Landwirtschaft


Staubläuse, Bücherläuse und Lausflechtlinge

Lepinotus patruelis (Pearman), Lepinotus reticulatus (Endl.), Liposcelis bostrychophila (Bad.), Liposcelis paeta (Pearman), Liposcelis entomophila (Endl.), Lachesilla pedicularia (L.)
Käfer. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die weniger als zwei Millimeter kleinen Staubläuse sind mit bloßem Auge nur knapp als Insekt zu erkennen. Foto: JKI

Beschreibung der Vorratsschädlinge

Bei Staub- und Bücherläusen und Lausflechtlingen handelt es sich um kaum erkennbare, weichhäutige, gelbliche bis bräunliche Insekten von meist 0,8 bis 1,4 Millimeter Körperlänge. Sie bewegen sich, im Verhältnis zu ihrer Größe, relativ schnell und ruckartig. Unter Zuhilfenahme einer Lupe fallen ihre langen und dünnen Fühler auf, manche Arten besitzen Flügelstummeln (Lepinotus patruelis), andere sind flügellos (Liposcelis bostrychophila), und wenige mit durchsichtigen, fein geäderten Flügeln ausgestattet (Lachesilla pedicularia). Verschiedene Arten von Staub- und Bücherläusen treten oft gemeinsam auf.

Die circa 0,6 Milliemter langen Eier werden in Spalten gelegt und eingesponnen. Die Jungstadien der Staubläuse ähneln den ausgewachsenen Tieren bis auf ihre geringere Größe.

Ähnliche Schädlinge

Durch ihre weiche Haut können sie für Käferlarven gehalten werden. Auch Verwechslung mit größeren Raubmilben ist möglich, diese weisen aber ein ruhigeres Bewegungsmuster auf.

Schadbild und Schadwirkung in feuchten Vorräten

Der Befall mit Bücherläusen zeigt kein erkennbares Schadbild. Becherfallen, Probesiebungen, und doppelseitiges Klebeband an Wänden können die rechtzeitige Feststellung eines Befalls ermöglichen. Auf hellen Produkten wie Mehl und Reis werden herumlaufende Insekten am ehesten entdeckt, sie bewegen sich auch auf Böden, an Wänden, und Verpackungsmaterialien.

Staub- und Bücherläuse entwickeln sich an feuchtem Getreide und anderen feuchten und schimmeligen Vorräten. Die meisten Arten ernähren sich vorwiegend von Myzelien und Sporen der Pilze, von Flechten und Algen und sind daher keine eigentlichen Vorratsschädlinge. Einige Bücherläuse können aber auch an Getreidekörnern und verschiedenen anderen trockenen Vorräten wie Mehl, Müsli, getrocknete Pilze, Kakao etc. sowie Papier fressen. Zudem schädigen sie die Produktqualität durch ihren dunklen Kot. Beim Verzehr befallener Produkte und bei der Arbeit in stark befallenen Lagern können allergische Reaktionen auftreten.

Biologie und Lebensraum

Staublaus, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Staubläuse sind kleine Insekten. Foto: JKI

Staub- und Bücherläuse entwickeln sich bei hoher Luftfeuchtigkeit ab 65 Prozent und 25 Grad Celsius, sie können kühlere und trockenere Bedingungen aber einige Tage überdauern. Sie können Wasserdampf aktiv aus der Luft aufnehmen. Bei Schimmelwachstum kann es zu Massenvermehrungen kommen. Frischer Zement und Putz können zum Beispiel die zur Entwicklung benötigte Feuchtigkeit auch in sonst trockenen Räumen liefern. Eine Einschleppung erfolgt häufig mit Verpackungsmaterialien. Insgesamt treten 6 bis 8 Generationen im Jahr auf. Sie können an geschützten Orten im Freien überwintern.

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Gemeinsam mit Staubläusen treten häufig der räuberische Bücherskorpion (links), Schimmelplattkäfer (mitte) und Moderkäfer (rechts) auf. Foto: JKI

Die am besten untersuchte Bücherlaus Liposcelis bostrychophila legt Eier bei Temperaturen zwischen 18 und 35 Grad Celsius, aus denen nach 8 bis 70 Tagen Nymphen schlüpfen. Das heißt, Bücherläuse durchlaufen keine Metamorphose von einer Larve zum adulten Tier sondern ihre Jungstadien sind kleiner Formen die sich 9 bis 90 Tage lang wiederholt häuten bis sie ausgewachsen sind. Im Gegensatz zu anderen Bücherlaus-Arten existieren keine männlichen Formen von L. bostrychophila. Die ausgewachsenen Bücherläuse legen um die 100 unbefruchtete Eier über ihre gesamte Lebensdauer von 15 bis 30 Wochen.

Regulierungsstrategien: vorbeugen und bekämpfen

Vorbeugende Maßnahmen

  • Trockene Lagerung bei unter 65 Prozent Luftfeuchte
  • Gründliche Reinigung der Lagerstellen vor Neueinlagerung

Direkte Bekämpfung durch physikalische und chemische Maßnahmen

  • Reinigung  und Trocknung befallener Produkte
  • Doppelseitiges Klebeband und mit Kieselgur bestrichene Flächen stellen unüberwindbare Hindernisse für Staubläuse dar
  • Kältebehandlung (3 Stunden bei 0 Grad Celsius) oder Hitzebehandlung (24 Stunden bei 43 Grad Celsius)
  • Kohlendioxidbegasung

Letzte Aktualisierung: 20.09.2016