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Bio-Vorurteile auf dem Prüfstand – alles nur heiße Luft?

Der ökologische Landbau spielt eine Schlüsselrolle im Kampf gegen die Klimakrise und das Artensterben. Doch Mythen und Fehlinformationen machen viele skeptisch. Warum Bio mehr ist als nur ein Marketingbegriff ist? Das erfahren Sie hier.
Tatsächlich sind die Begriffe "Bio" und "Öko" durch die EU-Öko-Verordnung europaweit geschützt und damit genau definiert. Bio-Lebensmittel müssen nach den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau erzeugt werden und alle Bio-Betriebe – von der Erzeugung über die Verarbeitung bis zum Handel – unterliegen strengen, regelmäßigen Kontrollen. Jedes Bio-Produkt muss das EU-Bio-Logo, eine Kontrollstellennummer und einen Herkunftshinweis tragen. Bezeichnungen wie "aus naturnahem Anbau", "umweltgerecht" oder "kontrollierter Anbau" sind hingegen nicht geschützt und haben nichts mit den strengen Vorgaben für Bio-Produkte zu tun. Damit ist eine Verwechslungen ausgeschlossen: Wo Bio draufsteht, muss auch Bio drin sein. Wichtig ist hier auch zu verstehen, dass die EU-Öko-Verordnung den Mindeststandard vorgibt.
In Deutschland gibt es verschiedene private Bio-Verbände, deren Richtlinien teilweise über die der EU-Öko-Verordnung hinausgehen. So gibt die EU-Öko-Verordnung keine konkreten Tierwohlkriterien vor, sondern definiert lediglich Besatzdichten, Mindeststallflächen und Mindestaußenflächen. Die privaten Anbauverbände Biokreis, Bioland, Naturland, Ecoland und Gäa haben sich in der AG Tierwohl zusammengeschlossen, um Kriterien zu definieren, wie Tierwohl gemessen werden kann. Auch beim Thema Biodiversität gibt es Unterschiede: Bisher haben nur Demeter, Bioland, Biopark, Ecovin und Biozyklisch-Vegan verbindliche Anforderungen an die Biodiversität in ihren Richtlinien festgelegt.
Quellen:
Bio ist, was die positiven Umweltauswirkungen betrifft, tatsächlich ein echtes Allround-Talent. Ein zentraler Grundsatz des Bio-Landbaus ist die Kreislaufwirtschaft. Ziel ist es, die natürlichen Kreisläufe der Natur zu berücksichtigen und Ressourcen so effizient und umweltschonend wie möglich zu nutzen. Das bedeutet zum Beispiel, dass Ernteabfälle kompostiert und zur Bodenverbesserung eingesetzt werden. Außerdem müssen Futtermittel überwiegend aus dem eigenen Betrieb stammen – Zukauf ist nur begrenzt erlaubt. Das hat auch sekundäre Umweltvorteile: Lange Importwege werden vermieden und klimaschädliche Futtermittelanbaumethoden wie der Sojaanbau in Regenwaldgebieten reduziert. Der ökologische Landbau speichert mehr Kohlenstoff im Boden als konventionell bewirtschaftete Flächen. Hecken und Wildpflanzen, die auf ökologisch bewirtschafteten Flächen deutlich häufiger anzutreffen sind, binden zusätzlich Kohlenstoff. Der hohe Anteil an organischer Substanz in Bio-Böden fördert langfristig die Bodengesundheit und -fruchtbarkeit. Der Wasserkreislauf wird besser reguliert und die Grundwasserqualität geschützt. Durch das Verbot chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel im ökologischen Landbau gelangen weniger Schadstoffe ins Grundwasser. Durch die flächengebundene Tierhaltung, das heißt die Anpassung der Tierzahl an die Größe der bewirtschafteten Fläche, ist das Risiko der Nitratauswaschung zusätzlich geringer. Dadurch gelangt weniger Nitrat in tiefere Bodenschichten und ins Grundwasser. Das Verbot von mineralischem Stickstoffdünger spart zusätzlich Energie. Diese Düngemittel werden mit sehr energieintensiven Verfahren hergestellt. Entscheidend für die Biodiversität und den Schutz der Ökosysteme ist auch der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel. Diese sind maßgeblich für den Rückgang von Insekten, Feldvögeln und Wildkräuterarten verantwortlich. Eine Studie des Thünen-Instituts stellte zum Beispiel fest, dass im Bio-Landbau die mittleren Artenzahlen von Feldvögeln um 35 Prozent und bei Bestäuberinsekten um 23 Prozent erhöht sind.
