Bio-Beeren

Bio-Beeren für die Verarbeitung

Der Markt für frisches Bio-Beerenobst in Deutschland wächst. Und auch die Nachfrage nach Verarbeitungs- und Industrieware steigt. Regionale Wertschöpfungsketten sind im Aufbau. Häufig fehlt es an Frostereien, die auch kleine Mengen von Bio-Beeren verarbeiten können.

Beeren für deutsche Bioprodukte stammen überwiegend aus dem Ausland

Für die Tiefkühltheke im Einzelhandel (LEH) sind ausschließlich ganze Beeren gefragt. Der Großteil der Biobeeren für die Kühlung kommt aus Serbien, der Ukraine und der Türkei. Auch chinesische Beeren finden ihren Weg in die handelsüblichen 300-Gramm-Packungen der Tiefkühltheken des LEHs.

Einige Discounter haben 2019 vermehrt Bio-Tiefkühlbeeren ins Sortiment genommen. Dadurch sind die Verkaufsmengen deutlich gestiegen und die Preise gesunken. Die Einlistung von Tiefkühlobst in Bio-Qualität hat die Absatzmengen vor allem bei Aldi deutlich beflügelt. Auch Lidl zieht mit ökologischem Beerenobst, vorrangig Bio-Himbeeren, in der Tiefkühltruhe nach. Bio-Heidelbeeren bleiben eher eine Ausnahme im Sortiment.

Deutsches Bio-Obst wird für Tiefkühlprodukte relativ selten verwendet, da das inländische Angebot gering und die Konkurrenz aus anderen Produktionsländern sehr groß ist. Kostengünstige Arbeitskräfte pflücken dort das empfindliche Obst mit der Hand. 

Für die hiesigen Landwirtinnen und Landwirte lohnt sich vor allem der Bio-Beerenobstanbau für den Frischmarkt. Der Anbau von Beerenobst für die Verarbeitung muss von Anfang an eingeplant werden. Anders als bei Äpfeln ist es nicht möglich, für den Frischmarkt produzierte B-Ware für die Tiefkühlung zu verwenden. Eine Himbeere, die faulig, zerdrückt oder klein und nicht gut durchgefärbt ist, kann auch in der Frostung nicht verwendet werden.

Peter Rolker, Geschäftsführer der Rolker Ökofrucht GmbH, hält es gerade bei den oftmals im Bio-Bereich kleineren Mengen für dringend erforderlich, dass die Partien von mehreren Betrieben zusammengefasst werden, wie er in der Aprilausgabe des Bioland-Magazins betonte. Dies sei laut Rolker jedoch nicht möglich, wenn die Kundinnen und Kunden für jede Partie auch eine vollständige Analytik verlangen. Wenn also mehr heimische Ware in die Läden gelangen sollen, müssten die Analytik-Regeln angepasst werden, verdeutlicht er.

Neben der Qualität der Früchte spielen auch zunehmend die Anbaubedingungen vor Ort eine Rolle. So rücken laut Lazaro Campuzano, zuständig für den Einkauf bei Demeter Felderzeugnissen, folgende Kriterien beim Rohstoffbezug in den Mittelpunkt:

  • Größe und Intaktheit der Früchte
  • Sortenwahl
  • Durchfärbung
  • Arbeitsbedingungen im Anbaugebiet (Unter anderem sind die Sozialstandards und hygienischen Bedingungen entscheidend)

Für die breite Palette an Bio-Tiefkühlprodukten benötigt Demeter-Felderzeugnisse eine große Menge an Rohstoffen. Eine eigene Frostung betreibt die Erzeugergemeinschaft jedoch nicht.  Die bereits schockgefrosteten Früchte in Bio-Qualität werden überwiegend im Ausland gekauft. Die inländische Beerenobstsaison ist kurz und die geringen Mengen reichen nicht aus, um eine Bio-Frosterei kostdeckend zu betreiben. Das Bio-Beerenobst stammt überwiegend vom Balkan, aus Polen und der Türkei. Allerdings steigen hier die Preise, da die aufwendige Handpflücke auch im Ausland nicht mehr so kostengünstig ist wie früher.

Neben Himbeeren, Brombeeren und Erdbeeren sind auch Heidelbeeren von Bedeutung für die Tiefkühlung. Oftmals stammen diese aus der Ukraine und Russland, wo es flächenmäßig große Wildsammlungen gibt. Hier sind für Demeter Felderzeugnisse die langjährigen Kontakte zu den Erzeugerinnen und Erzeugern vor Ort wichtig.

