Einkaufsstrategien im LEH

Einkaufsstrategien im Lebensmitteleinzelhandel (LEH)

√úber den deutschen Lebensmitteleinzelhandel werden knapp 60 Prozent der Biolebensmittel verkauft. Wie und in welchem Umfang das Bio-Sortiment bei Ketten angeboten wird, ist sehr unterschiedlich: Von rund 50 Bio-Artikeln bis zu mehreren Hundert, von ausschlie√ülichen Handelsmarken √ľber Herstellermarken bis zur Verbandsware findet sich alles. So unterschiedlich wie das Sortiment sind auch die Einkaufsstrategien der Ketten. Oekolandbau.de stellt im Rahmen eines Interviews die Einkaufsstrategie der regionalen Supermarktkette "tegut‚Ķ" vor.

290 Supermärkte und Nahversorger in sechs Bundesländern mit Schwerpunkt in Hessen, mehr als 20.000 Artikel, davon mehr als 3.000 Bio-Artikel, ein Bio-Umsatzanteil von 36 Prozent, das sind die Eckdaten von tegut …. Christian Leuthner, Bereichsleiter Frische bei tegut…, erläutert wie der Bio-Einkauf im Lebensmitteleinzelhandel funktionieren kann.

Oekolandbau.de: Herr Leuthner, haben Sie bei der Versorgung mit Biolebensmitteln Rohstoffengpässe?

Herr Leuthner: Nein, zur Zeit keine nennenswerten, durch die enge Zusammenarbeit mit den Landwirten und Verarbeitern k√∂nnen wir die ben√∂tigten Mengen langfristig planen. Wir bieten den Landwirten und Verarbeitern bis zu dreij√§hrige Abnahmevertr√§ge an. Durch enge Absprachen entwickeln alle Seiten Verst√§ndnis f√ľreinander. Somit sind wir sicher, die Waren zu bekommen, aber auch f√ľr die Landwirte und Lieferanten sind wir eine sichere Bank. Nur die Witterung und die damit verbundene Ernten lassen sich bekanntlich nur sekund√§r planen. Die enge Zusammenarbeit zwischen Landwirten, Verarbeitern und H√§ndlern ist die Basis f√ľr unsere Rohstoffsicherung. In diesem Dreieck bewegen wir uns.

Oekolandbau.de: Andere Handelsketten, insbesondere die Discounter schreiben immer neu aus, sodass die Anbieter und Lieferanten stetig wechseln. So k√∂nnen sie immer am kosteng√ľnstigsten anbieten.

Herr Leuthner: Ja, au√üerdem haben sie die entsprechende Kostenmatrix im Hintergrund. Es passiert ab und an, dass Kunden mit einer Aldi-Packung Lyoner zu uns kommen, und fragen, warum es dort so g√ľnstig ist, bei uns aber deutlich teurer. Wir versuchen in solchen Gespr√§chen den Unterschied zwischen EU-Bio und Verbandsware zu erkl√§ren und auf unsere ausgepr√§gte, partnerschaftliche Zusammenarbeit mit unseren Landwirten zu verweisen. H√§ufiger Lieferantenwechsel ist nicht unsere Unternehmensstrategie. Unsere Aufgabe ist es, die Verbraucher zu Informieren und aufzukl√§ren. Das wird immer komplizierter, je mehr Verbandsware auch in den Discountern zu finden ist. Auch f√ľr die Verbraucher wird es immer schwieriger, verschiedene Bio-Qualit√§ten und Label zu unterscheiden. Aldis Werbekampagne "Bio f√ľr alle" ist tats√§chlich so gemeint, und dabei haben die Landwirte nicht unbedingt weniger Geld in der Tasche, da auch die Verarbeiter ihre Kosten anpassen.

Oekolandbau.de: Wie wirken sich Angebotsaktionen auf den Bioverkauf aus?

Herr Leuthner: Wir haben bei "tegut…" bei Fleisch zum Beispiel drei Qualitätsstufen: Preiseinstieg, unser konventionelles Premiumprogramm Landprimus und Bio. Wenn wir bei Bio eine Aktion fahren, greifen nicht etwa die Landprimus-Kunden verstärkt zu Bio, vielmehr sehen wir, dass weniger im Preiseinstieg gekauft wird. Es ist Geld vorhanden, der Wirtschaft geht es gut, und auch die Preiseinstiegskunden greifen, wenn in Aktion, verstärkt zu Bioprodukten.

Oekolandbau.de: Bio und Regional: Ist das bei einer regionalen Supermarktkette einfacher?

Herr Leuthner: In gewisser Weise ja, aber auch bei uns kommen nicht alle Produkte aus Hessen, Th√ľringen oder Nordbayern. Wir haben verschiedene regionale Produkte im Angebot, die sehr gut laufen, wie zum Beispiel Wurst- und Fleischprodukte vom Rh√∂ner Biosph√§renrind. F√ľr andere Produkte zeichnen wir ganz klar aus, wo sie herkommen. Beispielsweise beziehen wir unser Landprimus sowie unser Biogefl√ľgel aus der Bodenseeregion, haben dort auch gemeinsam mit der Firma Stauss Gefl√ľgel die "tegut..." Bio-Eigenmarke und die tegut...Landprimus Marke umgesetzt. Unsere Bioschweine kommen unter anderem aus Hessen. Die Landprimus Rinder dagegen kommen aus der Uckermark. Unser Motto dabei ist: Wissen, wo¬īs herkommt. Wenn wir den Kunden klar kommunizieren, woher die Ware stammt, und warum, werden die Produkte gern angenommen. Entscheidend ist ‚Äď wie so oft ‚Äď die Qualit√§t.

Oekolandbau.de: Kann Ihr Konzept der intensiven Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Verarbeitung und Handel f√ľr eine national agierende Supermarktkette funktionieren?

Herr Leuthner: Grunds√§tzlich spricht nichts dagegen. Partnerschaftliche Beziehungen bedeuten auch f√ľr und mit dem Partner Verantwortung im Sinne des Verbrauchers zu √ľbernehmen.


Letzte Aktualisierung 08.07.2018

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