Quellen:
- Artenvielfalt im Ökologischen Landbau
- Kreislaufwirtschaft im Ökologischen Landbau
- Grundwasserschutz im Ökologischen Landbau
- Umweltleistungen des ökologischen Landbaus
- Umweltbundesamt: Beitrag der Landwirtschaft zu Treibausgas-Emissionen
- TUM-Studie zu Umwelt- und Klimawirkungen des ökologischen Landbaus (PDF-Dokument)
- FiBL: Contribution of Organic Agriculture to the SDGs
- Researchgate: Organic Agriculture and Climate Change
Die Frage, ob der ökologische Landbau die Welt ernähren kann, hat viele Facetten. Richtig ist, dass der Ökolandbau für die gleiche Menge Getreide oder Gemüse mehr landwirtschaftliche Fläche benötigt als der konventionelle Landbau, und unendliche Flächen gibt es nun einmal nicht. Aber ob Bio die Welt ernähren kann, hängt vor allem von zwei Faktoren ab: Lebensmittelverschwendung und Fleischproduktion. Tatsächlich werden derzeit mehr Lebensmittel produziert als benötigt, nur die Verteilung stimmt nicht: Denn vor allem im globalen Norden landen sehr viele noch genießbare Lebensmittel auf dem Müll oder gehen durch schlechte Transport- und Lagerbedingungen verloren", so FAO und UNEP. Hier gibt es also noch viel Potenzial. Gleichzeitig ist die pflanzliche Ernährung ein wirksamer Hebel zur Flächeneinsparung, da die Fleischproduktion zum Beispiel durch den Anbau von Kraftfutter insgesamt deutlich mehr Fläche beansprucht. Durch zahlreiche positive Umweltwirkungen stärkt der ökologische Landbau langfristig die Ernährungssicherung, etwa durch den Schutz überlebenswichtiger Bestäuberinsekten und die Förderung der Bodenfruchtbarkeit. Bestimmte ökologische Anbaumethoden wie weite und vielfältige Fruchtfolgen können auf ertragsschwachen Böden sogar zu Ertragssteigerungen führen.
