Klimaschutz

Klimaschutz und Landwirtschaft – Welche Vorteile bietet der Öko-Landbau?

2023 betrug der Anteil der Landwirtschaft an den gesamten Treibhausgasemissionen in Deutschland 8,9 Prozent. Allgemein gilt der Öko-Landbau als klimafreundliche Form der Landbewirtschaftung. Allerdings kommen diese Vorteile nicht automatisch zum Tragen, sondern hängen stark vom betrieblichen Management ab, wie eine Studie zum Thema zeigt.

Nach einer aktuellen Berechnung des Umweltbundesamtes entstanden im Jahr 2023 durch die landwirtschafte Produktion in Deutschland 60,3 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente. Das entspricht 8,9 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen. Die wichtigsten klimarelevanten Gase aus der Landwirtschaft sind Kohlendioxid (CO2), Lachgas und Methan. Fast 60 Prozent der gesamten Lachgasemissionen in Deutschland und 80 Prozent des erzeugten Methans sind auf die Landwirtschaft zurückzuführen.

Foto: Edgar G. Biehle / iStock / Getty Images Plus via Getty Images

20.06.2024Umwelt und Gesellschaft

THG-Emissionen in der Landwirtschaft

Die Landwirtschaft zählt zwar nicht zu den größten Emittenten von Treibhausgasen (THG), ihr Anteil an den gesamten Treibhausgas-Emissionen in Deutschland ist aber auch nicht unerheblich. Die Emissionen der Landwirtschaft setzen sich aus verschiedenen Bereichen zusammen.

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Diese Zahlen beziehen sich auf die reine landwirtschaftliche Produktion. Nicht berücksichtigt sind Treibhausgase, die im vorgelagerten Bereich der landwirtschaftlichen Erzeugung entstehen, etwa bei der Produktion von Betriebsmitteln. Klimarelevant sind dabei vor allem Stickstoffdünger und Pflanzenschutzmittel, weil sie sehr energieaufwendig hergestellt werden müssen. Da sie im Öko-Landbau keine Rolle spielen, ergibt sich daraus ein wichtiger Vorteil beim Ziel einer klimafreundlichen Landbewirtschaftung.

Klimabilanzen sind komplex und aufwendig

Grundsätzlich ist eine objektive Einschätzung der tatsächlichen Klimawirkung eines Betriebs oder einer Bewirtschaftungsform extrem schwierig. Denn dabei müssen nicht nur alle relevanten Stoff- und Energieflüsse in Form von Kraftstoffen, Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, zugekauftem Kraftfutter und anderen Betriebsmitteln berücksichtigt werden. Auch die Stickstoff- und Humusbilanzen eines Betriebs, die Fruchtfolge sowie individuelle Standortfaktoren wie Bodenart und Klima haben großen Einfluss auf die Entstehung von Treibhausgasen.



In einer vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) finanzierten Studie der Technischen Universität München wurden diese Faktoren erstmals umfassend für die Erstellung von Klimabilanzen berücksichtigt und über zehn Jahre auf je 40 konventionell und ökologisch wirtschaftenden Betrieben untersucht.

Verzicht auf synthetische Dünger ist klimafreundlich

Dabei zeigte sich, dass ökologische Betriebe im Durchschnitt etwa 40 Prozent weniger Energie pro Hektar einsetzen als konventionelle Betriebe und entsprechend weniger CO2 pro Fläche erzeugen. Dieser Effekt beruht vor allem auf dem Verzicht synthetischer Dünger und Pflanzenschutzmittel. Dabei ist synthetischer Stickstoffdünger aus Sicht des Klimaschutzes doppelt problematisch. Denn neben der energieintensiven und damit klimabelastenden Produktion bildet sich bei der Ausbringung Lachgas, das 300-mal klimaschädlicher ist als CO2.

Deshalb sind auch die in der Studie untersuchten Stickstoffsalden der beiden Bewirtschaftungsformen von großer Bedeutung. Im Schnitt lagen die Stickstoffverluste pro Hektar bei den konventionellen Betrieben 44 Kilogramm höher als bei den Öko-Betrieben. Die konventionellen und ökologischen Gemischtbetriebe schnitten dabei jeweils besser ab als die reinen Marktfruchtbetriebe.

Geringe Erträge verschlechtern Klimabilanz

Bezieht man den höheren Energieeinsatz jedoch auf den Ertrag, gleichen sich die Unterschiede zwischen den beiden Anbauverfahren wieder an. Der Grund: Die untersuchten Bio-Betriebe erreichten im Schnitt nur etwa 60 Prozent der üblichen konventionellen Erträge.

Auch die Milchviehhaltung ist ein wichtiger Faktor bei der Entstehung klimaschädlicher Gase. Problematisch ist vor allem die Bildung von Methan, das etwa 25-mal klimaschädlicher ist als CO2. Methan entsteht vor allem bei Verdauung der Kühe und bei der Lagerung und Ausbringung von Gülle und Mist.

