Reaktionen aus der Branche zum GAP-Entwurf ab 2028

Die EU-Kommission hat am 16. Juli 2025 in Brüssel ihren Vorschlag für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ab 2028 sowie den nächsten EU-Haushalt, den Mehrjährigen Finanzrahmen der EU, vorgestellt. Kommentare dazu kommen vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) sowie von verschiedenen Verbänden aus der Bio-Branche.

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Foto: BLE, Thomas Stephan

Die EU-Kommission hat am 16. Juli 2025 ihren Vorschlag für den Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) ab 2028 vorgestellt. Dieser Entwurf kündigt einen grundlegenden Wandel der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) an. Erstmals wird die GAP künftig nicht mehr in zwei getrennten Säulen finanziert, sondern Teil eines übergreifenden Finanzierungstopfes, der Mittel für Landwirtschaft, Energie, Wettbewerbsfähigkeit und andere Politikfelder zusammenführt. Jeder Mitgliedstaat soll dafür einen nationalen oder regionalen Strategieplan (NRP) vorlegen. 

Hier die Stimmen aus der Branche zur GAP ab 2028:

Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Alois Rainer:

Unsere Landwirtinnen und Landwirte stehen tagtäglich auf – bei Wind und Wetter – und sorgen dafür, dass wir alle mit hochwertigen, sicheren und gesunden Lebensmitteln versorgt werden. Das verdient unseren höchsten Respekt. Doch es geht nicht nur um die Höfe allein. Es geht auch um die Menschen in den ländlichen Regionen – Familien, Ehrenamtliche, das Lebensmittelhandwerk und junge Menschen mit Ideen. Und genau deshalb ist es unsere Aufgabe in Europa, den landwirtschaftlichen Höfen und den ländlichen Räumen eine Perspektive zu geben, die trägt.

Seit über 60 Jahren ist die GAP ein Grundpfeiler der europäischen Einigung. Die Vorschläge der Kommission, das bewährte Zwei-Säulen-Modell abzuschaffen, ist eine gefährliche Zäsur. Eine GAP ohne ländliche Entwicklung ist wie ein Haus, dem man eine tragende Säule nimmt: Das ganze Gebäude kommt ins Wanken. Die GAP ist nicht einfach nur ein Förderinstrument, sie ist Stabilitätsanker, Standortfaktor und für viele Regionen Heimatgarantie. Dazu gehört auch, dass eine Landwirtschaft, die nachhaltig, leistungsfähig und resilient ist, die unsere Ernährung sichert, uns auch etwas wert sein muss. Das muss sich im EU-Haushalt widerspiegeln.

Wir werden die Vorschläge der Kommission nun sorgfältig analysieren. Für die Beratungen haben wir Zeit – und diese Zeit sollten wir uns auch nehmen und sie entschlossen nutzen. Ich werde mich in Brüssel weiterhin dafür einsetzen, dass die GAP auch künftig ein eigenständiger Politikbereich bleibt, mit der ländlichen Entwicklung als integralem Bestandteil. Denn klar ist: Es geht um eine GAP, die auch in Zukunft Verlässlichkeit schafft – für unsere Bäuerinnen und Bauern, für unsere ländlichen Räume und für ein starkes, solidarisches Europa.

Demeter:

Gerade in Zeiten knapper Kassen ist es umso wichtiger, die verfügbaren Gelder gezielt einzusetzen. Jetzt ist der Moment, die GAP zukunftsfähig zu gestalten – mit einem starken Öko-Budget und weniger Bürokratie. Das europäische Agrarbudget ist der Hebel für mehr Bio, mehr Nachhaltigkeit und mehr Zukunft auf unseren Feldern. Dafür muss aber klar sein: Wer mehr für die Umwelt leistet, erhält auch mehr Unterstützung. Es braucht verbindliche Zusagen, damit die europäischen Landwirtinnen und Landwirte mit den gegebenen Rahmenbedingungen planen können. Gerade in Zeiten knapper öffentlicher Mittel müssen die Anreize gezielt dort ankommen, wo sie echte Wirkung entfalten – etwa im ökologischen Landbau, der genau diese gesellschaftlichen Leistungen tagtäglich erbringt.

Die Europäische Union hat schon in ihren Anfängen erkannt, dass Agrarpolitik am besten gemeinsam funktioniert. Das war und ist eine ihrer großen Stärken. Doch wenn künftig jeder Mitgliedstaat seinen eigenen nationalen Plan schreibt und eigenständig über die Verteilung der EU-Agrarmittel entscheidet, stellt sich die Frage: Wo bleibt dann das Gemeinsame in der ‚Gemeinsamen Agrarpolitik’? Und wie wird verhindert, dass der Wettbewerb unter Mitgliedsstaaten um die günstigsten Produkte auf Kosten von Umweltleistungen weiter verschärft wird? 

Wir begrüßen es, wenn unnötige Bürokratie abgebaut wird und die Mitgliedstaaten mehr Gestaltungsspielraum erhalten. Aber diese neue Flexibilität darf nicht auf Kosten gemeinsamer europäischer Ziele gehen. Die GAP muss auch in Zukunft eine gemeinsame Richtung verfolgen – für mehr Nachhaltigkeit, mehr Klima- und Umweltschutz und mehr Zukunft auf unseren Höfen. 

Dazu braucht es klare Leitplanken und eine zweckgebundene Mittelverwendung für Umwelt- und Klimamaßnahmen. Denn nur wenn die Politik die richtigen Rahmenbedingungen setzt, können die Landwirtinnen und Landwirte ihren Beitrag zur Transformation der Landwirtschaft leisten – und dabei auf faire Wettbewerbsbedingungen und langfristige Planungssicherheit bauen." Jörg Hütter, politischer Sprecher von Demeter.

