Heimisches Eiweiß in der Tierfütterung: Praxis zeigt Potenzial

Heimische Eiweißträger gewinnen in der Fütterung von Schwein, Huhn und Rind zunehmend an Bedeutung. Sie bieten Potenzial für eine nachhaltige und wirtschaftliche Fütterung und stärken die regionale Wertschöpfung.

Zwei Ferkel.

Heimische Körnerleguminosen können die Futterration bereichern. Foto: Stephan Jaun, Bio Suisse

“Unsere heimischen Körnerleguminosen sind als Futtermittel immer noch weit unterschätzt. Das wollen wir ändern”, sagt Harald Sievers, Koordinator für Wertschöpfungsketten Tier im bundesweiten Leguminosen-Netzwerk LeguNet. Über 100 Teilnehmende am Seminar “Schweinefütterung mit heimischen Eiweißträgern – Chancen, Erfahrungen & Praxiswissen” zeigten, wie groß das Interesse an heimischen Eiweißträgern ist. Dr. Wolfgang Preißinger, Experte für Tierernährung an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), konnte mit seinen einleitendenden Ausführungen zu Forschungsergebnissen rund um das Thema schon viele Vorbehalte zerstreuen. "Bei Körnerleguminosen müssen insbesondere das Aminosäurenmuster und die Einsatzmengen berücksichtigt werden. Durch eine gezielte Kombination verschiedener Futtermittel lassen sich jedoch ausgewogene Rationen gestalten", sagt Preißinger.

Erbsen für Tier und Boden

Das kann Landwirt Christian Kussel bestätigen. Seit 13 Jahren hat er Erbsen in der Ration, derzeit mit 14 Prozent in der Vormast und 19 Prozent in der Endmast. "Beim Verkauf an den Landhandel bringen mir die Erbsen derzeit rund 20 Euro je Dezitonne. In der eigenen Fütterung sind sie durch die Einsparung von Soja und Getreide etwa 26 Euro je Dezitonne wert", rechnet Kussel vor. Hinzu kommt der pflanzenbauliche Nutzen: Die Erbsen lockern seine Fruchtfolge auf, verbessern die Bodenfruchtbarkeit und haben nach seiner Einschätzung einen monetären Vorfruchtwert von etwa 150 bis 200 Euro je Hektar. Auch an die Kundinnen und Kunden kommuniziert Kussel seine besondere Fütterung, denn 60 Prozent seiner Mastschweine vermarktet er über die eigene Metzgerei. "Unsere Kunden schätzen es, dass wir nachhaltig handeln, indem wir durch unsere eigenen Erbsen Importe von Soja reduzieren und gleichzeitig Boden und Umwelt schützen", sagt Kussel.  

In den vergangenen drei Jahren hat er auch den Anbau von Wintererbsen ausprobiert. "Mit mäßigem Erfolg", so Kussel. Deshalb konzentriert er sich in der Zukunft wieder auf Sommerungen. Auch Ackerbohnen, Soja und Lupine hat er als alternative heimische Eiweißträger schon angebaut, kam aber zu dem Ergebnis, dass an seinem trockenen Standort nahe Mainz die Erträge bei diesen Kulturen zu unsicher sind.

Lein als Eiweißträger

Auch Nebenprodukte aus der heimischen Verarbeitung können für eine nachhaltige Schweinefütterung interessant sein. Stephanie Friebel von der Genießergenossenschaft Sachsen berichtete über den Einsatz von Leinschrot, das bei der Leinölgewinnung anfällt. "Mit zwölf Prozent Lein in der Mittelmast und sechs Prozent in der Endmast erzielen wir eine besondere Qualität unserer Fleischprodukte", so Friebel. Das Fleisch der Mastschweine enthält zudem nachweislich Omega-3-Fettsäuren, ein willkommener Zusatznutzen.
"Die Beispiele zeigen, dass es viele Lösungen für heimische Eiweißfuttermittel gibt", sagt Sievers. "Entscheidend ist, was zum jeweiligen Betrieb und seiner Wertschöpfungskette passt."

Organisiert wurde das Seminar vom Legumionsen-Netzwerk LeguNet in Zusammenarbeit mit dem Proteinmarkt. Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) betreut den Wissenstransfer im LeguNet.

Quelle: Pressemeldung Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL)


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