Bio im Alltag


Grillkohle: Ohne Tropenholz grillen

Fleisch auf dem Grill. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Umweltbewusst grillen mit Biofleisch und Bioholzkohle. Foto: Nero

Beim Kauf von Grillkohle sollte man genau hinschauen, denn fast in jeder zweiten Grillkohle steckt Tropenholz. Aufdrucke wie "kein Tropenholz" oder "aus natürlicher Herkunft" garantieren keine tropenwaldfreie Kohle. Umweltfreundlicher grillen lässt sich mit Olivenkernen und Co. und seit kurzen auch mit einer biozertifizierten Holzkohle aus heimischen Wäldern.

Grüner Regenwald mit braunen Flecken. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Immer mehr Kahlstellen im brasilianischen Regenwald. Quelle: Greg Armfield, WWF-UK-web

Die Deutschen sind heiß aufs Grillen und verfeuern dafür jährlich rund 250.000 Tonnen Holzkohle. Die stammt vor allem aus Polen, Paraguay, Nigeria und der Ukraine. Die Umweltorganisation WWF hat 36 Grillkohlen auf ihre Holzart und Herkunft analysiert. Das traurige Ergebnis: 61 Prozent der getesteten Produkte sind risikobehaftet, weil sie zum Beispiel aus Regionen mit einem umfangreichen illegalen Holzeinschlag stammen oder die verwendeten Hölzer falsch deklariert wurden. In fast jedem zweiten Produkt fanden die Umweltschützer Tropenholz.

WWF Marktanalyse-Holzkohle 2018 - WWF Deutschland (PDF-Dokument)

"Unsere Analysen belegen, dass die Produktion von Grillkohle zu einem erheblichen Teil auf Raubbau an den Wäldern basiert", kritisiert Johannes Zahnen, Holzexperte des WWF Deutschland. Besonders bedenklich sei der hohe Anteil an nicht-zertifiziertem Tropenholz: "Mit der Zerstörung der Tropen verlieren wir die artenreichsten Lebensräume der Erde und zugleich unsere wichtigsten Verbündeten beim Klimaschutz. Wir können nicht zulassen, dass der heimische Grill zum Scheiterhaufen des tropischen Regenwaldes wird."

Besser grillen mit zertifizierten Hölzern

Stamm mit rotem FSC-Aufkleber. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Das FSC-Siegel sollte auch bei Kohle Pflicht sein.
Quelle: Jürgen Freund, WWF-web

Bei konventionellen Kohlen sollten wir zumindest auf das Siegel des Forest Stewardship Council (FSC) achten. Das Siegel soll gewährleisten, dass alle Rohstoffe aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammen. Dennoch hat der WWF selbst in Produkten mit solchen Umweltsiegeln falsch dekorierte Hölzer gefunden. Holzkohleprodukte unterliegen nicht der EU-Holzhandelsverordnung, Importe werden also nicht kontrolliert. Trotz dieser Schwächen bietet das FSC-Siegel eine erste Orientierung. Das auf der Verpackung häufig zu findende DIN-Prüfzeichen sagt dagegen nichts über die Herkunft der Hölzer aus. Es zeigt an, dass die Holzkohle keine Schadstoffe wie Pech, Erdöl oder Kunststoffe enthält.

Bioholzkohle aus heimischen Hölzern

Freiluftgrillen vor VW-Bus. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Wenn schon in der Natur grillen, dann mit Holzkohle aus heimischen Hölzern. Quelle: Nero GmbH

Bioholzkohle stammt aus ökologischer Forstwirtschaft. "Unser Holz kommt aus von Naturland zertifizierten, nachhaltig bewirtschafteten Wäldern, beispielsweise aus dem Stadtwald von Saarbrücken. In diesen Wäldern gibt es keinen Kahlschlag und keine Pestizide", erklärt Aaron Armah, Geschäftsführer der Nero GmbH. Das Augsburger Start-up hat 2018 die erste biozertifizierte Grillkohle auf den Markt gebracht. Für eine hochwertige Holzkohle eignen sich am besten heimische Harthölzer mit hoher Dichte wie Buche, Eiche und Ahorn. Um der Möbelindustrie keine Konkurrenz zu machen, landen nur naturbelassene Resthölzer in der Kohle. Darüber hinaus sollte der Energieverbrauch bei der Herstellung so gering wie möglich sein. "Wir produzieren unsere Kohle in einem für Umweltschutz und Nachhaltigkeit prämierten Holzkohlewerk in Frankreich. Hier wird aus überschüssiger Energie sogar noch Ökostrom für 10.000 Haushalte gewonnen", versichert Aaron Armah.

Kohle aus Kokosschalen, Olivenkernen und Weinreben

Glühende Maisspindeln. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Maiskohle lässt sich leicht zum Glühen bringen. Quelle: Maister

Ganz ohne Holzkohle grillen lässt sich mit einem Elektro- oder Gasgrill und mit Abfallprodukten aus der Natur. Dazu gehören Grillbriketts aus Olivenkernen und Kokosschalen. Die gibt es bereits in vielen Naturkostläden. Besonders Olivenbriketts brennen schnell und gut. Sie kommen anders als die Kokosprodukte aus Europa. Aus deutschen Landen gibt es zudem getrocknete Weinstöcke (Rebenglut) und Maiskohle. Bei der Maiskohle werden die Maisspindeln – Maiskolben ohne Körner – verkohlt. In Wachs getränkte Maisspindeln eignen sich als Anzünder.

Hersteller von Maiskohle: Maister BBQ 

Allerdings seien auch die Alternativen nicht automatisch gut, gibt der WWF zu bedenken. Beispielsweise wenn für eine neue Kokosplantage der Naturwald geopfert wird. Oder die Agrarprodukte mit viel Chemie angebaut würden. Dennoch braucht bei dieser großen Auswahl an Alternativen niemand mehr Holzkohle aus den Tropen. 


Letzte Aktualisierung: 30.04.2019