Klimaschutz

Landwirtschaft und Klimaschutz: Auswirkungen, Herausforderungen und Potenziale im Klimawandel

2024 betrug der Anteil der Landwirtschaft am Klimawandel beziehungsweise an den gesamten Treibhausgasemissionen in Deutschland 8,2 Prozent. Allgemein gilt der Ökolandbau als klimafreundliche Form der Landwirtschaft. Allerdings kommen diese Vorteile nicht automatisch zum Tragen, sondern hängen stark vom betrieblichen Klimaschutz-Management ab, wie eine Studie zum Thema zeigt.

Die Klimawandel Auswirkungen der Landwirtschaft

Nach einer aktuellen Schätzung des Umweltbundesamtes entstanden im Jahr 2024durch die landwirtschafte Produktion in Deutschland 62,1 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente. Das entspricht 9,6 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen. Die wichtigsten klimarelevanten Gase aus der Landwirtschaft sind Kohlendioxid (CO2), Lachgas und Methan. Fast 60 Prozent der gesamten Lachgasemissionen in Deutschland und 80 Prozent des erzeugten Methans sind auf die Landwirtschaft zurückzuführen.

Foto: Edgar G. Biehle / iStock / Getty Images Plus via Getty Images

25.08.2025Umwelt und Gesellschaft

Emissionen in der Landwirtschaft

Die Landwirtschaft zählt zwar nicht zu den größten Emittenten von Treibhausgasen (THG), ihr Anteil an den gesamten Treibhausgas-Emissionen in Deutschland ist aber auch nicht unerheblich. Die Emissionen der Landwirtschaft setzen sich aus verschiedenen Bereichen zusammen.

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Diese Zahlen beziehen sich auf die reine landwirtschaftliche Produktion. Nicht berücksichtigt sind Treibhausgase, die im vorgelagerten Bereich der landwirtschaftlichen Erzeugung entstehen, etwa bei der Produktion von Betriebsmitteln. Besonders klimaschädlich ist die Produktion von Stickstoffdünger und Pflanzenschutzmitteln. Da sie im Ökolandbau keine Rolle spielen, ergibt sich daraus ein wichtiger Vorteil für den Klimaschutz in der Landwirtschaft.

Landwirtschaft und Klima: Klimabilanzen stellen eine Herausforderung dar

Grundsätzlich ist eine objektive Einschätzung der tatsächlichen Klimawirkung landwirtschaftlicher Betriebe extrem schwierig. Denn dabei müssen nicht nur alle relevanten Stoff- und Energieflüsse in Form von Kraftstoffen, Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, zugekauftem Kraftfutter und anderen Betriebsmitteln berücksichtigt werden, sondern auch Stickstoff- und Humusbilanzen. Fruchtfolge und Standortfaktoren wie Bodenart und Klima beeinflussen zudem maßgeblich die Treibhausgasbilanz der Landwirtschaft.



Landwirtschaft und Klimaschutz: Wie schneidet der Ökolandbau ab?

In einer vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) finanzierten Studie der Technischen Universität München wurden diese Faktoren erstmals umfassend für die Erstellung von Klimabilanzen berücksichtigt und über zehn Jahre auf je 40 konventionell und ökologisch wirtschaftenden Betrieben untersucht.

Die Studie zeigte, dass ökologische Betriebe im Durchschnitt etwa 40 Prozent weniger Energie pro Hektar einsetzen als konventionelle Betriebe und entsprechend weniger CO2 pro Fläche erzeugen. Dieser Effekt beruht vor allem auf dem Verzicht synthetischer Dünger und Pflanzenschutzmittel.

Wie wirkt sich der Verzicht synthetischer Dünger in der Landwirtschaft auf das Klima aus?

Synthetischer Stickstoffdünger ist aus Sicht des Klimaschutzes doppelt problematisch. Denn neben der energieintensiven und damit klimabelastenden Produktion bildet sich bei der Ausbringung Lachgas, das 300-mal klimaschädlicher ist als CO2.

Deshalb sind auch die in der Studie untersuchten Stickstoffsalden der beiden Bewirtschaftungsformen von großer Bedeutung für den Klimaschutz in der Landwirtschaft. Im Schnitt lagen die Stickstoffverluste pro Hektar bei den konventionellen Betrieben 44 Kilogramm höher als bei den Öko-Betrieben. Die konventionellen und ökologischen Gemischtbetriebe schnitten dabei jeweils besser ab als die reinen Marktfruchtbetriebe.

Geringe Erträge verschlechtern Klimabilanz

Bezieht man den höheren Energieeinsatz jedoch auf den Ertrag, gleichen sich die Unterschiede zwischen den beiden Anbauverfahren wieder an. Der Grund: Die untersuchten Bio-Betriebe erreichten im Schnitt nur etwa 60 Prozent der üblichen konventionellen Erträge.

Auch die Milchviehhaltung ist ein wichtiger Faktor bei der Entstehung klimaschädlicher Gase. Problematisch ist vor allem die Bildung von Methan, das etwa 25-mal klimaschädlicher ist als CO2. Methan entsteht vor allem bei Verdauung der Kühe und bei der Lagerung und Ausbringung von Gülle und Mist.

