OrganicClimateNET: Fortschritte auf dem Weg zu einer klimaneutralen ökologischen Landwirtschaft

Die Forschungsinitiative OrganicClimateNET hat die Halbzeit ihrer vierjährigen Mission zur Förderung klimabewusster Praktiken in der europäischen Bio-Landwirtschaft erreicht. Von 2024 bis 2028 arbeiten 17 Partner aus 14 europäischen Ländern daran, Landwirtinnen und Landwirte bei der Reduzierung von Emissionen, der Stärkung der Widerstandsfähigkeit und der Sicherung einer stärkeren politischen Anerkennung für eine klimapositive ökologische Landwirtschaft zu unterstützen.

Das Logo des OrganicClimateNet. Der Projektname ist ausgeschrieben, wobei Organic in grün, Climate in Orange und NET in Schwart geschrieben ist. Neben dem Wort "NET" befindet sich ein gezeichnetes Netz(werk) mit verschiedenen Punkten, die miteinander verbunden sind. Klick führt zu Großansicht.

Foto: OrganicClimateNET

Am 1. Februar 2026 erreichte das Projekt seine Halbzeit und bot damit die Gelegenheit, die bisher erzielten Fortschritte zu beleuchten. Eine der greifbarsten Entwicklungen war der Aufbau eines dynamischen Netzwerks von mehr als 250 Biobäuerinnen und Biobauern in zwölf europäischen Ländern. Die Vielfalt des Netzwerks erstreckt sich über verschiedene Klimazonen: Die Betriebe liegen von Meereshöhe bis auf über 1.200 Metern Höhe, mit unterschiedlichen Niederschlagsmengen und Temperaturen, was die klimatische Vielfalt Europas widerspiegelt und die Kapazitäten des Netzwerks für die Forschung im Bereich Klimaanpassung und Klimaschutz stärkt. Die Teilnehmenden besitzen überwiegend gemischte Ackerbau- und Viehzuchtbetriebe (70 Prozent), das heißt sie züchten Tiere und verfügen über Weideland oder einjährige Futterpflanzen, um diese zu füttern. Die übrigen sind reine Ackerbau- oder Dauerkulturbetriebe.

Eine Umfrage unter den Betrieben ergab, dass extreme Wetterereignisse und Wassermanagement die größten klimabezogenen Herausforderungen darstellen, insbesondere in Südeuropa. Bemerkenswert ist, dass 20 Prozent der Befragten angaben, Teile ihrer Betriebe zu bewässern, was die Bedeutung technischer Lösungen und des Wissensaustauschs unter Landwirtschaftsexpertinnen und -experten unterstreicht. Auch Bedenken hinsichtlich des Bodenschutzes waren vor allem bei Ackerbaubetrieben weit verbreitet. Die Charakterisierung der Betriebe durch OrganicClimateNET ergab, dass 24 Prozent der befragten Betriebe auf Torfböden Ackerbau betreiben, was die entscheidende Rolle des Bodenschutzes im Rahmen umfassenderer Strategien zur Anpassung an den Klimawandel unterstreicht.

Um die Zusammenarbeit zu vertiefen, organisierte das Projekt eine Reihe von drei internationalen Betriebsbesichtigungen, bei denen die Teilnehmenden nach Sektoren – Viehzucht, Dauerkulturen und Ackerbau – in Gruppen eingeteilt wurden, damit die Landwirtinnen und Landwirte Praktiken beobachten konnten, die für ihre eigenen Produktionssysteme relevant sind. Diese Betriebsbesuche haben sich als entscheidend für den Austausch praktischer, klimafreundlicher Lösungen erwiesen. Für die zweite Hälfte des Projekts sind neun weitere Besichtigungen geplant.

Unterstützung beim Klimaschutz

Neben diesen Aktivitäten hat OrganicClimateNET einen umfassenden Katalog mit Maßnahmen für den ökologischen Anbau entwickelt, der klare Leitlinien zu Strategien für Klimaschutz und Anpassung enthält, die jeweils hinsichtlich ihrer Vorteile, Risiken und Durchführbarkeit bewertet wurden. Auf dieser praktischen Grundlage nutzte das Projekt zwei etablierte Tools zur Kohlenstoffbilanzierung – CAP’2ER und den Farm Carbon Calculator –, um die Betriebe bei der Bewertung ihrer Klimaauswirkungen zu unterstützen. Im Jahr 2026 werden geschulte Landwirtschaftsberaterinnen und -berater den Netzwerkmitgliedern praktische Anleitungen anbieten und ihnen dabei helfen, ihre Emissionen zu quantifizieren, ihr Sequestrierungspotenzial abzuschätzen und maßgeschneiderte Wege zu entwickeln, um klimafreundlicher zu werden.

