Nachhaltige Bodenbewirtschaftung umfasst Methoden, die die Fruchtbarkeit und Gesundheit des Bodens erhalten, ohne die Umwelt zu belasten. Die Forschenden wollten herausfinden, welche Faktoren einer breiteren Anwendung förderlich oder hinderlich sind.
Für die Studie wurden 61 konventionell und 15 ökologisch wirtschaftende Betriebe aus zehn Bundesländern online befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass die flächendeckende Einführung nachhaltiger Maßnahmen gezielte Förderprogramme und strukturelle Änderungen in der Agrarpolitik erfordert. Besonders wichtig sind maßgeschneiderte Anreize, die den spezifischen Anforderungen der verschiedenen Betriebe gerecht werden.
Nachhaltige Bodenbewirtschaftung umfasst sieben zentrale Maßnahmen
Zur Förderung der Bodengesundheit und Widerstandsfähigkeit landwirtschaftlich genutzter Böden werden sieben zentrale Maßnahmen empfohlen. Diese Empfehlungen basieren auf Erkenntnissen aus internationalen Forschungsprojekten wie der EU-Initiative "A Soil Deal for Europe".
- Landschaftsstrukturelemente wie Hecken, Gras- oder Blühstreifen oder Pufferzonen entlang von Gewässern.
- Organische Düngung, beispielsweise durch Mist, Kompost oder Pflanzenreste
- Vielfältige Fruchtfolgen, also dem wechselnden Anbau von Kulturen auf einem Feld
- Kontinuierliche Bodenbedeckung, z. B. durch Zwischenfrüchte und Untersaaten oder Mulchen
- Konservierende Bodenbearbeitung durch Vermeidung von tiefem Pflügen und Wenden
- Verringerung der Bodenbelastung durch leichtere Maschinen oder bessere Gewichtsverteilung
- Optimierte Befahrung, z. B. durch Fahrgassen, Lenksysteme oder Befahren zu Zeiten optimaler Bodenverhältnisse
Diese Maßnahmen fördern die biologische Vielfalt im Boden, erhöhen die Kohlenstoffspeicherung und verbessern den Wasserrückhalt. Die befragten Betriebe bestätigten weitgehend die Wirksamkeit dieser Maßnahmen. Die Studie zeigt außerdem, dass es nicht am Wissen über die Maßnahmen mangelt, sondern vielmehr wirtschaftliche und finanzielle Hemmnisse einer breiten Anwendung im Weg stehen.
Ökonomische Hindernisse und strukturelle Unterschiede
Die Studie verdeutlicht, dass konventionelle und ökologische Betriebe unterschiedliche Maßnahmen bevorzugen. So setzen konventionelle Betriebe eher auf die konservierende Bodenbearbeitung, bei der der Boden nur oberflächlich bearbeitet wird – in diesen Systemen lassen sich Pflanzenschutzmittel zur Unkrautbekämpfung einsetzen. Ökologisch wirtschaftende Betriebe setzen dagegen häufiger auf eine zeitoptimierte Bodenbearbeitung, bei der schwere Maschinen gezielt vermieden werden, wenn der Boden feucht ist, um Verdichtungen zu vermeiden.
"Unsere Ergebnisse zeigen, dass ökonomische Faktoren wie fehlende finanzielle Anreize oder unzureichende politische Unterstützung die entscheidenden Hemmnisse sind", erklärt Studienleiterin Dr. Mona Aghabeygi vom ZALF. Diese Faktoren haben dazu geführt, dass sowohl in ökologisch als auch in konventionell wirtschaftenden Betrieben wichtige bodenschonende Maßnahmen wie eine kontinuierliche Bodenbedeckung oder der Einsatz organischer Dünger weniger verbreitet sind als gewünscht.
Ausblick: Zukünftige Handlungsmöglichkeiten
Die Studie liefert wertvolle Erkenntnisse für die Entwicklung nachhaltiger Bodenbewirtschaftungsstrategien, die in verschiedenen landwirtschaftlichen Systemen angewendet werden können. Sie zeigt, dass politische Maßnahmen entscheidend dazu beitragen können, bestehende Barrieren zu überwinden, um den Übergang zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft zu fördern. Wirtschaftliche Unterstützung spielt dabei eine zentrale Rolle, um Landwirtinnen und Landwirten den Einsatz bodenschonender Technologien zu erleichtern.
Projektpartner:
- Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF)
- Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE)
Quelle: Pressemitteilung des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF)



