Landwirtschaft


Biogaserzeugung im ökologischen Landbau

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Entwicklung des Bestandes und installierter elektrischer Leistung der im BioBiogasmonitoring erfassten Biogasanlagen in Deutschland (n = 144) Quelle: Universität Kassel, FG Betriebswirtschaft

Die Entwicklung der Biogaserzeugung im ökologischen Landbau geht auf die frühen 1980er Jahre zurück. Vor allem in regionalen Initiativen, wie der baden-württembergischen "Bundschuh-Genossenschaft", begannen Ökolandwirte, mit alternativen Formen der Strom- und Wärmeerzeugung zu experimentieren und entwickelten erste Hofbiogasanlagen. Bis in die späten 1990er Jahre hinein blieb die Biogaserzeugung ein Aktivitätsfeld experimentierfreudiger Landwirte, die eigene Biogaskonzepte entwickelten.

Aufgrund der Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und vor allem mit der Novellierung im Jahr 2004 entstand ein regelrechter Boom beim Bau von Biogasanlagen auf Ökobetrieben. Die Anzahl von Biogasanlagen auf Ökobetrieben stieg von 2004 bis 2011 durchschnittlich um rund zehn Prozent pro Jahr, bevor mit der EEG-Novelle 2012 der Anlagenzubau stagnierte. Gleichzeitig erhöhte sich die installierte elektrische Gesamtleistung im Schnitt um jährlich rund 23 Prozent. Mit geschätzten 180 bis 200 Biogasanlagen im Jahr 2014 befanden sich gut zwei Prozent aller Biogasanlagen auf ökologisch wirtschaftenden Betrieben. Gemessen an der installierten elektrischen Leistung betrug der Leistungsanteil der BioBiogasanlagen etwa 0,8 Prozent der gesamten in Deutschland installierten Leistung.

Wo befinden sich BioBiogasanlagen in Deutschland?

Übersichtskarte zu Standorten von Biogasanlagen in Deutschland. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Standorte von Biogasanlagen auf ökologischen Betrieben in Deutschland Quelle: Universität Kassel, FG Betriebswirtschaft

Mittlerweile gibt es in fast allen Bundesländern Biogasanlagen auf Ökobetrieben. Ein deutlicher Schwerpunkt der Biogaserzeugung befindet sich in Süddeutschland: Fast 70 Prozent aller Anlagen liegen in Baden-Württemberg und Bayern. Aufgrund der hohen Anzahl von kleinen und oft auch älteren Biogasanlagen in den beiden Bundesländern liegt der Anteil bei der installierten elektrischen Nennleistung jedoch nur bei etwa 61 Prozent.

In Nord- und Ostdeutschland sind verstärkt Anlagen mit mittlerer bis hoher Leistung in Betrieb genommen worden. In fünf Regionen, wie beispielsweise dem Wendland oder in Hohenlohe, finden sich Cluster mit sehr vielen Biogasanlagen. Dies ist vor allem historisch bedingt und hängt auch mit dem hohen Anteil an Ökobetrieben in diesen Regionen zusammen.

Installierte Leistung, Wärmenutzung und Stromerzeugung

Insgesamt betrug die installierte Leistung der BioBiogasanlagen in Deutschland im Jahr 2014 mindestens 30,8 MWel (Megawatt elektrisch). Zwischen 2000 und 2014 hat sich die Anzahl an BioBiogasanlagen mehr als verdoppelt; die installierte elektrische Leistung dagegen ist um den Faktor 14 gestiegen. Einerseits werden die neugebauten Anlagen auch im Ökolandbau größer beziehungsweise bestehende Anlagen werden erweitert, zum anderen werden Kleinstanlagen aus der Pionierzeit der Biogaserzeugung zunehmend stillgelegt. Während in den späten 1990er Jahren 98 Prozent aller BioBiogasanlagen eine Leistung von unter 75 kWel aufwiesen, betrug der Anteil in dieser Größenklasse 2014 lediglich noch  35 Prozent, und der Anteil der Anlagen mit mehr als 250 kWel bereits  27 Prozent.  Die durchschnittliche Leistung einer BioBiogasanlage betrug 2014 fast 233 kWel.