Bei den Treibhausgasen pro erzeugtem Kilogramm Milch schneiden Bio-Betriebe etwas besser ab als konventionelle Betriebe. Vorteile ergeben sich durch eine weniger energieintensive Futtererzeugung und –lagerung im Öko-Landbau. Ähnlich wie bei den Erträgen im Ackerbau gleicht sich dieser Vorteil wieder nahezu aus aufgrund der deutlich geringeren Durchschnittsleistungen in der ökologischen Milchviehhaltung.

Im Interview mit Prof. Kurt-Jürgen Hülsbergen von der Technischen Universität München, der zu den Klima- und Umweltwirkungen von konventionellen und ökologischen Betrieben forscht, erklärt der Wissenschaftler welche Möglichkeiten es gibt, das Potenzial für Ertragssteigerungen im Ökolandbau zu fördern und wie man den Flächenbedarf der ökologischen Landwirtschaft optimal ausnutzen könnte.

Humusaufbau spricht für den Öko-Landbau

Der größte Vorzug des Öko-Landbaus in Bezug auf den Klimaschutz zeigt sich bei den Humusbilanzen. Denn Böden speichern riesige Mengen an Kohlenstoff. Das gilt insbesondere für Moorböden, von denen in Deutschland knapp 80 Prozent als Grünland und zum Teil auch für den Ackerbau genutzt werden. Circa 98 Prozent der CO2-Nettoemissionen stammen aus entwässerten Moorböden, obwohl sie nur fünf Prozent der Fläche ausmachen. Dass Landwirtschaft und die Wiedervernässung von Mooren sich nicht ausschließen müssen, zeigt beispielsweise die Paludikultur – also die die land- oder forstwirtschaftliche Nutzung auf nassen oder wiedervernässten Moorflächen. 

Fachleute schätzen, dass ein durchschnittlicher Boden im gemäßigten Klima während einer 50-jährigen, intensiven Bewirtschaftung etwa 30 bis 50 Prozent seines Kohlenstoffs verliert. Umso wichtiger ist eine humusfördernde Bewirtschaftung, da beim Humusaufbau Kohlendioxid gebunden wird, während der Abbau zur Freisetzung von CO2 führt.

In der BÖL-Studie ermittelte das Forschungsteam für die untersuchten ökologischen Gemischtbetriebe mit Milchvieh ein "Potenzial zum Humusaufbau", während für die Biomarktfruchtbetriebe etwa gleichbleibende Humusgehalte geschätzt wurden. Konventionelle Marktfruchtbetriebe hatten dagegen ein negatives Humussaldo.

Vielfältige Fruchtfolgen mit Kleegras fördern CO2-Bindung

Der Grund dafür sind vor allem die meist vielfältigeren Fruchtfolgen im Öko-Landbau mit humusfördernden Kulturen wie Kleegras als Zwischenfrucht und weniger Hackfrüchten, die stark humuszehrend wirken. Zudem wird im Öko-Landbau mehr organischer Dünger in Form von Mist oder Kompost zugeführt, der den Humusgehalt zusätzlich stabilisiert.

Allerdings machte die Studie auch deutlich, wie groß der Einfluss des einzelbetrieblichen Managements auf die Entstehung klimarelevanter Gase ist. Denn bei der Gesamtmenge der erzeugten Treibhausgase gab es innerhalb der beiden Gruppen "konventionell" und "bio" sehr große Unterschiede. Gut gemanagte konventionelle Betriebe, die mit geringen Stickstoffverlusten arbeiteten, schnitten zum Teil sogar besser ab als weniger gut geführte Bio-Betriebe.

Torfmoosfeld

20.06.2024Umwelt und Gesellschaft

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Unter dem Strich schneiden die Bio-Betriebe aber sowohl bei den flächenbezogenen Treibhausgasemissionen, als auch bei den produktbezogenen Emissionen besser ab. Dieser Vorteil basiert vor allem auf einem humusschonenden Ackerbau, einer wesentlich effizienteren Nutzung des verfügbaren Stickstoffs und den Verzicht auf energieaufwändig hergestellte Stickstoffdünger und Pflanzenschutzmittel.

Fazit: Noch viel Verbesserungspotenzial

Dennoch gibt es im Öko-Landbau genauso wie in der konventionellen Erzeugung noch viel Potenzial zur Optimierung der Klimabilanz, vor allem durch das einzelbetriebliche Management. Dazu gehört zum Beispiel, Moorböden nach und nach wieder zu vernässen. Ein kompletter Verzicht auf eine landwirtschaftliche Nutzung muss dennoch nicht nötig sein, wenn man die Moorflächen schonend bewirtschaftet.

Zudem schwächen die geringen Erträge und Milchleistungen die positiven Effekte des Öko-Landbaus ab. Neben höheren Erträgen und Tierleistungen sollten Betriebe auch möglichst geschlossene Nährstoffkreisläufe mit Tierhaltung und Ackerbau anstreben und Stickstoffverluste vermeiden. Auch vielfältige Fruchtfolgen mit hohen Kleegrasanteilen unterstützen eine klimaschonende Lebensmittelerzeugung.


Letzte Aktualisierung 21.06.2024

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