Tiefkühlobst für die Gemeinschaftsverpflegung

Demeter Felderzeugnisse beliefert auch die Bio-Gastronomie mit Tiefkühlware. Viele Kantinen, Gastronomie- oder Cateringunternehmen sind mittlerweile biozertifiziert und setzen täglich Bio-Tiefkühlprodukte ein. Bei dem tiefgekühltem Bio-Obstsortiment werden die Abpackungen für die Gastronomie in entsprechend größeren Einheiten angeboten. Hierbei handelt es sich um bis zu 10 Kilogramm Einheiten, aber auch Viererpacks mit je 2,5 Kilogramm-Beuteln sind im Angebot.

Regionale Verarbeitungsware ist interessant

Beim Verkauf von Bio-Beerenobst an Privathaushalte hat die Herkunft des tiefgekühlten Bio-Beerenobstes noch keine herausragende Bedeutung. Für Verarbeitungsbetriebe hingegen spielt sie durchaus eine Rolle. Egal, ob bei Marmelade, Saft, Joghurt oder Eis: Wenn auf der Verpackung "aus deutschen Landen" oder "aus regionaler Erzeugung" steht, ist dies ein Verkaufsargument und auch eine Möglichkeit für Bio-Hersteller, sich am Markt zu profilieren.

Um ein Regionalsiegel zu nutzen, muss bei verarbeiteten Erzeugnissen wie Fruchtjoghurt auf regionale Wertschöpfungsketten zurückgegriffen werden. Üblicherweise werden bei der Fruchtjoghurtzubereitung auch aus dem Ausland stammende Fruchtzubereitungen untergemischt. Das könnte aber auch ganz anders aussehen: Bei der Beerenobst-Ernte für den Frischmarkt fällt immer auch eine gewisse Menge an aussortiertem Obst an. Hierbei handelt es sich nicht um Früchte mit inneren Qualitätsmängel, sondern um den Bruch bei Ernte und Sortieren. Diese Früchte könnten, anders als bei den TK-Beeren, für die Herstellung von Joghurts oder Eis verwendet werden.

Wichtige Abnehmer für deutsches Bio-Beerenobst sind die milchwirtschaftlichen Unternehmen, allen voran die Joghurtproduzenten. Ein Beispiel für die Bio-Joghurtproduktion mit regionalen Rohstoffen ist der Fruchtjoghurt von Lobetaler Bio. Die Früchte für den Joghurt stammen aus deutschem Anbau und werden vollreif geerntet und direkt eingefroren. Auch Erdbeeren für den Fruchtjoghurt stammen aus Bio-Betrieben in Norddeutschland.

Die inländischen Bio-Beeren sind zudem für die Marmeladenproduktion enorm wichtig. Einige Hersteller wie Zwergenwiese und Maintal nehmen fast nur hiesiges Obst für ihre Marmeladen. Auch andere Marmeladenhersteller suchen nach einem inländischen Angebot. Für Bio-Saft spielen in der Regel nur schwarze Johannisbeeren eine Rolle.

Kooperationen fördern Absatzwege

Bei der Ernte von Himbeeren beispielsweise werden die beschädigten Früchte aussortiert, da sie für den Frischmarkt nicht geeignet sind. Hier setzt die Marktgesellschaft der Naturland Bauern AG an und sucht noch zuverlässige Verarbeitungsunternehmen, die kleine Chargen aus aussortierten Bio-Beeren professionell frosten. Die aussortierte Ware kann von den Landwirtinnen und Landwirten direkt in die Kühlung gegeben werden. Diese haben die Betriebe ohnehin für die schnell verderblichen Früchte vor Ort. Ein Verarbeitungsunternehmen kann die Früchte hier abholen und schockfrosten. Damit wird der Ausschuss des Bio-Beerenobsts reduziert und die innerlich einwandfreien Beeren noch sinnvoll weiterverwendet.

Vermarktungsinitiative Beerenobst

Um die Anbaubetriebe besser mit Handels- und Verarbeitungsunternehmen zu vernetzen, wurde 2019 eine Vermarktungsinitiative von ökologischen Beerenobstbäuerinnen und -bauern aus Baden-Württemberg gegründet. Auf einer Online-Plattform sollen alle Beerenarten erfasst werden. Ziel ist es, die Anbaustrategien bei Himbeeren, Brombeeren und Johannisbeeren zu verbessern. Zusätzlich sollen die Vermarktung und Verarbeitung von Bio-Beerenobst gefördert werden. Die Nutzerinnen und Nutzer der Plattform können sich in einem Forum über ihre Erfahrungen und Strategien austauschen.

Die Initiative geht von einer Gruppe von Landwirtinnen und Landwirten aus, zusammen mit der LVWO (Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg), der FÖKO (Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau e.V.) und den Beratungsdiensten Ökologischer Obstbau e.V. und NüPA (Nützlingseinsatz Pflanzengesundheit Anbausysteme GmbH).


Letzte Aktualisierung 28.05.2020

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