Der Wissenschaftliche Beirat für Biodiversität und Genetische Ressourcen (WBBGR) berät das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) zu grundlegenden Fragen der Erhaltung und nachhaltigen Nutzung biologischer Vielfalt. In einer aktuellen Stellungnahme betont das Fachgremium, dass die Wiederherstellung der Biodiversität und funktionsfähiger Ökosysteme unverzichtbar für die langfristige Sicherung landwirtschaftlicher Produktion ist.
Die bislang in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) ergriffenen Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität, des Klimas und der natürlichen Ressourcen haben kaum zu
einer merklichen Verbesserung beigetragen“ […] Die im August 2024 in Kraft getretene EU-Verordnung über die Wiederherstellung der Natur (W-VO; Verordnung (EU) 2024/1991) ist somit eine notwendige Reaktion auf den anhaltenden Biodiversitätsverlust.
heißt es in der WBBGR-Stellungnahme.
Da die Landwirtschaft rund 50 Prozent der Fläche Deutschlands nutzt, komme ihr eine besondere Verantwortung bei der Wiederherstellung degradierter Ökosysteme zu. Ohne die aktive Mitwirkung der Landwirtinnen und Landwirte seien die Ziele der Wiederherstellungsverordnung (W-VO) nicht erreichbar. Gleichzeitig biete die Umsetzung der Verordnung erhebliche Chancen für die Landwirtschaft selbst – etwa durch resilientere Produktionssysteme, verbesserte Bodenfruchtbarkeit und einen stabileren Wasserhaushalt.
Die Stellungnahme verweist insbesondere auf die Bedeutung vielfältig strukturierter Agrarlandschaften mit Blühflächen, Hecken, Feldgehölzen und Grünstreifen. Auch der Koa- litionsvertrag der Bundesregierung greife diese Ziele bereits auf und sehe ausdrücklich die Förderung “naturverträglicher Agroforstsysteme” vor.
Agroforstsysteme – also die Kombination von Gehölzen mit landwirtschaftlicher Nutzung auf derselben Fläche – werden in der Stellungnahme als konkrete Renaturierungsmaßnahme aufgeführt. Agroforstsysteme fördern Biodiversität und Ökosystemleistungen, verbessern die Bodenstruktur, reduzieren Erosion, stärken den Wasserhaushalt und erhöhen die Klimaresilienz landwirtschaftlicher Betriebe. Darüber hinaus schaffen sie Lebensräume für Bestäuber und Nützlinge und können den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft verringern. Die Umsetzbarkeit von Agroforstwirtschaft als Renaturierungsmaßnahme ist laut der Stellungnahme ohne große ökonomische Einbußen umsetzbar. Gleichzeitig weist das Fachgremium auf bestehende Hürden hin.
Landwirtinnen und Landwirte sähen insbesondere mangelnde finanzielle Unterstützung, hohe Bürokratie, rechtliche Unsicherheiten sowie hohe InvesItitions- und Arbeitskosten als zentrale Hemmnisse für die Umsetzbarkeit von Agroforstsystemen.
Die Expertinnen und Experten fordern daher, wirksame Maßnahmen im Rahmen der kom- menden GAP-Förderperiode gezielt finanziell auszustatten und im Nationalen Wiederherstellungsplan konkret zu verankern. Zudem müsse das Förderrecht stärker systemisch gedacht werden. Ein Beispiel hierfür wäre laut Deutschem Fachverband für Agroforstwirtschaft (DeFAF) e. V. die Harmonisierung von Agrarförderrecht und Bundesnaturschutzgesetz. Die Umsetzung der Wiederherstellungsverordnung sei eine gesamgesellschaftliche Aufgabe, die nur integrativ und sektorübergreifend gelingen könne. Eine erfolgreiche Umsetzung könne zugleich einen wesentlichen Beitrag zu den agrar- und umweltpolitischen Zielen der Bundesregierung leisten. Zurzeit befindet sich der nationale Wiederherstellungsplan in einer Phase der öffentlichen Beteiligung. Auch der DeFAF e. V. wird sich hieran beteiligen, um Agroforstsysteme als Maßnahme im Sinne der W-VO zu unterstrei- chen und auf die notwendige Praxistauglichkeit bei der Umsetzung hinzuweisen.
In diesem Kontext wirkt das Projekt EELAP unter Beteiligung des DeFAF e. V., welches agrarökologische Praktiken wie die Agroforstwirtschaft als wesentlichen Bestandteil einer zukunftsfähigen Landnutzung voranbringen möchte, um so die positiven Auswirkungen auf der Landschaftsebene wirksam zu machen. Hierfür zielt das Vorhaben darauf ab, Wissenslücken zu schließen, aktuelle Herausforderungen im Bereich der Umsetzung und politischen Rahmenbedingungen zu identifizieren, neue Lösungsansätze zu entwickeln und anzustoßen.
Über den Deutschen Fachverband für Agroforstwirtschaft e. V.
Der Deutsche Fachverband für Agroforstwirtschaft (DeFAF) e. V. setzt sich dafür ein, die Agroforstwirtschaft in Deutschland zukünftig stärker zu fördern und sie als nachhaltige und multifunktionale Form des Landbaus in der Landwirtschaft umzusetzen. Agroforstwirtschaft kombiniert den Anbau und die Nutzung von Bäumen und Sträuchern mit landwirtschaftlicher Nutzung und bietet zahlreiche ökologische und wirtschaftliche Vorteile.
Weitere Informationen unter www.defaf.de


