Öko-Modellregionen als Mittler zwischen Landwirtschaft und Verarbeitung

Öko-Modellregionen als Mittler zwischen Landwirtschaft und Verarbeitung

Regionale Produkte sind gefragt. Viele Bio-Verarbeitungsunternehmen würden ihre Rohstoffe gerne aus der Region beziehen, um dieser Nachfrage nachkommen zu können. Der Aufwand dafür kann sich jedoch als sehr groß herausstellen. Eine gute Hilfe bieten die Öko-Modellregionen, die sich als Mittler verstehen und vor allem Informations- und Überzeugungsarbeit übernehmen.

Verbraucherinnen und Verbraucher fragen vermehrt nach regionalen Produkten. Für Bio-Herstellerinnen und -Hersteller, die die Verbraucherpräferenz für regionale Produkte berücksichtigen, ergibt sich daraus ein großes Absatzpotential. Viele Bio-Verarbeiterinnen und -Verarbeiter engagieren sich bereits in regionalen Kooperationen, stoßen aber auch schnell an Grenzen. Manchmal benötigen sie spezielle Rohstoffe oder große Mengen und können deshalb nicht ohne weiteres mit regionalen Landwirtinnen und Landwirten kooperieren.

Um den Ansprüchen der Bio-Lebensmittelwirtschaft zu genügen, sollten beispielsweise bio-zertifizierte Lagerhäuser in Produktionsnähe zu finden sein. An Kooperationen interessierte Landwirtinnen und Landwirte gibt es zwar, leider sind die Betriebe aber oft zu klein, um die geforderten Rohstoffmengen zu liefern. Der Aufwand, regionale Waren über kleinere Chargen verschiedener Erzeugerinnen und Erzeuger einzukaufen, lohnt sich oft für den Bio-Herstellenden nicht. Manchmal scheitert es aber auch einfach daran, den Kontakt zueinander zu finden.

Öko-Modellregionen vermitteln

Um regionale Wertschöpfungsketten aufzubauen, sind Öko-Modellregionen eine gute Hilfe. Denn folgende Dinge führen für einzelne Unternehmen sowohl auf Erzeugungs-, als auch auf Verarbeitungsseite schnell zur Überforderung oder sind schlicht von der Kapazität her nicht zu leisten. Herausforderungen sind zum Beispiel:

  • Kontakte zwischen Landwirtschaft und Herstellung knüpfen,
  • Gespräche in Gang bringen,
  • Details zu Qualitätsansprüchen,
  • benötigte Abnahmemengen,
  • Infrastruktur für Lagerungsmöglichkeiten oder
  • die Reinigung der Rohware klären,
  • aber auch Informations- und Überzeugungsarbeit leisten.

Genau hier kann die Öko-Modellregion unterstützen und Aufgaben abnehmen. "Unsere Aufgabe als Öko-Modellregion ist es, Verarbeiterinnen und Verarbeiter vom Mehrwert der direkten Kooperation mit Erzeugerinnen und Erzeugern im Umfeld zu überzeugen, auch wenn höhere Aufwendungen durch zum Beispiel höhere Preise entstehen. Unserer Erfahrung nach schätzen Verarbeitende es aber sehr, wenn sie den direkten Kontakt haben, dies fördert die Zusammenarbeit und es kann wesentlich besser mit Qualitätsschwankungen umgegangen werden, als beim Bezug über einen anonymen Markt", sagt Marlene Berger-Stöckl, Ansprechpartnerin der Öko-Modellregion Waginger See – Rupertiwinkel.