Quellen:
- Weltacker besuchen und Welternährung erleben
- Umweltbundesamt-Studie: Entwicklungsperspektiven der ökologischen Landwirtschaft in Deutschland (PDF-Dokument)Nature: Nachhaltigere Welternährung durch ökologische Landwirtschaft
- Welternährung durch ökologische und biodiverse Landwirtschaft
- Bio-Landbau als Chance für Welternährung
- IFOAM: Ernährungssicherheit durch Öko-Landbau
Bio-Bäuerinnen und -Bauern müssen sich an die strengen Vorgaben der EU-Öko-Verordnung halten, um ihre Tiere als Bio oder ökologisch gehalten vermarkten zu dürfen. Im Vordergrund steht dabei die artgerechte Haltung, das heißt: Die Tiere sollen ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben können, zum Beispiel das Grasen bei Wiederkäuern oder das Scharren bei Hühnern. Die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestflächen im Stall sowie die Auslaufbedingungen sind für Bio-Tiere deutlich großzügiger als in der konventionellen Tierhaltung, angepasst an die jeweilige Tierart und das Alter des Tieres. So stehen jedem Bio-Huhn mindestens 4 Quadratmeter Auslauf zur Verfügung. Auch Geflügel muss so früh wie möglich, mindestens aber ein Drittel seiner Lebenszeit, Auslauf haben. Die ganzjährige Anbindehaltung von Rindern ist verboten, mit Ausnahmen für Kleinbetriebe, allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen. In der sogenannten Kombihaltung müssen die Tiere unter anderem während der Weidezeit Zugang zu Weideland haben und auch außerhalb der Weidezeit steht ihnen ein regelmäßiger Winterauslauf zu. Bio-Ställe müssen an die Bedürfnisse der Tiere angepasst sein, zum Beisiel müssen Rinder und Schweine getrennte Liegeplätze haben. Auch an die Fütterung werden strenge Anforderungen gestellt. Für Rinder, Schafe und Ziegen sind 100 Prozent Bio-Futter vorgeschrieben. Zudem muss das Futter möglichst artgerecht sein, das heißt, Pflanzenfresser müssen mindestens 60 Prozent Raufutter wie Gras und Heu erhalten. Laut einer umfassenden Querschnittsstudie des Thünen-Instituts zeigen Tiere in Öko-Betrieben ein besseres emotionales Wohlbefinden und Tierverhalten als in konventionellen Betrieben.
Auch hier gibt die EU-Öko-Verordnung Mindeststandards für die Tierhaltung vor – hier gibt es sicherlich noch Luft nach oben und entsprechenden Verbesserungsbedarf. Die Bioverbände geben hier im Vergleich teilweise noch strengere Richtlinien vor.
Quellen:
Es stimmt, dass Bio-Produkte in der Regel teurer sind als konventionell erzeugte Lebensmittel. Aber warum ist das so? Ökologischer Landbau ist arbeitsintensiver und die Erntemengen sind oft geringer. Der Anbau von Leguminosen zur Bodenverbesserung bindet Ackerland. Die artgerechte Tierhaltung ist nicht auf Höchstleistung, sondern auf hohe Tierwohlstandards ausgerichtet. Die Verarbeitung von Bio-Produkten erfordert den Einsatz hochwertiger, natürlicher Zutaten aus ökologischem Anbau. Und nicht zuletzt muss sich das strenge Kontrollsystem rund um die Bioprodukte lohnen.
Die Krisen der letzten Jahre haben jedoch gezeigt, dass die Preise für Bio-Produkte oft stabiler sind. Die Preisunterschiede zwischen konventionellen und Bio-Lebensmitteln haben sich in den letzten Jahren zum Teil deutlich verringert. Bei Milch und Butter sind konventionelle Produkte teilweise sogar teurer als Bio-Produkte. Rechnet man die Umweltauswirkungen der konventionellen Landwirtschaft in den Preis ein, sind Bio-Produkte sogar oft günstiger. Langfristig senkt der Ökolandbau auch die Kosten für die Gesellschaft, zum Beispiel durch weniger Wasserverschmutzung oder geringere Gesundheitsrisiken.
Quellen:
- Warum sind Bio-Lebensmittel teurer
- Wahre Kosten eines Öko-Lebensmittels
- Preisvergleich: Bio-Produkte sind preisstabiler
Auch Bio-Landwirte und Landwirtinnen müssen ihre Pflanzen vor Schädlingsbefall schützen – allerdings unter starker Reglementierung. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist im Biolandbau auf ein Minimum reduziert, natürliche Schädlingsbekämpfungsmethoden stehen im Vordergrund. Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel sind gänzlich verboten. Nur wenn vorbeugende Maßnahmen und Verfahren nicht ausreichen, um die Kulturen ausreichend vor Schädlingen zu schützen, dürfen Bio-Betriebe bestimmte Pflanzenschutzmittel einsetzen, die in einer Positivliste der EG-Öko-Verordnungaufgeführt sind. Diese zugelassenen Pflanzenschutzmittel sind meist pflanzlichen, tierischen oder mineralischen Ursprungs, wie zum Beispiel Kupfer oder Bienenwachs. Der Einsatz muss dokumentiert werden und wird bei der Bio-Kontrolle überprüft.
