Pfänder GbR in Kombination mit Pfänder Handels GbR

Pfänder GbR in Kombination mit Pfänder Handels GbR

Begründung der Jury für die Vergabe des Bundeswettbewerbs Ökologischer Landbau 2019

Die Pfänder GbR zeichnet sich im Bewerbungsbereich "Gesamtbetriebliche Konzeption" durch die folgenden Punkte als besonders preiswürdig aus:

  • Umstellung bereits vor über 30 Jahren
  • Pionier viehloser Biobewirtschaftung und Entwicklung einer Kleegraskompostierung
  • Gelungene Hofübergabe an die nächste Generation
  • Vermarktung von 850 Tonnen Gemüse, hauptsächlich regional über das bayerische Netzwerk "Unser Land". Der Großhandel hat nur geringe Bedeutung (10-15 Prozent)
  • Enge Zusammenarbeit mit Nachbarbetrieben
  • Integration innovativer Düngungskonzepte über Ackerbohnendirektsaat zur N-Düngung
  • Mitarbeit im Forschungsprojekt SOLMACC (vom FIBL/CH)
  • Gute Integration der Saisonarbeitskräfte

Der Betrieb Pfänder wirtschaftet bereits seit 1985 ökologisch. 1998 wurde die Milchviehhaltung aus ethischen Gründen eingestellt. Spätestens seit diesem Zeitpunkt engagiert sich Pfänder sen. als Pionier bei der Kompostierung von Kleegras. Dadurch wird der für viehlos wirtschaftende Betriebe zunächst einmal "nutzlose" Kleegrasaufwuchs nutzbar gemacht. Der viehlos wirtschaftende Biobetrieb erhält einen pflanzlichen Dünger, den er variabel in der Fruchtfolge einsetzen kann.

2017 wurde die Pfänder GbR vom Vater Johann an die nachfolgende Generation übergeben, an seine Söhne Johannes und Florian mit ihren Partnerinnen. Tochter Silvia ist angestellt und hat die Verantwortung für den Feingemüsebau. Senior Johann Pfänder nimmt sich langsam ein wenig zurück, seine Erfahrung bleibt dem Betrieb aber erhalten. Auch nach der Übergabe wirtschaftet der Betrieb weiterhin viehlos.

Seit 2006 besteht eine enge Kooperation mit der Solidargemeinschaft "Unser Land". Ziel der Gemeinschaft ist es, die Erzeugnisse einer Region möglichst regional zu vermarkten. Da dies trotz steigender Umsätze von derzeit rund 1,2 Millionen Euro weitgehend gelingt, wird nur ein relativ geringer Anteil der Ware von 10 bis 15 Prozent über den Öko-Großhandel vermarktet. Drei Nachbarbetriebe sind über die Verarbeitung und Vermarktung von Karotten beziehungsweise Kohl eingebunden. Um die Fruchtfolge zu entlasten, arbeitet der Pfänderhof zwecks Flächentausch auch mit weiteren benachbarten Biobetrieben zusammen.

Eine im Jahr 2016 in Betrieb genommene Erweiterung der Lager- und Aufbereitungshalle inklusive Kühlkapazität sind eine wesentliche Voraussetzung dafür. Teilweise wird Gemüse geschält, geschnitten und vakuumiert und an Kantinen verkauft. So kann zum Teil auch Zweite-Wahl-Gemüse sinnvoll und gewinnbringend verwertet werden.   

Basis für diese erfolgreiche Betriebsentwicklung ist der erfolgreiche Gemüsebau, basierend auf einer ausreichenden Flächenausstattung, innovativen Anbausystemen und einer sorgfältig umgesetzten betriebseigenen Kompostierung. In den Kompost fließen neben betrieblichen Gemüseabfällen (20 Prozent) und Waschschlamm (30 Prozent) auch das betriebseigene Kleegras (30 Prozent) sowie Stroh und Pferdemist (20 Prozent) eines benachbarten Biobetriebes ein. Zugekauft werden darüber hinaus Grünschnittkompost sowie Bio-Agenasol, ein rein pflanzlicher Dünger auf der Basis von Schlempe, Restmelasse und Vinasse. Insgesamt werden 55 Hektar bewirtschaftet, davon 25 Hektar Gemüse (20 verschiedene Kulturen) und 5 Hektar Kartoffeln. Dazu kommen veschiedene Getreidearten wie Hafer, Dinkel und Weizen. Wo immer möglich werden Zwischenfrüchte wie Sommerwicke, Erbse, Buchweizen, Lein oder Malve eingesät. Durch den für einen Gemüsebaubetrieb relativ hohen Kleegrasanteil und eine weitgestellte Rahmenfruchtfolge mit Getreide und Kartoffeln ist der Krankheitsdruck verhältnismäßig gering.

Durch die seit 2013 bestehende Beteiligung des Betriebes an dem EU-Forschungsprojekt SOLMACC wurde auf 19 Hektar eine reduzierte Bodenbearbeitung und Untersaaten im Direktsaatverfahren in den Kulturen (Winterweizen, Hafer, Dinkel, Klee und Gründüngung) getestet, wodurch ein Beitrag zur Reduzierung des Verbrauchs fossiler Brennstoffe geleistet wird. Der Betrieb erhöhte den Leguminosenanteil auf ein Viertel der gesamten Ackerfläche durch Aufgabe des Maisanbaus (13 Hektar). Durch die damit verbundene höhere N-Fixierung auf der Ackerfläche reduziert sich der Düngemittelbedarf in den Folgejahren. Die Kompostierung von Gründüngung trägt dazu bei, die Methan- und Lachgas-Emissionen im Vergleich zu den Emissionen einer Halde zu reduzieren.

Bis zu 30 Saisonarbeitskräfte sind auf dem Betrieb tätig. Sie wohnen in der alten Hofstelle und sind integrativer Bestandteil des Hofgeschehens. Zwei Hauswirtschaftsmeisterinnen kochen die Woche über gemeinsam für die Familie und alle Mitarbeiter.

Die Jury war tief beeindruckt von der gelassenen Professionalität der jungen Betriebsleiterfamilien. Ganz offenkundig ist der Generationenwechsel im Zuge eines sanften Überganges weitgehend vollzogen. Gemeinschaftlich und offenbar auch rechtzeitig wurden die notwendigen Investitionen auf den Weg gebracht, auch eine größer werdende Mehrgenerationen-Familie zu ernähren. Gleichzeitig werden dabei noch Betriebe aus der Region mitgenommen. Der Betrieb Pfänder ist ein gelungenes Beispiel für die enorme Entwicklung, die viele Pionierbetriebe des ökologischen Landbaus in den letzten Jahrzehnten genommen haben.


Letzte Aktualisierung 24.01.2019

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