Bei den Treibhausgasen pro erzeugtem Kilogramm Milch schneiden Bio-Betriebe etwas besser ab als konventionelle Betriebe. Vorteile ergeben sich durch eine weniger energieintensive Futtererzeugung und -lagerung im Ökolandbau. Ähnlich wie bei den Erträgen im Ackerbau gleicht sich dieser Vorteil jedoch wieder nahezu aus aufgrund der deutlich geringeren Durchschnittsleistungen in der ökologischen Milchviehhaltung.

Im Interview mit Prof. Kurt-Jürgen Hülsbergen von der Technischen Universität München, der zu den Klima- und Umweltwirkungen von konventionellen und ökologischen Betrieben forscht, erklärt der Wissenschaftler, welche Möglichkeiten es gibt, das Potenzial für Ertragssteigerungen im Ökolandbau zu fördern und wie man den Flächenbedarf der ökologischen Landwirtschaft optimal ausnutzen könnte.

Humusaufbau als Potenzial für mehr Klimaschutz in der Landwirtschaft

Der größte Vorzug des Ökolandbaus in Bezug auf den Klimaschutz zeigt sich bei den Humusbilanzen. Denn Böden speichern riesige Mengen an Kohlenstoff. Das gilt insbesondere für Moorböden, von denen in Deutschland knapp 80 Prozent als Grünland und zum Teil auch für den Ackerbau genutzt werden. Circa 98 Prozent der CO2-Nettoemissionen stammen aus entwässerten Moorböden, obwohl sie nur fünf Prozent der Fläche ausmachen. Dass sich klimafreundliche Landwirtschaft und die Wiedervernässung von Mooren nicht ausschließen müssen, zeigt beispielsweise die Paludikultur, also die die land- oder forstwirtschaftliche Nutzung auf nassen oder wiedervernässten Moorflächen. 

Fachleute schätzen, dass ein durchschnittlicher Boden im gemäßigten Klima während einer 50-jährigen intensiven Bewirtschaftung etwa 30 bis 50 Prozent seines Kohlenstoffs verliert. Umso wichtiger ist eine humusfördernde Bewirtschaftung, da beim Humusaufbau Kohlendioxid gebunden wird, während der Abbau zur Freisetzung von CO2 führt. Die humusfördernde Bewirtschaftung bietet daher großes Potenzial im landwirtschaftlichen Klimaschutz.

In der BÖL-Studie ermittelte das Forschungsteam für die untersuchten ökologischen Gemischtbetriebe mit Milchvieh ein "Potenzial zum Humusaufbau", während für die Bio-Marktfruchtbetriebe etwa gleichbleibende Humusgehalte geschätzt wurden. Konventionelle Marktfruchtbetriebe hatten dagegen ein negatives Humussaldo.

Vielfältige Fruchtfolgen mit Kleegras fördern den Klimaschutz durch CO2-Bindung

Der Grund dafür sind vor allem die meist vielfältigeren Fruchtfolgen im Öko-Landbau mit humusfördernden Kulturen wie Kleegras als Zwischenfrucht und weniger Hackfrüchten, die stark humuszehrend wirken. Zudem wird im Ökolandbau mehr organischer Dünger in Form von Mist oder Kompost zugeführt, der den Humusgehalt zusätzlich stabilisiert.

Allerdings machte die Studie auch deutlich, wie groß der Einfluss des einzelbetrieblichen Managements auf die Entstehung klimarelevanter Gase ist. Denn bei der Gesamtmenge der erzeugten Treibhausgase gab es innerhalb der beiden Gruppen "konventionell" und "bio" sehr große Unterschiede. Gut gemanagte konventionelle Betriebe, die mit geringen Stickstoffverlusten arbeiteten, schnitten zum Teil sogar besser ab als weniger gut geführte Bio-Betriebe.

Torfmoosfeld

20.06.2024Umwelt und Gesellschaft

Reduktion von THG-Emissionen aus der Landwirtschaft

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Unter dem Strich schneiden die Bio-Betriebe aber sowohl bei den flächenbezogenen Treibhausgasemissionen, als auch bei den produktbezogenen Emissionen besser ab.

Dieser Vorteil basiert vor allem auf einem

  • humusschonenden Ackerbau,
  • einer wesentlich effizienteren Nutzung des verfügbaren Stickstoffs und
  • den Verzicht auf energieaufwändig hergestellte Stickstoffdünger und Pflanzenschutzmittel.

Fazit: Beim Klimaschutz gibt es in der Landwirtschaft noch viel Verbesserungspotenzial

Sowohl im konventionellen als auch im ökologischen Bereich besteht weiteres Verbesserungspotenzial für den Klimaschutz in der Landwirtschaft. Besonders wichtig ist ein gezieltes Management und die Optimierung der Klimabilanzen auf Betriebsebene.

Dazu gehört zum Beispiel, Moorböden nach und nach wieder zu vernässen. Ein kompletter Verzicht auf eine landwirtschaftliche Nutzung muss dennoch nicht nötig sein, wenn man die Moorflächen schonend bewirtschaftet.

Um die klimaschonende Wirkung des Ökolandbaus zu verbessern, müssen Erträge und Milchleistungen gesteigert, Nährstoffkreisläufe geschlossen und Stickstoffverluste reduziert werden. Auch vielfältige Fruchtfolgen mit humusfördernden Kulturen wie Kleegras sind entscheidend für eine zukunftsfähige, klimafreundliche Landwirtschaft.


Letzte Aktualisierung 03.09.2025

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