Quellen:
Bio-Produkte, die außerhalb der EU erzeugt, aber innerhalb der EU verkauft werden, unterliegen den gleichen Qualitäts- und Kontrollanforderungen wie Bio-Produkte, die in der EU erzeugt werden; für alle Bio-Produkte gilt das europäische Bio-Recht. In der Praxis bedeutet das: Wer Bio-Produkte in die EU importieren will, muss nach der EU-Öko-Verordnung – oder einer vergleichbaren Regelung – kontrolliert und zertifiziert sein. Wie funktioniert das? Im Prinzip genauso wie innerhalb der EU. Einige so genannte Drittländer haben ein eigenes Öko-Recht und Kontrollsystem, das von der EU als "gleichwertig" anerkannt ist, zum Beispiel die USA, die Schweiz oder Indien. In Ländern ohne eine solche Anerkennung sind die Hersteller bzw. Importeure auf von der EU-Kommission anerkannte Öko-Kontrollstellen angewiesen, die die Öko-Kontrollen vor Ort durchführen. Für jeden Bio-Import wird eine Kontrollbescheinigung ausgestellt, die unter anderem Angaben über Menge, Ursprung und Zielort enthält. Damit werden auch die zusätzlichen Zollkontrollen bei der Einfuhr vereinfacht. Heute müssen alle Unternehmen, die Bio in die EU importieren wollen oder am Bio-Import beteiligt sind (zum Beispiel im Drittland tätige Kontrollstellen), in der elektronischen Datenbank TRACESregistriert sein. Hier sind alle Kontrollbescheinigungen einfach und überall abrufbar und damit überprüfbar.
Quellen:
Richtig, ideal ist das Trio: regional, saisonal und bio. Sowohl Regionalität als auch Bio haben unterschiedliche Vor- und Nachteile für Umwelt und Klima. Während "Bio" durch die EU-Bio-Verordnung umfassend geregelt ist und Bio-Lebensmittel kontrolliert und eindeutig gekennzeichnet werden, ist der Begriff der Regionalität nicht durch Richtlinien eingegrenzt und definiert. Das lässt den regionalen Akteurinnen und Akteuren viel Spielraum. Ob diese 30 oder 300 Kilometer entfernt sind, bleibt oft unklar. Regionalität hat den klaren Vorteil, dass lange Transportwege vermieden und damit Treibhausgasemissionen eingespart werden und gleichzeitig die regionale Landwirtschaft unterstützt wird. Allerdings liegt die größte Klimabelastung in der Landwirtschaft bei der Produktion, nicht beim Transport. Entscheidend ist hier auch der Faktor Saisonalität, denn die Lagerung verbraucht viel Energie. So kann der deutsche Apfel im Februar insgesamt sogar eine schlechtere Klimabilanz aufweisen als der eingeflogene Apfel. Wichtig ist auch zu verstehen, dass die ökologischen Fußabdrücke von Lebensmitteln sehr unterschiedlich sind und dementsprechend unterschiedliche Faktoren berücksichtigt werden müssen. Ist die Klimabilanz schon vor dem Transport hoch (zum Beispiel bei der Fleischproduktion), ist Bio tendenziell die bessere Wahl. Wirkt sich aber der Transport besonders stark auf die Bilanz aus (zum Beispiel bei der Obst- und Gemüseproduktion), ist Regionalität – innerhalb der Saison – tendenziell vorteilhafter. Es ist also komplexer als "X ist besser als Y".
Quelle:
Text: Natascha Hutchinson, Dr. Ines Hensler, Ecocert
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Letzte Aktualisierung 06.11.2024









