaften Befall vorzubeugen

Direkte Bekämpfung mit physikalischen  und chemischen Maßnahmen

  • Trocknung des Lagergutes bei 60 Grad Celsius
  • Begasung mit Kohlenstoffdioxid oder Stickstoff
  • Kohlenstoffdioxid unter Hochdruck

Bitte informieren Sie sich unbedingt über die aktuelle Zulassungssituation und Anwendungsbestimmungen, z. B. für Pflanzenschutzmittel unter www.pflanzenschutz-information.de (für pflanzliche Vorräte) oder für Biozidprodukte unter www.baua.de (für verarbeitete Produkte).

Letzte Aktualisierung 20.09.2016

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