Ökobetriebe erzeugen mit ihren Biogasanlagen jedoch nicht nur Strom, sondern auch Wärme. Mit dieser sogenannten Abwärme wird nicht nur die Biogasanlage selber geheizt, um den Bakterien gute Wachstumsbedingungen zu geben, sondern sie wird auch anderen Wärmenutzungsmöglichkeiten zugeführt. So wird auf vielen Betrieben die Wärme in der betrieblichen Be- und Verarbeitung genutzt, zum Beispiel in Käsereien, Metzgereien und Trockeneinrichtungen. Oder die Wärme wird in kleine Nahwärmenetze eingespeist, um damit öffentliche Einrichtungen, Geschäfte oder Wohnhäuser zu heizen. Fast alle Ökolandwirte haben sich für ihre Biogasanlage Wärmenutzungskonzepte überlegt und nutzen große Anteile der produzierten Wärme sinnvoll.

Welche Betriebe betreiben eine Biogasanlage?

Moderne Biogasanlage. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Mit Biogasanlagen im Ökolandbau werden pro Jahr bis zu 250 Millionen Kilowattstunden elektrischen Stroms erzeugt. Foto: V. Anspach

Vor allem für Futterbau- und Gemischtbetriebe sind Biogasanlagen bisher interessant. Bei diesen Betrieben orientiert sich die Größe der Biogasanlage vielfach an dem betrieblichen Tierbesatz beziehungsweise der zur Verfügung stehenden Gülle und dem Festmist. Zunehmend werden Biogasanlagen aber auch auf reinen Ackerbaubetrieben installiert. Sowohl auf sehr viehstarken Betrieben als auch auf den reinen Ackerbaubetrieben können größere Biogasanlagen eine wichtige Bedeutung haben.

Bisher haben vor allem mittlere und große landwirtschaftliche Betriebe Biogasanlagen gebaut. Mehr als die Hälfte der Betriebe bewirtschaftet eine landwirtschaftliche Nutzfläche über 100 Hektar und betreibt eine Anlage mit einer durchschnittlichen elektrischen Leistung von etwa 300 kW. Kleinere und mittlere Betriebe investieren ebenfalls, realisieren dabei aber entweder kleine Hofbiogasanlagen oder schließen sich in Kooperationen mit Nachbarbetrieben zusammen.

Wie sieht die "Fütterung" einer BioBiogasanlage aus?

Die "Fütterung" einer Biogasanlage auf ökologischen Betrieben kann sehr vielfältig sein. Im Durchschnitt besteht die Substratzusammensetzung aus rund 48 Prozent Gülle und Festmist (inklusive Stroh und Silageabraum), 28 Prozent Kleegras- und Grünlandsilagen und 19 Prozent Maissilage. Die restlichen fünf Prozent bestehen aus Getreide-Ganzpflanzensilagen, Zwischenfrüchten und sonstigen Substraten wie Sudangras, Hirse und Sonnenblumen. Die Substratbasis ist damit vor allem im Vergleich zu konventionellen Betrieben sehr vielfältig.

Die innerbetrieblichen Leistungen

Weitere wichtige Aspekte der Biogaserzeugung im Ökolandbau können unter dem Begriff "innerbetriebliche Leistungen" zusammengefasst werden. Dabei wirkt sich die Verfügbarkeit eines hochwertigen Düngers in Form der Gärreste und die Möglichkeit zu neuen Düngemanagementstrategien besonders positiv hinsichtlich der Erträge aus. 85 Prozent der Landwirte berichteten von Ertragssteigerungen von mehr als zehn Prozent aufgrund der Gärrestdüngung, vor allem im Getreidebau und auf dem Grünland. Zum Teil erhebliche Ertragssteigerungen von mehr als 20 Prozent beobachteten immerhin rund 35 Prozent der Befragten. Auch hinsichtlich der Qualität scheint sich die Gärrestdüngung positiv auszuwirken. Ein großer Anteil der Betriebe berichtete von besseren Qualitäten, vor allem von höheren Proteingehalten im Getreide und von höheren Energiegehalten im Grünlandfutter. Negative Veränderungen, beispielsweise hinsichtlich des Humusgehalts, wurden bisher nicht berichtet.


Torsten Siegmeier und Benjamin Blumenstein

Universität Kassel
Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften,
Fachgebiet Betriebswirtschaft
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37213 Witzenhausen
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Das BioBiogasmonitoring der Universität Kassel wurde durch die Landwirtschaftliche Rentenbank finanziell unterstützt.

Letzte Aktualisierung: 10.02.2017