Ergänzt werden diese Bemühungen durch die Erweiterung der auf der Plattform "Organic Farm Knowledge" verfügbaren Ressourcen. Über 70 Materialien zu den landwirtschaftlichen Maßnahmen wurden bereits übersetzt oder neu entwickelt. Ziel des Projekts ist es, bis zu seinem Abschluss mindestens 120 Dokumente zur Verfügung zu stellen. Die Themen spiegeln die tatsächlichen Prioritäten und Herausforderungen wider, die in diesem Bereich diskutiert werden, von Wassermanagement und Biodiversität bis hin zu Strategien für die Düngung und Beratungsansätzen, um sicherzustellen, dass die Betriebe sowie Beraterinnen und Berater Zugang zu relevanten, hochwertigen Unterstützungsmaterialien haben.

Analyse der politischen Rahmenbedingungen – Chancen und Herausforderungen auf europäischer Ebene

Das Projekt konzentriert sich zwar auf technische und praktische Fortschritte, berücksichtigt jedoch auch, dass diese Verbesserungen in einem breiteren politischen Kontext stattfinden. In den ersten beiden Jahren führte OrganicClimateNET eine umfassende Analyse der EU-Politik im Bereich der ökologischen und klimafreundlichen Landwirtschaft durch. Die Ergebnisse zeigen sowohl die Chancen als auch die Einschränkungen der aktuellen politischen Instrumente auf und unterstreichen die Notwendigkeit von Rahmenbedingungen, die die breite Einführung ökologischer Klimapraktiken belohnen und fördern. Diese Arbeit bildete zusammen mit den Ergebnissen eines von OrganicClimateNET durchgeführten Stakeholder-Workshops die Grundlage für den ersten von vier Policy Briefs, die gemeinsam mit dem EU-Projekt "Climate Farm Demo" erstellt wurden. In den nächsten zwei Jahren werden diese Policy Briefs in einer Reihe von Workshops und Stakeholder-Austauschrunden weiter diskutiert werden.

Die Fortschritte in all diesen Bereichen wurden auf der Messe Biofach 2026 in Nürnberg sichtbar gemacht. Während eines gemeinsam mit mit dem EU-Projekt "OrganicAdviceNetwork" im Rahmen des TP Organic Science Day organisierten Workshops tauschten die Projektpartnerinnen und -partner ihre Erfahrungen mit Initiativen zum Wissensaustausch aus und betonten, wie Peer-to-Peer-Lernen die Einführung praktischer Lösungen beschleunigt. Anschließend untersuchten die Teilnehmenden Möglichkeiten zur Stärkung des Wissensflusses innerhalb des Bio-Sektors und identifizierten die Instrumente, die eine effektive Beratungsarbeit am besten unterstützen.

Während der gesamten Messe tauschten sich die Besucherinnen und Besucher auch mit dem Projektteam am Stand von OrganicClimateNET aus. In den Gesprächen wurde nicht nur die Dringlichkeit der Bekämpfung des Klimawandels hervorgehoben, sondern auch das starke Interesse der Bio-Community an Zusammenarbeit und Innovation. Viele Besucherinnen und Besucher zeigten Interesse an den bevorstehenden Aktivitäten, insbesondere an individuellen CO2-Bilanzen, Feldversuchen mit klimafreundlichen Maßnahmen und den Erfahrungen mit Peer-to-Peer-Lernen auf nationaler und internationaler Ebene.

Insgesamt verdeutlicht OrganicClimateNET das Engagement der Europäischen Union für ökologische Nachhaltigkeit und zeigt, welche entscheidende Rolle der ökologische Landbau beim Aufbau eines klimaneutralen, widerstandsfähigen Agrarsystems spielen kann. Mit dem Eintritt in die nächste Phase des Projekts werden weiterhin die wissenschaftlichen, praktischen und politischen Grundlagen für eine Zukunft geschaffen, in der die Landwirtschaft nicht nur Europa ernährt, sondern auch die Gesundheit seiner Ökosysteme unterstützt.

Mehr Infos zum Projekt: http://organicclimatenet.eu/

OrganicClimateNET wird von der Europäischen Kommission und dem Schweizer Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) finanziert.

Quelle: Pressemitteilung OrganicClimateNET


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