Bio im Alltag


Gibt es zertifizierte Naturkosmetik?

Demeter-Logo
Beim Demeter-Label können Sie sicher sein, echte Naturkosmetik zu bekommen.

Naturkosmetik, aber auch naturnahe Kosmetikprodukte, werden bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern immer beliebter. Marktforscher beobachteten in den vergangenen Jahren einen kräftigen Zuwachs. Für den Boom sorgen nicht zuletzt die Eigenmarken von Drogerien, allen voran die Serie Alverde von dm, die preiswerte Naturkosmetik bieten.

So ist es kein Wunder, dass viele bekannte Kosmetikmarken, wie Nivea, CD oder Florena, auf den Zug aufspringen und ihre Produkte durch den Zusatz von Biozutaten oder Pflanzenstoffe ebenfalls ein bisschen grüner machen möchten. Die Anforderungen von zertifizierter Naturkosmetik erfüllen diese Produkte in der Regel aber nicht.

Echte Naturkosmetik

Doch woran ist echte Naturkosmetik zu erkennen? Die Sache ist verzwickt. Denn die Begriffe Naturkosmetik, natürlich oder Bio sind bei Kosmetika gesetzlich nicht geschützt. Daher zertifiziert gleich eine ganze Reihe von Siegeln echte Naturkosmetik. In Deutschland sind es meist die Zeichen NaTrue, BDIH Kontrollierte Naturkosmetik (BDIH = Bundesverband Deutscher Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzung und Körperpflege), Ecocert und Demeter.

Label Naturkosmetik
Bei diesen Label können Sie sicher sein, echte Naturkosmetik zu bekommen. Der Bioanteil variiert.

Diese vier gängigen Label garantieren echte Naturkosmetik. Sie sind frei von synthetischen Fetten, Duft- und Farbstoffen, ohne Gentechnik und ohne Tierversuche entwickelt. Stattdessen stecken in der Naturkosmetik natürliche Rohstoffe, wie pflanzliche Öle, Fette und Wachse, Kräuterextrakte und Blütenwässer oder ätherische Öle und Aromen aus kontrolliert biologischem Anbau oder Wildsammlung. Zudem spielen die ökologische Verträglichkeit jedes Produktes, also umwelt- und ressourcenschonende Herstellungsverfahren, die optimale Abbaubarkeit von Rohstoffen sowie der sparsame Einsatz recycelbarer Verpackungsmaterialien eine wichtige Rolle.

In "herkömmlicher Kosmetik" werden häufig synthetische Stoffe eingesetzt, die auf den ersten Blick Haare und Haut seidig und geschmeidig machen (Paraffine, Silikone), das Produkt konservieren (halogenorganische Verbindungen) oder als Emulgator Fett und Wasserphase verbinden (PEG/PEG-Derivate). Diese Stoffe können der Haut gegebenenfalls schaden, sie durchlässiger machen für Schadstoffe oder etwa Allergien auslösen. Einige stehen sogar im Verdacht, Krebs auszulösen oder wie Hormone zu wirken. Welche Stoffe in Naturkosmetik tabu sind und warum, können Interessierte beispielsweise auf dem Portal www.naturalbeauty.de nachlesen.

Zertifizierte Naturkosmetik – am Label zu erkennen

Frau mit geschlossenen Augen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Aloe vera ist wegen ihrer wundheilenden und feuchtigkeitsspendenden Wirkung ein oft verwendeter Rohstoff für Naturkosmetik-Produkte. Foto: Thomas Stephan, BLE

Verbraucherinnen und Verbraucher sollen wissen: Naturkosmetik ist nicht automatisch Bio. BDIH und NaTrue erlauben beispielsweise auch Produkte ganz ohne Bioanteil. Wer wissen möchte, ob und wie viele Biorohstoffe im Produkt stecken, kann sich im Kleingedruckten auf der Verpackung oder im Internet über die Einzelheiten im jeweiligen Produkt informieren.

Immerhin: Für BDIH-zertifizierte kontrollierte Naturkosmetik gibt es eine Liste von 15 Rohstoffpflanzen, die nur in Bioqualität genutzt werden dürfen, zum Beispiel Olive und Ringelblume. Um sicherzustellen, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher korrekte Informationen über die Bioqualität erhält, lässt der BDIH auch die Bioauslobung überprüfen. Die Hersteller sind verpflichtet, hierbei eindeutige Regeln einzuhalten. So darf ein Produkt der kontrollierten Naturkosmetik nur dann als Bio bezeichnet werden, wenn der Bioanteil mindestens 95 Prozent beträgt.

Bei NaTrue-zertifizierten Produkten wird nach drei verschiedenen Qualitätskategorien unterschieden: Naturkosmetik, Naturkosmetik mit Bioanteil (70 Prozent und mehr) und Biokosmetik (95 Prozent und mehr). Welche Stufe die Produkte erreichen, kann im Internet nachgelesen werden, manchmal ist es auch auf der Verpackung deklariert. Es gibt genaue Vorgaben, wie hoch der Gehalt an Naturstoffen sein muss und wie hoch der Gehalt an naturnahen Stoffen (natürliche Inhaltsstoffe mit chemischen Verfahren behandelt) sein darf - sortiert nach Produktgruppen und den verschiedenen Zertifizierungsstufen. Je nach Zertifizierungsstufe steckt also unterschiedlich viel Bio in den NaTrue-gelabelten Produkten.

Auch bei den Labeln Demeter und Ecocert handelt es sich um echte Naturkosmetik. Die individuellen Vorschriften können Interessierte auf den jeweiligen Webseiten nachlesen.

Tipp: Wer im Naturkostfachhandel einkauft, kann sicher sein, echte Naturkosmetik zu bekommen. Denn alle Geschäfte, die zum Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) gehören, haben seit 2013 nur noch zertifizierte Naturkosmetik im Sortiment.