Convenience-Produkte

Convenience-Produkte – bequemes Bio-Essen boomt

Der Absatz von Fertigprodukten stieg in den vergangenen Jahren stetig an. Verarbeitende Betriebe müssen sich daher am Markt gegen viele Wettbewerber behaupten. Dies kann durch verschiedene Alleinstellungsmerkmale gelingen.

Convenience-Produkte – abgeleitet aus dem Englischen für Bequemlichkeit oder Zweckmäßigkeit – sind beliebt wie nie. Der Absatz von Convenience-Produkten stieg in den vergangenen Jahren stetig an. Der Umsatz mit dieser Produktgruppe wuchs seit 2014 um über 40 Prozent. Zudem wird der Branche ein rosiger Ausblick prophezeit – ein jährliches Umsatzwachstum von gut drei Prozent ist zu erwarten. Auch im Bio-Bereich ist mittlerweile eine große Anzahl an Convenience-Produkten zu finden.

Fünf Fertigungsstufen bei Convenience-Produkten

Zu den Convenience-Produkten gehören Fertiggerichte wie Konserven und Tiefkühlkost, aber auch fertige Salate oder Smoothies.

Dabei weisen Convenience-Produkte verschiedene Verarbeitungsgrade auf. Man unterscheidet zwischen fünf Stufen:

  • Stufe I: Küchenfertig, zum Beispiel geputztes Gemüse oder zerlegtes Fleisch
  • Stufe II: Garfertig, zum Beispiel Teigwaren oder Tiefkühlgemüse
  • Stufe III: Aufbereitfertig, beispielsweise Instantsuppen oder Puddingpulver
  • Stufe IV: Regenerierfertig, zum Beispiel Fertiggerichte zum Aufwärmen
  • Stufe V: Verzehr-/Tischfertig, Speisen zum sofortigen Verzehr wie fertige Salate

Auf den Nährstoffgehalt kommt es an

Dabei gilt: Je höher der Grad der Verarbeitungsstufe, desto mehr wurde das Produkt verarbeitet. Mit steigendem Verarbeitungsgrad sinkt allerdings der Nährstoffgehalt der Lebensmittel. Produkte aus höher verarbeiteten Bestandteilen sind zwar schneller verzehrfertiger, weisen oftmals aber hohe Salz-, Zucker- und Fettgehalte auf. Im Bio-Bereich müssen verarbeitende Betriebe zudem auf viele Zusatz- und Hilfsstoffe verzichten. Verarbeitende Betriebe dürfen für Bio-Produkte nur rund 50 der zugelassenen Zusatzstoffe einsetzen. Einige Verbände wie Demeter oder Bioland sind sogar noch strikter.

Convenience-Angebot wird gesünder

Der begrenzte Einsatz von Zusatzstoffen fordert Bio-Verarbeitungsbetriebe zwar zusätzlich heraus, lässt sich aber dank der Marktentwicklung immer besser umsetzen. Laut Marktforscherin Nicole Hanisch ist der Trend zu "ready to cook" – vollwertige, gesunde Gerichte, die zu Hause nur noch erwärmt werden müssen – deutlich erkennbar. "Entscheidend für den Erfolg ist es, sich optimal auf die Wünsche der Verbraucher einzustellen. Im Fokus stehen aktuell Feinkost und Delikatessen in praktischen und angemessenen Portionsgrößen.", so Hanisch zum Magazin Lebensmittelpraxis. Verbraucherinnen und Verbraucher gehen außerdem immer bewusster einkaufen und suchen Alternativen zum klassischen Fast Food. Das Angebot an Convenience-Produkten ist daher frischer, gesünder und hochwertiger geworden. Das erleichtert es Bio-Verarbeiterinnen und -Verarbeitern, denn mit weniger oder sogar gar keinen Zusatzstoffen lassen sich auch gesündere Produkte herstellen.

Praxis-Tipps für verarbeitende Betriebe

Die nachfolgenden Praxis-Tipps zeigen verarbeitenden Betrieben, welche Herstellung oder Verarbeitung von Convenience-Produkten sich lohnen könnte.

  • Mehr Bio: Besonders im Bio-Bereich ist das Potenzial von Convenience-Produkten noch nicht ausgeschöpft. Der Trend zu gesunden und nachhaltigeren Produkten begünstigt ein größeres Angebot an Bio-Produkten.
  • Kurze Zutatenlisten und regionale Rohstoffe: Verwenden Sie möglichst regionale Produkte und weisen Sie das bei Ihren Produkten klar aus. Das schafft mehr Transparenz und Sie heben sich positiv von Mitbewerbern ab. Verzichten Sie außerdem möglichst auf Zusatzstoffe oder zu hohe Energie- und Zuckergehalte.
  • Verzicht auf überflüssigen Verpackungsmüll: Verbraucherinnen und Verbraucher achten immer mehr auf verpackungsarme Produkte, innovative Verpackungen können eine Möglichkeit für ein Alleinstellungsmerkmal Ihrer Convenience-Produkte sein.
  • Qualität und Feinkost: Qualität und Geschmack dürfen bei Convenience-Produkten keinesfalls zu kurz kommen. Verarbeitende Betriebe können daher besondere Gerichte als Delikatessen oder Feinkost anbieten und damit neue Zielgruppen ansprechen.
  • Regionale Wertschöpfungsketten aufbauen: Oft lohnt es sich auch, regionale Wertschöpfungsketten aufzubauen. So können beispielsweise unbeliebtere Teil- oder Abfallstücke beim Fleisch als fertige Convenience-Produkte aufgewertet oder alternativ verarbeitet werden.

Convenience weiter erfolgreich

Timo Burger, Geschäftsführer von Burgis Knödelliebe aus Neumarkt in der Oberpfalz, sieht neben neuen Herausforderungen weiterhin große Chancen für Bio-Convenience-Produkte. "Es sind nach wie vor die bestehenden Lieferengpässe, die herausfordernd sind. Außerdem müssen wir uns deutlichen Preissteigerungen bei Vorprodukten und Rohstoffen, den hohen Energiekosten und der Inflation stellen. Hinzu kommt auf der anderen Seite der Preisdruck vonseiten des Handels.", so Burger. Timo Burger sieht darüber hinaus besonders im Bio-Convenience-Bereich noch viel Potenzial: "Der Wunsch der Verbraucherinnen und Verbraucher geht eindeutig hin zu mehr Regionalität und Nachhaltigkeit. Wir begrüßen diese Entwicklung sehr, da für sämtliche unserer Knödelspezialitäten regionale Rohstoffe verwendet werden."


 

Entscheidungshilfen für verarbeitende Betriebe

Möchten verarbeitende Bio-Betriebe ihr Convenience-Angebot auf- oder ausbauen, sind folgende Überlegungen vorab hilfreich:

  1. Welche Produktgruppe möchte ich in welcher Verarbeitungsstufe herstellen?
  2. Welche Trends kann ich dabei nutzen?
  3. Welche Zielgruppe/n möchte ich dabei erreichen?
  4. Welche Verpackungsgröße(n) und welche Inhaltsstoffe kann ich demnach verwenden?
  5. Welche Zusatz- und Hilfsstoffe darf ich laut EU-Öko-VO einsetzen?
  6. Was sind die Alleinstellungsmerkmale/ Mehrwerte meines Produktes? Diese sind in der Marketingkommunikation herauszuheben.

Letzte Aktualisierung 23.01.2023

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