Aufbau eines bio-zertifizierten Lagerhauses

Besonders in Süddeutschland ist die kleinbäuerliche Landwirtschaft weit verbreitet. Viele der kleineren Landwirtinnen und Landwirte haben jedoch keine guten Lagermöglichkeiten und müssen ihr Erntegut daher direkt zu einem weiterverarbeitenden Unternehmen oder einer Vermarktungsgesellschaft bringen. Dadurch geht Zeit verloren und die Möglichkeit für eine gute Preiserzielung wird verringert. Möchte ein Bio-Verarbeitender mit regionalen Landwirtinnen und Landwirten zusammenarbeiten, bekäme er seine Abnahmemengen zerstückelt und nicht zu dem Zeitpunkt, wenn er es braucht. Durch die Zusammenarbeit mit der Brauerei Stein und dem Müslihersteller Barnhouse hat die Öko-Modellregion Waginger See - Rupertiwinkel daher erfolgreich ein bio-zertifiziertes Lager mit eigener Getreidereinigung bei der Mussenmühle in Tacherting ins Leben gerufen. Für die Brauerei Stein wird Braugerste von einem Dutzend am Projekt beteiligten Landwirtinnen und Landwirten gelagert und behält so ihre optimale Qualität. Für Barnhouse kann Bio-Dinkel und seit 2017 auch Bio-Hafer eingelagert und gereinigt werden. So kann der Bio-Müslihersteller die Abnahmemenge dann abrufen, wenn er sie benötigt, und hat zudem die Möglichkeit, auch mit kleineren landwirtschaftlichen Betrieben Kooperationen einzugehen, weil er die Mengen im Gemeinschaftslager bündeln lassen kann.

Bio-Zertifizierung eines regionalen Schlachthofs

Ein ähnliches Problem erleben auch Tierhalterinnen und -halter und die zugehörigen Bio-Metzgereien in der Region. Der lokale Schlachthof der Stadt Laufen bietet zwar mit kleineren Strukturen eine wünschenswerte Alternative zu industriellen Schlachtanlagen, war bisher aber nicht biozertifiziert. Dank einer Kooperation zwischen dem Team des Schlachthofes der Stadt Laufen, der Erzeugergemeinschaft Schlachtvieh Traunstein und der Öko-Modellregion konnte die Bio-Zertifizierung nun auf den Weg gebracht werden. So können dort zukünftig auch Bio-Tiere in überschaubarer Stückzahl geschlachtet und zerlegt werden. Dies eröffnet den regionalen Landwirtinnen und Landwirten nicht nur bessere Möglichkeiten der Direktvermarktung, sondern eröffnet für Bio-Metzgerinnen und -Metzger sowie die bio-zertifizierte regionale Gastronomie die Option, das Bio-Fleisch nun direkt aus der Region zu beziehen.

Der Tipp heißt: Kontakt suchen

Bio-Herstellerinnen und -Herstellern, die an regionalen Wertschöpfungsketten interessiert sind, aber Schwierigkeiten haben, diese selbst auf die Beine zu stellen, empfiehlt Marlene Berger-Stöckl, auf die Öko-Modellregion in ihrer Nähe zuzugehen und bewusst den Kontakt zu suchen. Öko-Modellregionen sind bisher vor allem in Bayern und Hessen zu finden. Wenn es keine in der Nähe gibt, lohnt es sich, mit anderen Herstellerinnen und Herstellern Kontakt aufzunehmen, mit denen sich eine Kooperation ergeben könnte, um die Ressourcen zu bündeln. Auch auf die regionalen Landwirtschaftsbehörden zuzugehen kann hilfreich sein, oder beim Verband der Öko-Kontrollstellen zu schauen, welche Bio-Landwirtinnen und -Landwirte in der Umgebung sind und diese zu kontaktieren. Zusätzlich bieten auch die Bio-Anbauverbände gute Adressen, wobei diese häufig eigene Vermarktungsgesellschaften haben, sodass der direkte Kontakt zwischen Erzeugerin oder Erzeuger und dem Bio-Verarbeitenden wieder verloren geht.

Marlene Berger-Stöckl freut sich über die Bereitschaft zur Kooperation in ihrer Öko-Modellregion und ist überzeugt, dass es "um den Bio-Landbau voranzubringen, neue Umstellerinnen und Umsteller braucht. Die Umstellung ist aber nur attraktiv, wenn es gute Absatzmöglichkeiten für die in der Region erzeugten Bio-Produkte gibt. Und das geht am besten durch direkte Lieferverträge zwischen Landwirtschaft und Verarbeitung:

  • so werden langfristige Abnahme- und Liefersicherheit für beide Seiten geboten,
  • der Bio-Verarbeiter kann mit der regionalen Herkunft seiner Produkte und dem "Gesicht dahinter" werben,
  • es werden Arbeitsplätze in der Region erhalten,
  • Transparenz der Kundschaft gegenüber ist möglich
  • und Verbraucherinnen und Verbrauchern wird das geboten, was sie sich wünschen: (regionale) ökologische Produkte."

Letzte Aktualisierung 31.03.2022

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