Um Innovationen erfolgreich auf den Markt zu bringen, spricht sich das Forum für verlässliche, wissenschaftsbasierte und praxistaugliche Rahmenbedingungen aus. Dazu gehören eine stärkere Forschungsförderung, die Bündelung von Kompetenzen in Innovationsclustern sowie effiziente Zulassungsverfahren unter Wahrung der hohen Standards für Lebensmittelsicherheit. Weitere Einschränkungen geläufiger Bezeichnungen für pflanzliche Fleischalternativen müssen nach Auffassung des Forums unbedingt vermieden werden.
Dazu sagt Bundesminister Rainer:
Deutschlands Land- und Ernährungswirtschaft sind starke, innovative Branchen. Neue Produkte und Verfahren können zusätzliche Wertschöpfung, Arbeitsplätze und neue Absatzmärkte schaffen. Der Koalitionsvertrag gibt uns dabei ein klares Ziel vor: Wir wollen den heimischen Anbau von Eiweißpflanzen stärken, unsere Abhängigkeit von Importen verringern und die Entwicklung und Markteinführung nachhaltiger alternativer Proteine voranbringen. Dafür wollen wir Forschung und Innovation unterstützen und verlässliche Rahmenbedingungen schaffen. Für mich ist wichtig, dabei nicht pflanzliche und tierische Produkte gegeneinander auszuspielen. Was am Ende auf den Teller kommt, entscheiden die Verbraucherinnen und Verbraucher selbst. Dafür müssen unsere Unternehmen verlässliche Rahmenbedingungen und Raum für Innovation erhalten. Das ‚Forum Proteine der Zukunft auf den Teller‘ liefert dafür wichtige Impulse. Ich danke den Mitgliedern für ihre Arbeit und ihre wertvollen Anregungen.
Vom politischen Anspruch zur praktischen Umsetzung
Im Gespräch mit Bundesminister Alois Rainer erörterte die Delegation, wie die im Positionspapier beschriebenen Potenziale und Handlungsempfehlungen in konkrete politische Schritte überführt werden können. Dies könnte zum Beispiel ein schlanker und praxisnaher Aktionsplan “Proteine der Zukunft” sein: Ein solcher, vom BMLEH angestoßener Prozess, könnte politische Zielsetzungen aufgreifen, vorhandene Aktivitäten bündeln, Zuständigkeiten definieren und Orientierung für die weitere Umsetzung geben. Dieser Ansatz knüpft an den Koalitionsvertrag. Darin haben die Regierungsparteien vereinbart, sich für eine umfassende und ambitionierte europäische Eiweißstrategie einzusetzen und die Entwicklung sowie Markteinführung nachhaltiger alternativer Proteine zu fördern. Das Forum sieht darin eine wichtige Grundlage, um die wirtschaftlichen Chancen der Proteinvielfalt stärker für den Innovationsstandort Deutschland, die heimische Landwirtschaft und den ländlichen Raum zu nutzen.
Chancen für Agrar- und Ernährungswirtschaft
Das Positionspapier betrachtet Proteinvielfalt ausdrücklich nicht als Gegenmodell zu tierischen Erzeugnissen. Im Mittelpunkt stehen vielmehr zusätzliche Wahlmöglichkeiten, ein breites Lebensmittelangebot und neue wirtschaftliche Perspektiven. Der technologieoffene Ansatz umfasst unverarbeitete Proteinpflanzen wie Hülsenfrüchte, Lebensmittel auf Basis pflanzlicher Alternativen, Produkte aus Fermentation und Zellkultivierung, sowie weitere bislang weniger genutzte Proteinquellen wie Algen und Pilzmyzel.
Deutschland verfügt über gute Voraussetzungen, um die mit diesen Entwicklungen verbundenen wirtschaftlichen Chancen zu nutzen. Mit einem Marktvolumen von 1,71 Milliarden Euro im Jahr 2025 ist Deutschland der größte europäische Markt für pflanzenbasierte Produkte. Mindestens 150 Unternehmen sind bereits Teil dieser Wertschöpfungskette.Abhängig von den wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen, könnte der Bereich alternativer Proteine bis 2045 jährlich zwischen 20 und 65 Milliarden Euro zur Wirtschaftsleistung beitragen, bis zu 250.000 Bruttoarbeitsplätze schaffen und Exportmöglichkeiten von nahezu 35 Milliarden Euro im Jahr eröffnen.Mit der Übergabe des Positionspapiers verbindet das Forum die Einladung, den begonnenen Austausch mit dem Bundesministerium sowie interessierten Kreisen aus Politik und Gesellschaft auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene fortzusetzen.
Das Positionspapier steht unter auf der Webseite der BLE zur Verfügung.
Über das “Forum Proteine der Zukunft auf den Teller”
Im “Forum Proteine der Zukunft auf den Teller” arbeiten rund 40 Organisationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette daran, das Thema alternative Proteine in der Humanernährung in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft stärker zu verankern, um nachhaltige Ernährungssysteme voranzubringen. Dem Forum kann als reguläres oder beratendes Mitglied beigetreten werden.
Die Koordination des auf Beschluss des Bundestages längerfristig eingerichteten Forums, liegt beim “Kompetenzzentrum Proteine der Zukunft” der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE).
Quelle: Pressemitteilung der BLE
