Bio-Verbände reagieren auf Ende des Bundesprogramms für den Umbau der landwirtschaftlichen Tierhaltung

Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) will das Förderprogramm für den Bau tiergerechter Schweineställe vorzeitig beenden. Bioland, Naturland sowie der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) betonen die Bedeutung der finanziellen Unterstützung für Betriebe, die in mehr Tierwohl investieren wollen.

Schweine auf einer Wiese, die in die Kamer blicken. Klick führt zu Großansicht.

Foto: BLE, Dominic Menzler

Deutschland will mehr Tierwohl. Einem Großteil der Verbraucherinnen und Verbraucher ist ein hoher Tierhaltungsstandard wichtig. Dafür brauche es eine transparente Kennzeichnung im Laden sowie finanzielle Unterstützung für Betriebe, die ihre Ställe auf mehr Tierwohl umrüsten wollen. Das vorzeitige Ende des Förderprogramms für den Bau tiergerechter Schweinställe sei daher ein falsches Signal, betonen Bioland und Naturland in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Zahlreiche Betriebe – konventionell wie bio – würden so geplante Investitionen dadurch nicht in die Tat umsetzen können. Auch der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) sieht im Ende des Bundesprogramms einen Rückschritt für den Umbau der Tierhaltung sowie eine Belastung für investitionsbereite Höfe.

Der Wunsch nach mehr Tierwohl in der Nutztierhaltung ist ein breiter Konsens zwischen Wirtschaft und Gesellschaft, der in der Zukunftskommission Landwirtschaft und der Borchert-Kommission geschaffen wurde. Aber den Umbau der Nutztierhaltung gibt es nicht zum Nulltarif und er kann vor allem nicht allein von den Landwirtinnen und Landwirten getragen werden. Es braucht eine solide Grundlage zur Förderung – und nicht nur für Investitionen, sondern auch für die laufenden Kosten, die bei hohen Haltungsstandards entsprechend höher sind. Bioland-Präsident Jan Plagge

Für eine nachhaltige Landwirtschaft brauchen wir die artgerechte Nutztierhaltung. Viele Betriebe haben sich auf den Weg gemacht, Betriebskonzepte entwickelt und Bauanträge vorbereitet. Das alles ist aber mit hohen Kosten verbunden. Mit dem vorzeitigen Ende des Bundesprogramms für den Umbau der Tierhaltung lässt Agrarminister Rainer die Betriebe nun in der Luft hängen und ignoriert zugleich den Wunsch der Verbraucherinnen und Verbraucher nach mehr Tierwohl. Naturland-Präsident Eberhard Räder

Der überraschende Rückzug des Bundes aus der Förderung für Investitionen in bessere Ställe für Schweine ist ein schwerer Schlag für all jene Höfe, die sich auf den Weg gemacht haben, um in tiergerechte Ställe zu investieren. Bauen ist teuer und braucht viel Vorlauf. Wenn Minister Rainer jetzt will, dass statt eines Bundesprogramms alle Bundesländer einzeln eine Förderung auflegen, sorgt das für gefährliche Verzögerungen und mehr Bürokratie für die Höfe. Die Unsicherheit und Verzögerung, die damit geschaffen werden, sind auch Gift für den wirtschaftlichen Aufbruch, den unser Land jetzt braucht. Rainer begründete die Veränderung mit zu wenig Nachfrage. Wir sehen aber, dass die Nachfrage zuletzt immer stärker gewachsen ist und sich die Höfe auf das noch junge Förderprogramm ausgerichtet haben und es immer besser annehmen. Die Antragsvorbereitung braucht oft Monate und investitionswillige Höfe brauchen sichere und planbare Förderbedingungen. Diese Planbarkeit wird ihnen nun genommen. Mit der Streichung legt Minister Rainer auch die Axt an die Umsetzung der Ergebnisse der Borchert-Kommission, die vor vier Jahren mit breitem Konsens einen Plan zum notwendigen Umbau der Nutztierhaltung erarbeitet hat, der auch von der Union immer wieder begrüßt wurde. Peter Röhrig, geschäftsführender Vorstand des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) 

Quelle: Pressemitteilung Naturland & Bioland, Pressemitteilung BÖLW


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