Bioland:

Der gesamte Vorschlag ist ein großer Schritt rückwärts. Nicht weil die EU einen neuen flexibleren Haushalt braucht, das tut sie. Mit dem Vorschlag wird das bewahrt, was sich ändern muss: die flächenbezogenen Direktzahlungen. Für landwirtschaftliche Betriebe ist kein klarer Entwicklungspfad mehr zu erkennen. Denn es wird in den Nebel nationaler Prioritäten geschoben, was Wissenschaftler, der Strategische Dialog und auch die Zukunftskommission Landwirtschaft seit Jahren stärken wollen: eine planbare und ausfinanzierte Honorierung der Landwirte für Umwelt- Klima und Tierschutzleistungen. Nachhaltiges Wirtschaften muss auskömmlich sein. 

Richtig ist, dass Agrar-Kommissar Hansen hinter dem Ökolandbau steht und dieser ein fester Teil der europäischen Strategie bleibt. Richtig ist, dass Junglandwirte stärker gefördert werden und dass agrarstrukturelle Komponenten mehr Berücksichtigung finden. Was fehlt ist Verbindlichkeit für die Mitgliedsstaaten im gesamten EU-Binnenmarkt. Wichtig ist, dass es zwischen den Staaten keinen Wettbewerb nach unten gibt. 

Dem aktuellen GAP-Entwurf mangelt es aber an klaren Verpflichtungen für die EU-Länder, die Unterstützung des Ökolandbaus in ihren nationalen und regionalen Plänen (NRPs) ausreichend zu finanzieren. Weder gibt es verbindliche Ziele noch eine zweckgebundene Finanzierung oder Schutzmechanismen gegen Rückschritte bei der Förderung. Auch eine Verknüpfung mit dem EU-Aktionsplan für den Ökolandbau ist notwendig. Mit Wegfall der zweiten Säule und der Strategieplanverordnung entsteht so eine Lücke der nationalen Beliebigkeit, die dringend geschlossen werden muss. 

Für Betriebe und auch für die Verbraucherinnen ist es gerade in Zeiten von Umbrüchen wichtig, über stabile und einfache, funktionierende Konzepte Orientierung zu haben. Der Ökolandbau bietet genau das: verlässliche und resiliente Strukturen und ökonomische Perspektiven.  

Wir fordern die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten auf, die Anerkennung des Ökolandbaus in der zukünftigen GAP nicht nur zu benennen, sondern mit konkreten, verpflichtenden Maßnahmen zu unterlegen. Das ist die Voraussetzung, damit die GAP zur Triebkraft für eine zukunftsfähige, klimaresiliente und faire Landwirtschaft werden kann, die auch in Zukunft unserer Ernährung sichert."
Jan Plagge, Präsident von Bioland

Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW):

Mit der neuen GAP gibt die EU-Kommission ihre Verantwortung für den Ernährungssektor auf. Kommissar Christophe Hansen kündigt ‚Evolution statt Revolution‘ an, als litte der Sektor nicht längst unter Disruptionen, die ein ‚Weiter so‘ unmöglich machen. Angekündigt hatte Hansen in seiner Vision zwar richtigerweise einkommenswirksame Anreize für Agrarumweltleistungen. Doch im stark geschrumpften neuen GAP-Haushalt droht dieses Versprechen zwischen pauschalen Flächenprämien und nötigen Mitteln für Junglandwirte unterzugehen. Statt der Klima-Krise durch eine resiliente Landwirtschaft vorzubeugen, streckt Hansen der Gefahr seine ‚Crisis Bazooka‘ entgegen, ein 6,3-Milliarden-Euro-Topf. Allein die Flutkatastrophe im Ahrtal hat Schäden von mehr als 40 Milliarden Euro verursacht. Hansens Bazooka ist daran gemessen nicht mehr als eine Wasserpistole. 

Was ist aus Europas Farm-to-Fork-Strategie geworden, die gute Ernährung und eine insektenfreundliche Landwirtschaft klug zusammen dachte? Der einzige Weg, um fruchtbare Böden und gute Ernten auch für künftige Generationen zu sichern, ist eine vielfältige Landwirtschaft. Der Ökolandbau schafft es, dem wachsenden Schädlingsdruck und Trockenheit mit innovativer Vielfalt standzuhalten, ohne chemisch-synthetische Pestizide und gewässerschädigender Überdüngung. Europas Bürgerinnen und Bürger sollen künftig für eine Ernährungspolitik zahlen, die zu weniger statt mehr Ernährungssicherheit führt. 

Deutsche Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern, Bio-Verarbeiterinnen und Bio-Händler fordern die Regierung auf, ihrer gewachsenen Verantwortung für den Sektor gerecht zu werden, nachdem Brüssel diese nun an Berlin delegiert. Bio ist das einzige Segment, das im Lebensmittelsektor boomt. Rund 380.000 Menschen arbeiten für Bio, vorwiegend im ländlichen Raum – mehr als in der Chemieindustrie! In ihrem Namen ermahnen wir Rot-Schwarz an das Koalitionsversprechen, verlässliche Rahmenbedingungen für den Umweltschutz, für Tierwohl und Klimaschutz im Agrarsektor zu schaffen." Tina Andres, Vorstandsvorsitzende des BÖLW

Quellen: Pressemitteilungen von Demeter, Bioland und BÖLW


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