Vor den Sommerferien: Warum Kommunen das Schulmittagessen jetzt planen sollten

Mit dem neuen Schuljahr rückt der Ganztag näher an den Alltag vieler Familien. Die Initiative BioBitte zeigt, welche Fragen Kommunen vor den Sommerferien klären sollten – und warum gute Mittagsverpflegung ein wichtiger Baustein für Teilhabe, Qualität und nachhaltige öffentliche Beschaffung ist.

Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter wird ab dem Schuljahr 2026/27 stufenweise eingeführt. Damit schließt sich für viele Familien eine Betreuungslücke nach der Kita. Zugleich wächst für Kommunen, Schulträger und Schulen eine Aufgabe, die weit über zusätzliche Betreuungszeiten hinausgeht: Auch das Mittagessen muss verlässlich organisiert, kindgerecht gestaltet und qualitativ gesichert werden.

Die Wochen vor den Sommerferien sind dafür ein wichtiges Planungsfenster. Denn viele Entscheidungen für das kommende Schuljahr werden jetzt vorbereitet: Wie viele Kinder werden am Mittagessen teilnehmen? Welche Räume, Küchen- oder Ausgabestrukturen stehen zur Verfügung? Wer ist zuständig? Welche Qualitätsanforderungen sollen gelten? Und wie können Nachhaltigkeit und Bio-Lebensmittel von Anfang an mitgedacht werden?

“Man muss sich klar machen: Eine gute Schulverpflegung ist eine dauerhafte Managementaufgabe”, sagt Wiebke Kottenkamp, Referatsleitung beim Bundeszentrum Kita- und Schulverpflegung, im Gespräch mit der Initiative BioBitte. Neben der Beschaffung gehe es darum, Leistungen zu sichern, regelmäßig zu prüfen und mit allen Beteiligten im Austausch zu bleiben.

Ganztag entscheidet sich auch am Mittagessen

Für Kommunen wird Schulverpflegung damit zu einer praktischen und politischen Gestaltungsfrage. Ein gutes Mittagessen entlastet Familien, strukturiert den Schultag und kann dazu beitragen, dass Kinder unabhängig vom Elternhaus Zugang zu einer verlässlichen Mahlzeit haben. Gleichzeitig entscheidet die Qualität des Angebots darüber, ob der Ganztag von Kindern und Eltern angenommen wird.

Auch wirtschaftlich ist Akzeptanz entscheidend. Wenn Kinder das Essen gerne annehmen, steigen die Teilnahmezahlen und die Kosten pro Portion lassen sich besser steuern. Wenn Mahlzeiten liegen bleiben, entstehen dagegen unnötige Abfälle und finanzielle Verluste. Gute Verpflegung ist deshalb kein Zusatzthema, sondern Teil einer funktionierenden Ganztagsstruktur.

“Es muss eindeutig definiert werden, welche Lebensmittel- und Speisenqualität gewünscht wird und wie diese definierten Qualitäten wirtschaftlich für alle Beteiligten machbar sind”, sagt Rainer Roehl, Ernährungsexperte bei a’verdis. Dafür brauche es klare Entscheidungen, eine realistische Markterkundung und die Zusammenarbeit aller beteiligten Stellen.

Fünf Schritte, die Kommunen jetzt angehen können

Aus Sicht von BioBitte sollten Kommunen und Schulträger vor dem neuen Schuljahr vor allem fünf Punkte in den Blick nehmen:

  1. Ausgangslage erfassen: Am Anfang steht eine realistische Bestandsaufnahme. Wie ist die Verpflegung an den einzelnen Schulen organisiert? Gibt es Küchen, Mensen oder geeignete Ausgabestrukturen? Wie viele Kinder werden im Schuljahr 2026/27 voraussichtlich am Mittagessen teilnehmen – und wie entwickelt sich der Bedarf in den kommenden Jahren?
  2. Zuständigkeiten klären: Gute Schulverpflegung braucht klare Verantwortlichkeiten. Schulamt, Vergabestelle, Schule, Träger, Caterer, Betreuung und ggf. weitere Fachbereiche sollten wissen, wer welche Aufgabe übernimmt – von der Planung über Ausschreibung und Vertragsmanagement bis zur laufenden Qualitätssicherung.
  3. Qualität festlegen: Der DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in Schulen bietet eine fachliche Orientierung für eine gesundheitsfördernde und nachhaltige Schulverpflegung. Wichtig ist, Qualitätskriterien nicht abstrakt zu formulieren, sondern auf die Bedingungen vor Ort zu beziehen: Essenszeiten, Atmosphäre, Beteiligung der Kinder, Speiseplanung, Frischeanteile und Verpflegungssystem müssen zusammenpassen.
  4. Ausschreibungen konkret vorbereiten: In der Vergabe werden zentrale Weichen gestellt. „Was in der Ausschreibung nicht gefordert wird, wird später auch nicht geliefert“, betont Wiebke Kottenkamp. Nachhaltigkeitskriterien wie Bio-Anteile, saisonale Lebensmittel, Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung, Mehrwegverpackungen oder soziale Kriterien für Mitarbeitende können rechtssicher und praxistauglich berücksichtigt werden.
  5. Bio schrittweise einplanen: Mehr Bio muss nicht von heute auf morgen vollständig umgesetzt werden. Oft ist ein Einstieg über einzelne Warengruppen, gut verfügbare Produkte oder saisonale Komponenten sinnvoll. Entscheidend ist, Bio nicht erst nachträglich zu ergänzen, sondern als Teil von Speiseplanung, Kalkulation, Beschaffung und Kommunikation mitzudenken.

Bio als Baustein nachhaltiger öffentlicher Beschaffung

Gerade beim Ausbau des Ganztags bietet sich die Chance, Schulverpflegung nicht nur mengenmäßig auszubauen, sondern qualitativ weiterzuentwickeln. Bio-Lebensmittel stehen für gesetzlich definierte Standards, Transparenz und eine nachhaltigere Ausrichtung der öffentlichen Verpflegung. Für Kommunen kann der Bio-Einsatz zudem ein Baustein sein, um Beschaffung, regionale Wertschöpfung, Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsziele praktisch miteinander zu verbinden.

Die Initiative BioBitte unterstützt Kommunen, Verwaltungen, Vergabestellen und Küchenleitungen dabei, den Anteil ökologisch erzeugter Lebensmittel in öffentlichen Küchen Schritt für Schritt zu erhöhen. Dafür bietet BioBitte Informationen, Praxisbeispiele, Veranstaltungen und Austauschformate rund um Bio in der öffentlichen Außer-Haus-Verpflegung.

Quelle: BioBitte


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